Demonstration am Samstagmittag in Winnenden gegen Rassismus. Foto: Horst Rudel

Zu einer Demonstration des Bündnisses „Zusammen gegen Rechts Rems-Murr“ am Samstagmittag in der Winnender Innenstadt kommen viel mehr Teilnehmer als erwartet. Zuvor gab es Vorfälle mit Neonazis in der Stadt.

Winnenden - Es ist bereits fünf nach zwölf an diesem sommerlichen Samstag auf dem Viehmarkt mitten in Winnenden. Dabei sollte die Demonstration gegen Rechts doch um Punkt 11.55 Uhr beginnen, das Motto: „Es ist fünf vor zwölf – ob Winnenden oder Chemnitz. Für eine Welt ohne Rassismus.“ Der Start verzögert sich – weil immer noch Menschen in Richtung Innenstadt pilgern. Ein Sprecher des Veranstalters, des Bündnisses „Zusammen gegen Rechts Rems-Murr“ sagt am Rande der Veranstaltung mit einem Grinsen im Gesicht, dass man nur mit rund 30 Teilnehmern gerechnet habe. Mittlerweile dürften aber gut zehn Mal so viele Menschen aus Winnenden und der Umgebung da sein. Die Veranstalter werden später von etwa 400 Teilnehmern sprechen.

„Unsere Alternative heißt Solidarität.“

Mit ein bisschen Verspätung und nach einer kleinen Rangelei zwischen ein paar jungen Männern und Frauen mit der Polizei erklären die Redner, warum das Bündnis zur Demo aufgerufen hat: Weil am 30. August zwei Neonazis mitten in Winnenden zwei Flüchtlinge beleidigt und bedroht hätten. Die Polizei habe bei den beiden Aggressoren „ein ganzes Waffenarsenal“ sichergestellt. Rassistische Übergriffe dürften keinesfalls schweigend hingenommen werden. Es gelte, ein Zeichen zu setzen gegen Rassismus und gegen rechte Gewalt. Zur Demonstration aufgerufen hatten unter anderem die Antifaschistische Linke, die IG Metall, die DKP, die Jusos und die Initiative Rems-Murr nazifrei.

Die Menschen tragen Transparente auf denen zum Beispiel steht „Unsere Alternative heißt Solidarität“ und T-Shirts mit Slogans wie „Kein Mensch ist illegal“. Es herrscht Volksfeststimmung. Nach jeder Rede ruft die Menge „Ob Nazis oder AfD, stoppt den Rechtsruck in der BRD“. Eine Rednerin erklärt, dass die größten Probleme in Deutschland fehlende Wohnungen, unsichere Arbeitsplätze und Minirenten seien. Die AfD biete einfache Antworten, machte die Migranten zu Sündenböcken. Und die CSU stehe der AfD ganz nah. Aber es gebe im Land „eine Masse, die für eine solidarische Gesellschaft einsteht“. Wie in Winnenden an diesem Tag.

„Wer schweigt, stimmt zu.“

Der nächste Redner berichtet, dass das Jugendzentrum (Juze) in Backnang „ein Lieblingsziel“ der Nazis sei, regelmäßig würden die Wände mit Parolen beschmiert. Auch deshalb solle die nächste Demo gegen Rechts im Oktober in der Murrstadt über die Bühne gehen. Reinhard Neudorfer (Linke) sagt, die meisten AfD-Wähler seien keine „Abgehängten“, vielen gehe es finanziell gut, sie seien schlicht ausländerfeindlich. Deshalb warne er Parteifreunde wie Sahra Wagenknecht davor, AfD-Wähler in großer Zahl zurückgewinnen zu wollen.

Nach rund einer Stunde wird die Demo offiziell für beendet erklärt. Doch viele Menschen ziehen nun spontan mitten durch Winnenden in Richtung Bahnhof. Sie rufen: „Wer schweigt, stimmt zu.“

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