Das Aufräumen beginnt. Am Tag nach dem Aufeinandertreffen von Polizei und linken Demonstranten auf dem Marienplatz werden neue Tatsachen bekannt.
So unterschiedlich lassen sich Geschehnisse beschreiben. Ganz nüchtern lässt sich über die Vorfälle vom Samstag auf dem Marienplatz wohl das sagen: Linke Demonstranten, die lautstark gegen eine rechte Demonstration auf dem Marienplatz protestieren wollten, gerieten mit der Polizei in Konflikt.
Die ehrenamtlichen Demo-Sanitäter haben das so wahrgenommen: „Gegen 12 Uhr erschienen ca. 700 Teilnehmende der Stuttgart gegen Rechts Kundgebung auf dem Marienplatz, welcher zu diesem Zeitpunkt komplett frei zugänglich war.“ Kurze Zeit später seien Hundertschaften der Polizei auf den Marienplatz gelaufen. „Mit Gewalt wurde der rechten Demonstration von der Polizei der Platz auf dem Marienplatz frei gemacht und die Gegendemonstrierenden unter Einsatz von Schlagstöcken und größeren Mengen Pfefferspray vom Marienplatz gedrängt und am Rande des Marienplatzes festgesetzt.“
Die Polizei schreibt: „Nachdem sich gegen 12.30 Uhr über hundert Personen der Gegenversammlung auf der Versammlungsfläche von ,Neustart - Baden-Württemberg steht auf’ befanden, versuchten Polizeikräfte zunächst persönlich und mittels Lautsprecherdurchsagen die Personen zum Verlassen des Platzes aufzufordern, wobei die Versammlungsteilnehmer die Aufforderungen ganz überwiegend missachteten.“ In der Folge sei den Personen der polizeiliche Zwang angedroht, und sie seien durch Polizeikräfte vom Platz geschoben worden. „Hiergegen widersetzten sich zahlreiche Personen aktiv wie passiv, es kam zu Beleidigungen, Schlägen und Tritten gegen Polizeibeamte und einzelnen Vermummungen. Um den Platz zu räumen, musste die Polizei letztlich Schlagstock und Pfefferspray einsetzen.“
323 Menschen wurden anschließend wegen des Verdachts des Landfriedensbruchs und den Angriffen auf Polizeikräfte eingekesselt und die Personalien festgestellt. Dabei seien unter anderem „Maskierungsmittel“ und mehrere Messer festgestellt worden.
Nach Angaben der Demosanitäter hätten viele Menschen 8,5 Stunden im Kessel ausharren müssen. Man habe 71 Menschen versorgen müssen, 46 habe man wegen des Einsatzes von Pfefferspray behandeln müssen. Acht Menschen hätten vom öffentlichen Rettungsdienst behandelt werden müssen.
Die Polizei kann diese Zahlen nicht bestätigen. In ihren Reihen gab es leichte Verletzungen, um wie viele Beamte es sich dabei gehandelt hat, könne man noch nicht sagen.
Was war der Auslöser?
Die Gruppierung „Baden-Württemberg steht auf“ hatte zu einer Veranstaltung unter dem Motto für „Frieden, Meinungsfreiheit und Bargelderhalt“ aufgerufen. Gekommen waren 250 Menschen. Neben zahlreichen Deutschlandfahnen und Fahnen mit Friedenstauben waren auch russische Flaggen sowie Reichskriegsflaggen zu sehen. Zudem zeigten Teilnehmer Schilder auf denen „Keine Weltregierung“ zu lesen stand. Gegen die Versammlung hatten zwei Gruppen Protest angemeldet. Auf Höhe eines Fast-Food-Restaurants war die Kundgebung „Anarchismus in die Offensive gegen Faschisten“ angekündigt, auf Höhe eines Bioladens eine Demonstration des Bündnisses gegen Rechts. Zahlreiche Menschen hatten sich jedoch direkt auf dem Marienplatz versammelt. Die Polizei versuchte, die Gruppen mit einem größeren Aufgebot voneinander zu trennen.