Das Großprojekt Stuttgart 21 erhitzt die Gemüter: In Degerloch ziehen am morgigen Samstag Gegner durch den Bezirk. Foto: dpa

Aktivisten und Radgruppe der Naturfreunde Stuttgart demonstrieren gegen das Milliardenprojekt. Der Weg der Demonstranten führt vom Fernsehturm über den Degerlocher Marktplatz zum Albplatz.

Degerloch - Nein, ein Marathon wird es eher nicht. Die Aktivistin Sabine Angerbauer verspricht, dass die Teilnehmer der für Samstag geplanten Laufdemo ein gemächliches Tempo anschlagen werden. Die Slogans auf den Plakaten sollen schließlich gut sichtbar sein, sagt sie.

Die Freibergerin war von Anfang an beim Laufdemo-Team dabei. Seit Dezember 2012 haben sie und vier Mitstreiter sechs Kundgebungen auf die Beine gestellt, bei denen die Leute nicht auf einem Platz stillstehen, sondern von einem Ort zum anderen marschieren. Thematisch wollen sich die Veranstalter von den Montagsdemos abheben. „Wir greifen Dinge auf, die auf den Montagsdemos nur am Rande angesprochen werden“, sagt Angerbauer.

Drei Reden sind eingeplant

Die Demonstration soll den Menschen auf den Fildern zum Beispiel Gefahren bewusst machen, die aus Sicht der Veranstalter drohen, wenn die Bahn tatsächlich einmal tief unter dem Fernsehturm durch einen Tunnel donnert. Überhaupt, der Fernsehturm: Die Schließung des Stuttgarter Wahrzeichens erzwinge es, auch noch einmal über das Milliardenprojekt nachzudenken, sagt Angerbauer. „Stuttgart hat beim Fernsehturm ja erlebt, was es heißt, den Brandschutz zu vernachlässigen. So etwas wie beim Fernsehturm sollte sich nicht noch einmal wiederholen .“

Vor dem Fernsehturm wird deshalb auch der Lokführer und Feuerwehrmann Thilo Böhmer über Brandschutz sprechen. Er tritt regelmäßig bei den Montagsdemonstrationen auf und ist ein bekanntes Gesicht in der Protestbewegung gegen Stuttgart 21. Vom Fernsehturm, wo die Kundgebung um 14.30 Uhr beginnt, werden die Demonstranten durch die Had-äckerstraße weiter ziehen. Dort ist ein Stopp geplant. Ein weiterer bekannter Aktivist der Bewegung gegen das Projekt Stuttgart 21, der Ingenieur Frank Schweizer, wird zu den Demonstranten sprechen. Danach geht es weiter auf den Degerlocher Marktplatz. Dort wird Gerhard Kampe vom Aktionsbündnis Degerloch reden, bevor die Teilnehmer der Kundgebung zum Abschluss der Demonstration auf den Albplatz weiterziehen. Das Ende der Kundgebung ist für 17.30 Uhr anberaumt.

Unterstützung durch Radfahrer

Die Veranstalter rechnen mit 300 bis 500 Demonstranten. Am gleichen Tag gebe es in Mannheim eine Kundgebung gegen Stuttgart 21, sagt Angerbauer. „Deshalb werden nicht mehr Leute nach Degerloch kommen.“

Nicht nur zu Fuß werden Demonstranten den Weg vom Fernsehturm zum Albplatz zurücklegen. Auch die Naturfreunde Radgruppe Stuttgart wird mit 50 bis 100 Radfahrern bei dem Protest dabei sein, sagt der Naturfreund Peter Pipiorke. Ihr Grund für die Teilnahme an der Kundgebung seien die aus seiner Sicht drohenden ökologischen Folgeschäden von S 21.

Ursprünglich hatte die Bahn von der Sigmaringer Straße aus einen Zwischenangriff geplant. Dabei sollte bis zur Mitte des 9,5 Kilometer langen Fildertunnels ein Hilfstunnel gegraben werden. Mit dessen Hilfe sollte der Fildertunnel schneller gebaut werden. Im Februar wurden die Pläne aber geändert. Eine Tunnelbohrmaschine soll nun die bergmännische Bauweise mit dem Hilfstunnel überflüssig machen. Allerdings sind die Pläne noch nicht ganz vom Tisch und gelten als sogenannte Rückfalllösung.

Der Tunnelbau werde als mögliches Szenario für Degerloch deshalb auf der Demo thematisiert, sagt Sascha Ebbinghaus vom Laufdemo-Team. „Vor allem geht es aber um das, was nach heutigem Stand Degerloch negativ beeinflussen wird“, sagt er. Aus seiner Sicht gibt es sicher allein darüber schon viel zu sagen.

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