Mit 800 Teilnehmenden bleibt die erste Kundgebung in Fellbach für Demokratie, Menschenrechte und Vielfalt etwas hinter den Erwartungen zurück. Was sagen die Veranstalter danach?
Ein paar wenige Banner waren zu sehen. „Menschenrechte statt rechte Menschen“ stand auf einem. Ein anderes mit der Aufschrift „Unser Kreuz steht für Zusammenhalt und Miteinander“ streckten Mitglieder der ACK, der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen, gen Himmel. Eine Frau hatte ein Schild umgehängt: „Nationalität Mensch“. Die Appelle stießen am Samstag auf dem Guntram-Palm-Platz in Fellbach auf viele offene Ohren.
„Gelungener Auftakt zu mehr“, sagt Initiator
Rund 800 Teilnehmende kamen zur ersten Kundgebung für Demokratie, Menschenrechte und Vielfalt in Fellbach. Das waren etwas weniger als die Veranstalter erwartet und erhofft hatten. Schließlich hatte ein Bündnis von nunmehr 39 lokalen Institutionen und Vereinen, darunter die drei großen Sportvereine SV Fellbach, TSV Schmiden und TV Oeffingen, dem sich zuletzt auch noch der Förderverein Besinnungsweg Oeffingen angeschlossen hatte, zur Teilnahme aufgerufen. Die Organisatoren waren trotzdem zufrieden. „Es war ein gelungener Auftakt zu mehr“, sagte Winfried Bauer vom Weltladen, der Initiator der konzertierten Friedensaktion, die zugleich Auftakt für ein „Bündnis für Demokratie“ sein soll.
Bei der Kundgebung sprach die Oberbürgermeisterin Gabriele Zull zu den Anwesenden. Fellbach stehe für Menschenrechte, Demokratie und Vielfalt, für eine liberale und freie Gesellschaft. Die Stadt halte zusammen und setze an diesem Tag ein starkes Zeichen. Das Grundgesetz habe die unantastbare Würde des Menschen festgeschrieben und mit einer sogenannten Ewigkeitsklausel geschützt, sagte Zull. „Und es umfasst alle Werte, die uns wichtig sind.“ Aber Demokratie müsse gelebt werden und basiere auf Respekt und gemeinsamen Werten. „Lassen Sie uns nicht nur heute, sondern an jedem neuen Tag im Alltag für die Menschenrechte einstehen.“
„Ich gehöre hierher“, sagt Gülten Aysel
Viele eindringliche Worte folgten. „Wer in der Demokratie schläft, wacht in der Diktatur auf“, sagte der Initiator Winfried Bauer. Deshalb wolle man gemeinsam „hinstehen, aufstehen und die Demokratie verteidigen“. Sara Schmalzried, Vorsitzende des Jugendgemeinderats, sagte, dass ihre Kinder und Enkelkinder in einer „vielfältigen und demokratischen Stadt leben sollten“. Und Gülten Aysel, die stellvertretende Vorsitzende der Migrantenvertretung Baden-Württemberg, die in Fellbach lebt, sagte: „Ich gehöre hierher und werde nirgends anders hingehen.“ Menschen aus mehr als 120 Nationen lebten in Fellbach. „Und sie sind alle eine Bereicherung.“
Ulrich Lenk, Präsident des TSV Schmiden, bekannte sich im Namen aller Sportler uneingeschränkt zu den im Grundgesetz verankerten Menschenrechten, wozu ausdrücklich das Asylrecht und die Aufnahme von politischen Verfolgten aus aller Welt gehöre. Sport verbinde und überwinde Berührungsängste, Sprachbarrieren und Vorurteile, sagte er: „Es ist uns ein besonderes Anliegen, Menschen mit Migrationshintergrund in unseren Sportgruppen zu integrieren und auch Flüchtlinge mit besonderen Angeboten zu erreichen und an unsere Vereine heranzuführen.“
Keinerlei Störungen bei der Demo
Gesungen wurde auch. John Noville aus Barbados, der vor vielen Jahren im Remstal gestrandet war, spielte ein paar Songs, und alle gemeinsam stimmten John Lennons „Imagine“ an.
20 Ordner und ein knappes Dutzend Ordnungshüter waren während der Kundgebung auf dem Gelände. Eingreifen mussten sie nie. Es fiel positiv auf, dass viele Geflüchtete zu der Friedensdemo gekommen waren. Und zum Abschluss wurde noch einmal gemeinsam gesungen: „We Shall Overcome“.
Oberbürgermeisterin lobt Impuls der Bürger
„Der Stein ist ins Rollen gebracht“, sagte danach Stefanie Hauser vom Abenteuerspielplatz Schmiden, ebenfalls Mitglied im städtischen Bündnis. Und Bernd Hauslaib, früherer Rektor der Zeppelinschule konstatierte: „Es war grandios und gehaltvoll.“
Auch Erich Theile, Fellbacher Gemeinderat und seit 1994 Mitglied im Kreistag, lobte die Initiative. „Dass so viele Gruppierungen zusammengefunden haben, das gab es in unsere Stadt noch nie.“ Der 76-Jährige hätte sich zwar noch mehr Teilnehmerinnen und Teilnehmer gewünscht. „Aber ich bin frohen Mutes, weil alle hier für die Demokratie einstehen.“ Und jeder einzelne, der gekommen sei, sei wertvoll, erklärte Oberbürgermeisterin Gabriele Zull. „Und das Tolle ist, dass der Impuls aus der Bürgerschaft herauskam.“