Bei einer Kundgebung der Bewegung in Heilbronn ist ein wegen Körperverletzung verurteilter Mann aus dem NPD-Landesvorstand als Ordner aufgetreten. Die Organisatoren wollen davon nichts gewusst haben.
Heilbronn - Wie ticken die Heilbronner Querdenker politisch? Diese Frage stellt sich auch mehr als eine Woche nach einer Kundgebung in der Neckarstadt. Wie unsere Zeitung berichtete, war der NPD-Funktionär Matthias Brodbeck dort als Ordner aufgetreten. Für Aufsehen sorgt inzwischen auch ein Video, das zeigt, wie ein Redner mit ausgestrecktem rechten Arm die Menge grüßte. Man prüfe, ob es sich dabei um den Hitlergruß gehandelt haben könnte, teilte die Polizei vor einigen Tagen mit. Die Heilbronner Grünen verurteilten die Querdenken-Aktion und zeigten sich „schockiert von Bildern rechtsextremer Demonstranten in der Innenstadt“. Rechtspopulisten hätten die Bewegung „gekapert“, heißt es in dem Statement der Grünen.
Alexander Staengle, der Organisator der Kundgebung, sieht sich und seine Initiative hingegen zu Unrecht in die rechte Ecke gestellt. Man habe kein Interesse, sich mit irgendeiner Partei zu verbinden, sagt der 37-Jährige. „Wir sind eine Bürgerbewegung, die sich für die Grundrechte einsetzt“. In einem Manifest listen die Querdenker mehrere Artikel des Grundgesetzes auf, die sie durch die Corona-Verordnung eingeschränkt sehen.
Der Organisator gibt sich ahnungslos
Warum bei seiner Kundgebung ein wegen Körperverletzung verurteilter Mann aus dem NPD-Landesvorstand als Ordner eingesetzt war, kann Staengle jedoch nicht erklären. „Ich kenne ihn nicht und weiß auch nicht, wer ihm die Ordnerbinde gegeben hat.“ Auch die für Ordner verantwortliche Person in seinem Team wisse nicht, wie es dazu kam. „Vielleicht hat Herr Brodbeck die Ordnerbinde auch selbst mitgebracht“, spekuliert Staengle. Laut Versammlungsgesetz kann nur der Versammlungsleiter Ordner einsetzen. „Die Ordner unterliegen den Weisungen des Versammlungsleiters“, heißt es in einem Papier des Innenministeriums zur Durchführung von Versammlungen.
Unklar sind bisher auch die politischen Vorstellungen eines Mannes, der zum Ende seiner Rede auf der Heilbronner Kundgebung den rechten Arm zum Gruß reckte. In seiner Rede sprach er von einer „weltweiten Initiative“. Man solle alles tun, um eine angebliche „Krake“ aus „allen Behörden, aus der Politik und aus unseren Köpfen“ zu vertreiben.
Hitlergruß nur „hineininterpretiert“?
Alexander Staengle sagt, der Mann habe bereits zweimal auf Kundgebungen gesprochen und sei ihm von dort bekannt. Er könne angesichts des Videos nachvollziehen, dass man in die Geste einen Hitlergruß „hineininterpretiere“. Die Heilbronner Polizei habe sich aber bis heute nicht mit ihm als Versammlungsleiter in Verbindung gesetzt. Nach Recherchen unserer Zeitung handelt es sich bei dem Redner um einen Mann aus der Region Heilbronn. In einem sozialen Netzwerk gibt er in englischer Sprache an, dass er sich seit Januar mit der „echten deutschen Geschichte“ beschäftige.
Der Organisator Alexander Staengle versichert, Rechtsextremismus nicht willkommen zu heißen. Bei künftigen Aktionen will er genauer hinschauen. Die nächste Gelegenheit dafür ergibt sich bereits im Dezember. Im benachbarten Öhringen plant eine befreundete Querdenken-Gruppe eine Kundgebung.