Die Demonstranten liefen bis zum Ludwigsburger Bahnhof Foto: Maximilian Kroh

Im ganzen Land demonstrieren am Freitag Schüler gegen das neue Wehrpflichtgesetz – so auch in Ludwigsburg. Die Organisatoren sind zufrieden mit dem Zuspruch und bereit für mehr.

Fast zeitgleich mit der Entscheidung des Bundestags ging es in Ludwigsburg los: Zahlreiche Menschen haben am Freitagmittag auf dem Akademiehof gegen die Einführung eines neuen Wehrdiensts demonstriert. Größtenteils waren es Schüler – die Demonstration war Teil der bundesweiten Schulstreiks – aber auch einige ältere Semester waren unter den Teilnehmern.

 

Der Ton der Demo war klar gesetzt. „Wir sind nicht euer Kanonenfutter“, richtete eine Rednerin das Wort direkt an die Bundesregierung. „Wir sind die Generation, die Frieden will und bereit ist, dafür mit ihrer Stimme, Verstand und Solidarität zu kämpfen.“ Die Schüler übten scharfe Kritik am neuen Wehrdienst, aber auch an den Investitionen der Bundesregierung in Aufrüstung.

Streiks in 90 Städten

„Wir bekommen an unseren Schulen jeden Tag zu spüren, dass dort Gelder fehlen“, sagte die Rednerin auf dem Akademiehof. „Aber für militärische Zwecke kann die Regierung auf einmal Milliarden ausgeben.“ Auch auf die Kritik, dass die Schüler während ihrer Schulzeit demonstrierten, hatte sie eine Antwort: „Hier lernen wir viel mehr. Wir lernen, unsere Stimme zu erheben und Demokratie zu leben.“

Zu den Streiks in 90 Städten hatte die bundesweite Initiative „Schulstreik gegen Wehrpflicht“ aufgerufen. Hintergrund ist die Einführung des neuen Wehrdienstgesetzes, das der Bundestag am Freitag verabschiedete. Es sieht vor, dass ab 2026 alle 18-Jährigen Fragebögen ausfüllen und zu einer Musterung erscheinen müssen.

Der Ludwigsburger Ableger der Initiative hatte sich erst vor wenigen Wochen gegründet. „Es ist schön zu sehen, dass so viele Leute da waren“, sagt Luca, einer der Organisatoren, der seinen Nachnamen nicht in der Zeitung lesen möchte. Von Seiten der Schulleitungen seien im Vorfeld Konsequenzen angedroht worden – „umso ermutigender ist es, wie viele Schüler es gibt, die sich trotzdem gegen die Wehrpflicht starkmachen“. Die angesprochenen Schulen waren am Freitagnachmittag nicht mehr für eine Stellungnahme zu erreichen.

Nicht nur Schüler demonstrieren

Doch längst nicht nur Schüler waren unter den Demonstrierenden. „Ich finde es großartig, was die Jugendlichen hier in so kurzer Zeit auf die Beine gestellt haben“, sagt Armin Dümmel. Der 70-Jährige war laut eigener Aussage einst selbst bei der Bundeswehr, er engagiere sich aber schon sein ganzes Leben gegen Aufrüstung und für Frieden. An der Demonstration teilzunehmen, ist für den Ludwigsburger deshalb eine Selbstverständlichkeit. „Im Krieg kämpfen immer Arbeiter gegen Arbeiter. Es darf nicht sein, dass die Bundesregierung so viel Geld für Aufrüstung ausgibt.“

Ein Lob, das Luca und seine Mitstreiter gerne annehmen. „Wir freuen uns über jede Unterstützung, das bestärkt uns“, sagt der Abiturient. Die Jugendlichen wollen weiter aktiv bleiben: „Wenn die Bundesinitiative zu weiteren Streiks aufruft, sind wir auf jeden Fall dabei.“