Die Stiftung des Kabarettisten Christoph Sonntag hat es sich zum Ziel gesetzt, junge Menschen zu ermutigen, sich für die Demokratie einzusetzen. Achtklässler der Leinfelder Ludwig-Uhland-Schule haben sich eine Woche lang intensiv mit dem Thema beschäftigt.
Der Satz stimmt nachdenklich: „Ich wusste gar nicht, dass auch unsere Meinung zählt“, sagt Mattia. Der 13-Jährige steht gerne am 3-D-Drucker der Schule. Er ist ein handwerklicher Typ, will einmal Schreiner oder Mechatroniker werden. Dass er auch vor Publikum sprechen kann, hat der Jugendliche gerade bei der Demokratiewoche der sogenannten „Christoph Sonntag-Stiphtung“ bewiesen. Gemeinsam mit Ahmal hat Mattia die Podiumsdiskussion im Unternehmen Kurz Aviation Service – und damit den Höhepunkt der Woche – eröffnet.
Warum beginnt Schule so früh?
Die achte Klasse der Leinfelder Ludwig-Uhland-Schule hat sich eine Woche lang auf diese Runde vorbereitet. „Wir waren ganz schön aufgeregt“, verrät Ahmal. Beim Üben haben sie sich auf Video aufgenommen. „Das hat geholfen“, verrät der 15-Jährige. Jugendliche aus zehn Ländern gehören der Klasse an. „Wir sind echt multikulti“, sagt Alina Hummel, die Schulleiterin. Mattia ist Italiener, Ahmal ist in Syrien geboren. Eine Mitschülerin kommt aus Indien, andere Klassenkameraden stammen aus Ungarn, dem Irak oder dem Kosovo.
Die Mädchen und Jungen haben in dieser Woche die Akademie für Natur- und Umweltschutz und das Haus der Geschichte in Stuttgart besucht, sowie bei einem Workshop viel über Migration gehört. Mit Annelie Speckmaier, der Stiftungsleiterin, hat die Klasse überlegt, welche Rechte ihnen wichtig sind. „Wir haben keinerlei Vorgaben gemacht“, sagt sie. Über das Ergebnis sei sie dann sehr überrascht gewesen. Das Recht auf Freiheit, auf Meinungsfreiheit und auf Bildung war den Jugendlichen am wichtigsten.
Warum gibt es Krieg?
Für die Podiumsdiskussion haben sie „richtig spannende Fragen“ entwickelt, wie die Stiftungsleiterin findet. Könnte die Schule auch erst um 8.30 Uhr anfangen?, wollten sie etwa wissen. Oder: Warum verdient man bei Edeka weniger als bei Porsche? Sie wollten darüber reden, warum manche Menschen weniger Rente als andere bekommen, warum es so viele Geflüchtete in Deutschland gibt, warum es Krieg gibt, wenn man Konflikte doch auch durch Reden lösen kann? Der Stiftungsgründer und Kabarettist Christoph Sonntag, Christoph Palm, Ex-Oberbürgermeister von Fellbach, Michael Eick, Leiter der Umweltakademie, Bernd Lienemann vom Rotary Club und Gebhard Fürst, bis 2023 Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, liefern Antworten.
Von Christoph Sonntag erfährt die Klasse, dass auch er sehr gerne ausschläft, weil er oft bis spät in die Nacht arbeitet. Christoph Palm macht den jungen Leuten Mut für ihre Jobsuche: „Der Fachkräftemangel ist groß. Ihr werdet auf alle Fälle gebraucht werden.“ Um aber den Wunschberuf zu ergattern, müssten sie schon bereit sein, einen Schritt zu wagen – beispielsweise in eine andere Stadt zu ziehen. Bernd Lienemann vom Rotary Club sagt: „Am Rentensystem können wir nicht viel ändern. Wir können nur schauen, dass ihr alle einen guten Job bekommt und viel einzahlt.“ Hagen Kurz, Geschäftsführer von Kurz Aviation Service, betont: Wer Abitur mache und studiere, könne qualifiziertere Jobs bekommen, mehr Geld verdienen. „Jede Arbeit aber ist wichtig für die Gesellschaft und die Demokratie.“
Zum Thema Krieg erklärt Gebhard Fürst: „Die Ukraine will ein selbstständiger Staat sein.“ Russland akzeptiere das nicht und verstoße gegen internationales Recht. Man dürfe ein Land nicht mit so furchtbaren Dingen, mit so viel Leid überziehen. Er fordert die Klasse auf: „Tretet ein für den Frieden, wo immer es geht – in eurer Klasse, im Internet...“ „Deutschland nimmt tatsächlich viele Geflüchtete auf, andere Länder machen das nicht“, sagt Michael Eick. Weil in Deutschland die Bevölkerung immer älter werde, sei es gut, wenn viele Menschen kämen – aber nur, wenn sie integriert werden. „Das gut hinzubekommen, ist die große Challenge.“
Mattia ist richtig begeistert: „Toll, dass wir hier unsere Fragen stellen dürfen“, sagt der 13-Jährige.
Demokratiewochen für Schülerinnen und Schüler
Stiftung
Die Woche mit den Schülerinnen und Schülern der Ludwig-Uhland-Schule war ein Auftakt. Die Christoph Sonntag-Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, Jugendlichen demokratische Werte zu vermitteln. Im kommenden Jahr will die Stiftung weitere zehn Demokratiewochen an Schulen im Stuttgarter Raum anbieten. Projektpartner der Stiftung sind der Rotary Club und die Firma Stihl.
Kurz Aviation Service
Das Unternehmen liegt direkt am Stuttgarter Flughafen. Es kümmert sich um Flugzeuge, ist Ansprechpartner für Piloten und Passagiere, hat ein eigenes Terminal. Als der Stiftungsgründer Sonntag Hagen Kurz von der Idee der Demokratiewochen erzählte, war der Unternehmer Feuer und Flamme. Denn: „Demokratie ist eine ganz fragile Sache“, sagt er.