Die Esslinger „Omas gegen Rechts“ setzten vor der Wahl ein Zeichen: Rund 250 Teilnehmer rückten vor dem Rathaus die Demokratie ins rechte Licht.
Rund 250 Menschen haben mit Lampen, Kerzen und Lichterketten sowie Transparenten vor dem Esslinger Rathaus ein sichtbares Zeichen für Menschlichkeit, Miteinander und Vielfalt gesetzt. Aufgerufen zu der landesweiten Aktion hatte die Esslinger Ortsgruppe der „Omas gegen Rechts“.
Der Termin war ganz bewusst gewählt: Kurz vor der Landtagswahl am 8. März sollte das Lichtermeer die Demokratie ins rechte Licht rücken, wie Heidi Großmann, Mitbegründerin der Esslinger Ortsgruppe, betonte.
Demonstration in Esslingen: „Demokratie stirbt in der Dunkelheit“
Bereits zum Auftakt, gestaltet von einem Dudelsackspieler und dem Esslinger „Omas-gegen-Rechts“-Chor hatte sich eine bunte Menschenmenge quer durch alle Generationen vor dem Rathaus eingefunden. „Den Dudelsackspieler haben wir gewählt, da der Dudelsack ein Symbol des Widerstands ist – wenn auch in Schottland“, erklärte Großmann. Es folgte die Europahymne des Oma-Chors, bei dem auch die Teilnehmer der Kundgebung kräftig mitsangen. In ihrer Rede betonte Großmann, dass es mehr Licht benötige, um unsere hart erarbeiteten Werte zu verteidigen: „Demokratie stirbt in der Dunkelheit.“ Und Dunkelheit herrsche auch hinter geschlossenen Augenlidern, wenn wir angesichts beängstigender Entwicklungen die Augen lieber verschließen, statt sie weit zu öffnen. Angst könne aber auch ein guter Ratgeber sein, so Großmann weiter: „Wenn uns manche Aussagen von Populisten das Fürchten lehren, dann müssen wir reagieren. Wir müssen unsere Demokratie verteidigen und die Augen öffnen.“ In Deutschland habe man das Privileg, in der wertvollsten aller Staatsformen zu leben: „Geben wir alles dafür, dass es so bleibt. Diese Lichter sind ein Versprechen, nicht wegzusehen – und auch nicht zu schweigen.“ Bei der nachfolgenden Rezitation der wichtigsten Artikel des Grundgesetzes, ertönte immer wieder Beifall aus den Reihen der Zuschauer. „Das hört man auch nicht oft“, wie eine Teilnehmerin bemerkte.
Ähnliche Aktionen fanden zeitgleich in 25 anderen Orten in Baden-Württemberg statt, darunter in Stuttgart, Kirchheim/Teck und Wendlingen. In Wendlingen nahmen zum Beispiel rund 130 Teilnehmer an dem Lichterzug der „Omas gegen Rechts“ rund um das Rathaus teil. Auch Wendlingens Bürgermeister Steffen Weigel unterstützte die Kundgebung und betonte in seiner Rede, wie wichtig es sei, ein deutliches Zeichen für die Demokratie zu setzen: „Demokratie ist nicht verhandelbar, für keine Bevölkerungsgruppe und für keine Partei.“
Mitmachen bei Omas gegen Rechts: Man muss keine Oma sein
Die „Omas gegen rechts“ sind eine überparteiliche Initiative mit zahlreichen lokalen Ortsgruppen in ganz Deutschland, die sich gegen Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus einsetzen. Sie agieren basisdemokratisch, oft vernetzt durch Facebook. Erstmals wurden „Omas gegen Rechts“ im November 2017 in Wien gegründet, wenig später zog die Initiative auch in Deutschland ihre Kreise. Die Ortsgruppen in Esslingen und Wendlingen haben sich beide 2024 gegründet.
Man muss übrigens nicht Oma sein, um bei den „Omas gegen Rechts“ Aufnahme zu finden. Sowohl bei der Esslinger Ortsgruppe, wie auch bei dem Ableger Wendlingen/Köngen, sind auch Männer oder Seniorinnen ohne Nachkommenschaft herzlich willkommen, wie die Verantwortlichen betonen.