Bei der Demo wurden auch „Pace“-Fahnen geschwenkt. Foto: dpa/Tobias Hase

Nach den massenhaften Regelverletzungen bei Demos in Stuttgart herrschte Anspannung vor einer Querdenker-Demo am Freitag in Schorndorf. Dort demonstrierten rund 180 Querdenker lautstark und friedlich.

Schorndorf - Kurz vor 17 Uhr am Freitag ist der beschauliche Marktplatz in Schorndorf nur spärlich gefüllt. Die Demonstration der Querdenker startet fast eine Viertelstunde später als angekündigt. Doch auch im Verlauf der mehr als einstündigen Kundgebung bleibt die Zahl der Teilnehmer überschaubar, ebenso wie beim anschließenden Demo-Zug. Jörn Rieg, kommissarischer Leiter des Fachbereichs Ordnung und Sicherheit bei der Stadt Schorndorf, und die Polizei sprechen hinterher von rund 180 Teilnehmer und einem friedlichen Verlauf.

Das einzig erwähnenswerte sei ein etwas heftigerer Wortwechsel von ein paar Demonstranten und der Polizei gewesen, berichtet Jörn Rieg. „Das war aber schon nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung.“ Im Vorfeld hatte der Mann für Ordnung und Sicherheit in der Daimlerstadt nicht so richtig einschätzen können, wie sich die massenhaften Proteste in Stuttgart vom Wochenende davor auf die Beteiligung auswirken würden. Ebenso geht es wohl der Polizei. Sie ist nicht nur mit dem Demo erprobten Anti-Konflikt-Team und Kollegen vom zuständigen Revier vor Ort, sondern hat zusätzlich einige in Schwarz gekleidete Einsatzkräfte angefordert, die auch den Straßen-Aufzug begleiten.

Auflagen wurden „weitestgehend eingehalten“

Mediale Aufmerksamkeit ist der Versammlung der Maskenverweigerer und Impfskeptiker gewiss. Es ist die erste Demo, nachdem mehr als zehntausend mehrheitlich maskenlose Querdenker in Stuttgart bundesweit Schlagzeilen gemacht haben. Auch in Schorndorf gehen die Ordnungshüter nicht gegen allerdings nur vereinzelte Demonstranten vor, die entgegen den Versammlungsauflagen ohne Maske innerhalb der Absperrung stehen. Die Leute hätten Platz und hielten Abstand, so ein Sprecher der Polizei. „Reinzugehen und einzelne herauszuziehen, schürt unnötig Konfliktpotenzial.“

Unmut unter den Teilnehmern erregt allerdings, dass die Stadt erstmals den Verzehr von Speisen und Getränken im für die Kundgebung ausgewiesenen Bereich vor der Bühne untersagt hatte. Wer trinken oder essen will, muss sich außerhalb der mit rot-weißen Bändern begrenzten Zone aufhalten, in der auch kein Mund-Nasen-Schutz vorgeschrieben ist. Dass die Auflagen dennoch „weitestgehend eingehalten wurden“, bestätigt Jörn Rieg vom Ordnungsamt. „Und wo es Verstöße gab, werden die Personalien der Personen festgestellt und Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet.“

Aldinger: „Keiner von uns leugnet Corona“

Von der Bühne gibt es wie gewohnt lautstarke Kritik an Maskenpflicht, Schultestungen und der Politik. „Wenn alle Maßnahmen von Berlin aus bestimmt werden, ist der Föderalismus aufgehoben“, sagt die Organisatorin Brigitte Aldinger. Und es ist ihr wichtig zu betonen, dass „keiner von uns Corona leugnet“. Tina Romdhani, häufig auf Querdenker-Bühnen als Rednerin zu Gast, spricht von „getürkten Zahlen der Pandemie-Politiker“ und fordert die Mitarbeiter von Stadtverwaltung und Polizei zum Widerstand auf. „Jeder Beamte, der mitmacht, macht sich für Verbrechen an der Menschlichkeit strafbar und haftbar.“

Reinhard Müller hat, wie er sagt, im vergangenen Jahr mehr als 100 Demonstrationen besucht. Jetzt spricht er über positive Energie als Ausweg aus der Krise, betet ein Vaterunser und spielt auf dem Dudelsack „Halleluja“. Die Zuhörer schwenken Pace-Fahnen und Mandalas, halten handgeschriebene Schilder hoch, auf denen „Frieden, Freiheit, Liebe“ steht, und halten sich mehrheitlich an Maskenpflicht und Abstand.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: