Radeln mit Atemschutzmaske: Die Demo der Fahrradfahrer auf der Neckarstraße. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die Demo gegen Feinstaub hat den Berufsverkehr in der Innenstadt zwischen 17 und 18 Uhr zum Erliegen gebracht. Die Demonstranten demolierten auf dem Charlottenplatz demonstrativ ein Auto, größere Zwischenfälle sind allerdings ausgeblieben.

Stuttgart - Um kurz nach 18 Uhr setzt sich die Demo in Bewegung. Am Startpunkt, der Schickstraße an der Ecke zur Hohenheimer Straße, haben sich an die 200 Menschen versammelt. Sie schwenken Transparente, trommeln und skandieren Sprechchöre. Später wird die Polizei von 500 Teilnehmern sprechen. Weitere 180 beteiligten sich an einer Rad-Demo beim Neckartor – alles ohne größere Zwischenfälle. Adam Flohr ist aus Zuffenhausen gekommen. „Ich habe 16 Jahre an der Hauptstätter Straße gewohnt“, sagt der 65-jährige. Dort sei die Luft mindestens so schlecht wie am Neckartor.

Unter dem Lärm von Trillerpfeifen geht es hinauf zur Stadtbahnhaltestelle Bopser. Dort schließen sich weitere Demonstrantendem Zug an, der nun kehrtmacht und bergabwärts zieht. Die Organisation „Robin Wood“ hat eine riesige Gummilunge aufgeblasen. „Atmen gefährdet“ steht auf einem Transparent daneben. Christa Tast hat eine Atemmaske auf. Eine ganze Packung davon hat sie dabei, verteilt sie an Demonstranten. Die Politik müsse viel radikaler vorgehen, sagt die 61-jährige. Unterdessen hat sich stadtauswärts der erste kleine Stau gebildet. An der Haltestelle Bopser bleiben einige Demonstranten auf der Straße zurück, behindern den Verkehr. „Demo-Ende Etzelstraße mit deutlicher Verzögerung – die lassen sich Zeit“, funkt ein Polizist an seine Kollegen.

Anwohner haben die tägliche Blechlawine statt

Gemächlich geht es nun bergab. Auf der anderen Straßenseite beobachtet Esther Bernhardt das Treiben. Sie leitet das „Studio Theater“. Am Abend findet eine Aufführung statt, sonst hätte sie mitdemonstriert. Aus Eigennutz: „Das Studio-Theater gibt es seit 36 Jahren hier, direkt an der Straße“, sagt Bernhardt. Den Lärm und die tägliche Blechlawine hat sie satt. Um das Problem zu illustrieren, fährt ein Mitarbeiter mit dem Finger über einen eigentlich weißen Fensterrahmen. Eine dicke, schwarze Staubschicht hat sich darauf abgelagert.

Um 17.45 Uhr kommt die Spitze des Zugs am Charlottenplatz an. Auf der stadtauswärts führenden Spur fließt der Verkehr zäh, wenn überhaupt. In einem Sprinter sitzt Joachim Knecht. Der Mittvierziger ist Unternehmer und hat Feierabend. Berufsbedingt pendelt er täglich nach Stuttgart. „Das ist schon okay, was die machen, es gehört zur Meinungsfreiheit“, sagt Knecht. Am Sinn der Aktion zweifelt er trotzdem: „Jetzt produzieren die Autos doch mehr Feinstaub als bei normalem Verkehr.“

Aktivisten schlagen demonstrativ auf ein Auto ein

Weniger diplomatisch ist Ralf Schoch. Der 42-jährige hat Feierabend und will Richtung Nürtingen. Er ist genervt. „Die Demo auf einer Bundesstraße zu machen, und das zu dieser Uhrzeit, das geht gar nicht“, sagt Schoch und zieht an seiner Zigarette. Am Charlottenplatz haben sich mittlerweile Rad- und Fußdemonstranten vereint. Symbolisch schlagen Aktivisten mit Äxten auf ein Auto ein. „Mehr Platz für Menschen“ steht darauf. Der Verkehr stadteinwärts ist mittlerweile völlig erlahmt. In einem Kleinwagen sitzt Sana Kabbaz. Die 23-jährige will sich mit Freunden in der Stadt treffen. Was hält sie von der Demo? „Das ist halt deren Meinung – da kann man nichts machen.“

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