Protest: Bahnfreude, die für die Hesse-Bahn sind, demonstrieren gegen die Klage, die der Nabu zum Schutz der Fledermäuse angestrengt hat. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Der Naturschutzbund klagt gegen die Hesse-Bahn, weil im Tunnel der künftigen Schienenstrecke von Calw nach Renningen geschützte Fledermäuse leben. Dagegen protestiert eine Bürgerinitiative in Tierkostümen.

Stuttgart - Auf der Tübinger Straße haben am Freitag Frosch, Hase, Igel und Fuchs Stellung bezogen – vor der Geschäftsstelle des Naturschutzbundes (Nabu). Der Ort war mit Bedacht gewählt: Mitglieder der Bürgeraktion Unsere Schwarzwaldbahn, die sich für dieHesse-Bahn zwischen Calw und Renningen (Kreis Böblingen) einsetzt, protestierten in Tierkostümen gegen die Klage des Nabu, der durch die Wiederinbetriebnahme der vor 30 Jahren still gelegten Strecke die in Tunnels lebenden Fledermäuse gefährdet sieht.

Das Verfahren gegen den Bauherrn, den Kreis Calw, ist am Verwaltungsgerichtshof anhängig. Mit einer Entscheidung wird im Lauf des Jahres gerechnet. So lange kann nicht gebaut werden. Vorbereitende Arbeiten wie Rodungen sind nur teilweise erlaubt, in sensiblen Bereichen hat sie das Verwaltungsgericht Karlsruhe untersagt. Der Kreis will die Bahn Ende 2018 in Betrieb nehmen.

Calw will näher an Stuttgart heranrücken

Die Hesse-Bahn soll mit Dieselzügen Calw und Renningen miteinander verbinden – auf der Trasse der Schwarzwaldbahn. Damit wäre der Kreis Calw wieder an das Schienennetz nach Stuttgart angeschlossen. Der Calwer Landrat Helmut Riegger verspricht sich davon eine Attraktivitätssteigerung des Kreises, aber auch eine Entlastung des Straßennetzes. Das Vorhaben ist allerdings nicht unumstritten, da die Hesse-Bahn und die S-Bahn zwischen Weil der Stadt und Renningen gemeinsam eine eingleisige Strecke benutzen müssten. Der Verband Region Stuttgart befürchtet, dass dort Verspätungen fürs gesamte S-Bahnnetz ausgelöst werden könnten.

Gestritten wird auch über hunderte von Fledermäusen, die im Hirsauer Tunnel nahe Calw und in einem weiteren Tunnel leben, nachdem die Strecke seit mehr als 30 Jahre nicht genutzt wird. Die mindestens 15 Fledermausarten stünden fast alle auf der Roten Liste und seien streng geschützt, sagt Nabu-Vizechef Hans-Peter Kleemann. Ihr Überleben müsse gesichert werden, da ließen deutsches und EU-Recht keinen Spielraum. „Wir sind nicht gegen die Hesse-Bahn. Wir brauchen aber eine Planung, die beides vereint: Artenschutz und Schienenverkehr.“

Ist nur die Fledermauswürde unantastbar?

Die Bürgerinitiative wirft dem Nabu dagegen vor, mit dem Schutz der Fledermäuse über das Ziel hinaus zu schießen. Bei der Hesse-Bahn gehe es um ein umweltfreundliches Verkehrsmittel, das weniger Staus, weniger Verkehrslärm, weniger Abgase, weniger Feinstaub in Stuttgart und weniger überfahrene Tiere bedeute. „Der Nabu sieht vor lauter Fledermäusen, die anderen Waldtiere wie Fuchs, Frosch, Hase und Igel nicht mehr“, sagte Reinhard Hackl, zumal der Kreis bereits Ersatzmaßnahmen für die Fledermäuse anbiete, die aber vom Nabu als unwirksam abgelehnt werden. Die Forderungen des Nabu, etwa Tempo 30 in den Tunneln oder den Bau von Ersatztunneln, seien aber betrieblich und finanziell nicht realistisch, kritisierte Hackl und fragte: „Ist nur die Würde der Mopsfledermaus unantastbar“?

Hase und Igel blieben auf der Tübinger Straße übrigens nicht allein. Kleemann und andere Nabu-Leute stellten sich der Debatte. Doch die Fledermausschützer sowie Frosch, Hase und Igel wurden sich nur in einem Punkt richtig einig: der vom Nabu servierte Punsch wärmte bestens.

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