Im Fokus des Streits um Sitzbänke stehen deren Nutzer. Foto: Archiv/Leif-Hendrik Piechowski

Die Fraktion von SÖS und Linken ruft zu einer Demonstration am Samstag auf: Sie will verhindern, dass an der Königstraße Bänke abgebaut werden, auf denen soziale Randgruppen sitzen.

Stuttgart - Der geplante Abbau von einigen Sitzbänken an der Königstraße, um die Präsenz sozialer Randgruppen einzudämmen, schlägt weiter hohe Wellen. Obwohl der Sozialausschuss den Plänen des Ordnungsamts zugestimmt hat, gibt es in sozialen Netzwerken und von Seiten der Fraktionsgemeinschaft SÖS/Linke-plus weitere Proteste. Diese sollen am Samstag um 11.30 Uhr in einer Demonstration gipfeln, die im vorderen Teil der Königstraße als große Sitzaktion im öffentlichen Raum stattfinden soll.

Schützend um die Sitzbänke aufstellen

Zu diesem Zweck planen SÖS/Linke-plus 30 orangene Stühle mitzubringen, um sie symbolisch schützend um die Sitzbänke aufzustellen, die teilweise ab- und weiter oben auf der Königstraße wieder aufgebaut werden sollen. „Wir rechnen mit 50 bis 100 Teilnehmern“, sagt der integrationspolitische Fraktionssprecher Luigi Pantisano.

Obwohl ein Antrag der Fraktionsgemeinschaft abgelehnt wurde, die Bänke so zu belassen, wie sie sind, hofft diese dennoch, den Gemeinderat mit der Aktion noch umstimmen zu können. Denn: wie im Detail mit den Bänken verfahren wird, ist nicht Sache des Sozialausschusses, sondern wird vom Ausschuss für Umwelt und Technik entschieden.

Kienzle nennt Aufgang zur Klett-Passage einen „Angstraum“

Im Gespräch sind derzeit zwei Möglichkeiten: entweder jeden zweiten Sitz aus den Sitzreihen herauszunehmen und die 20 betroffenen Elemente anderswo für 13 500 Euro aufzustellen. Oder die Rondelle um die Bäume ganz zu entfernen und alle 44 Bänke neu aufzubauen. Kostenpunkt hier: 44 000 Euro. Aus welchem Topf das Geld kommen soll, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar.

Die Idee, den sozialen Brennpunkt am Hauptbahnhof mit der Maßnahme zu entschärfen, die Sitzgelegenheiten dort zu reduzieren, war von Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle angeregt worden. Sie bezeichnete die ersten Meter am Aufgang zur Klett-Passage als „Angstraum“. Diese Einschätzung sah sie durch eine Ortsbegehung mit dem Bezirksbeirat Mitte bestätigt, als Bezirksbeiräte von der Klientel dort angepöbelt worden sein sollen.

Ganz anders beurteilte die Fraktionsgemeinschaft SÖS/Linke-plus die Situation. Stadtrat Luigi Pantisano nannte Kienzles Pläne „unmenschlich“. Sie seien nichts als eine Verlagerung der Armutsproblematik. Zustimmung erhielten die Befürworter der Erhaltung der Bänke auch von der Caritas. Diese argumentierte, dass sozial Schwache nicht ausgegrenzt werden dürften.

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