Eine beeindruckende Aktion der Weissacher Schüler Foto: Gottfried Stoppel

Rund 1000 Kinder und Jugendliche in Weissach im Tal marschieren während der Unterrichtszeit zur Kundgebung vor dem Rathaus in Unterweissach und verlangen die Energiewende.

Weissach im Tal - Freitagmorgen, kurz vor halb neun. Immer mehr Schüler pilgern in Richtung Sitzmulde des Bildungszentrums (Bize) in Weissach im Tal. Sie schwänzen den Unterricht, versammeln sich für den Abmarsch in Richtung Rathaus Unterweissach, wo gleich eine von der Schülermitverantwortung (SMV) organisierte Kundgebung für den Klimaschutz beginnen soll. Mitten im Pulk der Kinder und Jugendlichen steht Tobias Blatt. Der Schülersprecher des Bize-Gymnasiums trägt eine knallgelbe Warnweste – und im Gesicht ein zufriedenes Lächeln.

Der 17-Jährige geht davon aus, dass fast alle der knapp 1300 Schülerinnen und Schüler sich an der Aktion der „Fridays for Future“-Bewegung beteiligen werden. Er hakt auf einem Blatt Papier alle Klassen ab, die sich anmelden und sagt: „Klimaschützen ist wichtiger als die Schulpflicht.“

Rektor: „Das ist eine illegale Veranstaltung.“

Ein paar Schritte weiter sitzt Ralf Bachmeier in seinem Büro. Der Rektor der Gemeinschaftsschule im Bize ist ganz entspannt ob der Protestaktion der Schüler. Er sagt allerdings klipp und klar: „Die Schüler schwänzen, das ist eine illegale Veranstaltung.“ Die Lehrer seien in den Klassenzimmern und hätten den Auftrag, alle Schüler aufzuschreiben, die nicht zum Unterricht erscheinen. Die Schule toleriere die Aktion nicht, „wir machen aber auch nichts dagegen“. Ganz generell, sagt Bachmeier, sei es doch gut, „dass Schüler Stellung beziehen“. Dann verrät er noch, dass keiner der Schwänzer Sanktionen zu befürchten habe, und er sagt, es treffe keinesfalls zu – was einige Eltern behaupteten – dass die Schule den Streik aktiv unterstütze.

Punkt neun Uhr: Abmarsch zur Kundgebung. Geschätzt gut 1000 Schüler gehen in Richtung Ortsmitte Unterweissach. Sie tragen Plakate, auf denen zum Beispiel steht: „Dinos dachten auch sie hätten Zeit.“ „Wir sind Eure Zukunft.“ „Es gibt keinen Planeten B.“ Auf ihrem Weg ruft die Menge immer wieder: „Wir sind hier, wir sind laut, weil Ihr unsere Zukunft klaut.“ Nach kaum einer Viertelstunde: Ankunft beim Rathaus. Isabell Schützle von der SMV warnt vor den Folgen einer globalen Erderwärmung und sagt, „wir müssen sofort handeln“.

Schnell beginnt die Debatte in den sozialen Netzwerken

Wenn das Eis an den Polkappen schmelze, dann werde es New York, Hamburg und viele Inselstaaten nicht mehr geben. Nötig sei eine sofortige Energiewende inklusive Ausstieg aus der Kohleverstromung. Ihre weiteren Forderungen: eine Verkehrswende – in Weissach seien Radfahrer Bürger zweiter Klasse –, weniger Flächenversiegelung und Verzicht auf Flugreisen. Zur Kritik, dass die Schülerdemos an Unterrichtstagen stattfinden, sagt Isabell Schützle: „Wer würde zuhören, wenn wir samstags hier stehen würden?“ Kurz nach halb zehn: die Demo wird offiziell beendet. Der Weissacher Bürgermeister Ian Schölzel schaut vorbei, trifft Tobias Blatt und sagt: „Super gemacht.“

Die Schüler verlassen den Rathausplatz, viele gehen zurück zum Bize, manche indes direkt in die Osterferien. Und dann beginnt die Debatte in den sozialen Netzwerken. Auf Facebook zum Beispiel heißt es: „Klimaschutz nur während der Schulzeit“ und „Es geht hier doch eigentlich nicht um den Klimawandel, sondern darum, junge Menschen zu inspirieren, dass sie mit Aktivismus was erreichen können.“

Fridays for Future

Schweden
Fridays for Future ist eine globale Schüler- und Studentenbewegung, die sich für mehr Klimaschutz einsetzt. Nach dem Vorbild der Initiatorin, der Schülerin Greta Thunberg aus Schweden, demonstrieren Schüler freitags während der Unterrichtszeit.

Bize
Das Bildungszentrum (Bize) ist eine Verbundschule in Weissach im Tal, in der drei Schularten angeboten werden: Gymnasium, Realschule, Gemeinschaftsschule. Sie ist eine Europaschule und seit 2008 eine Schule ohne Rassismus. Die rund 1300 Schüler werden von etwa 130 Lehrern unterrichtet.

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