Bis September sollen mindestens 1000 Kraniche gefaltet werden. In Japan gelten sie als Glückssymbol. Foto: Werner Kuhnle

Bei der Auftaktveranstaltung zur Woche der Demenz am 16. September soll es in Marbach einige Highlights geben.

Manch einen Zeitgenossen macht das exakte Falten, das die Papierfaltkunst Origami erfordert, richtig kribbelig. Doch andere lassen sich dadurch regelrecht in Tiefenentspannung oder – wie bei dem neunjährigen Leopold Collmer – in einen Rausch versetzen. Der Marbacher Schüler ist mittlerweile nämlich ein Experte, was das Falten von Kranichen anbetrifft. Der Junge bastelt in einem Tempo, dass einem beim Zuschauen schwindlig wird. Lediglich zwei, drei Minuten benötigt er je Exemplar.

1000 Kraniche sollen gebastelt werden

Ganze 178 Kraniche hat er zu dem Treffen mitgebracht. Eine beeindruckende Anzahl. Er aber ist nur einer von mehreren, die von dem Falt-Fieber heimgesucht wurden und die mithelfen, bunte Papier-Kraniche zu basteln. Denn die Projektgruppe „Demenzfreundliche Stadt“ hat sich zum Ziel gesetzt, bis 16. September mindestens 1000 Kraniche gefaltet zu haben: Diese will sie anlässlich der Auftaktveranstaltung „Voller Lebensfreude… TrotzDEM“ zur „Woche der Demenz“ an die Besucher in der Stadthalle verschenken. Die Idee dazu hatte Monika Leber, deren Mann ebenfalls an Demenz erkrankt ist und die durchaus mit rund 700 Veranstaltungs-Besuchern rechnet.

Die Projektgruppe will damit ein Zeichen gegen das Vergessen setzen und auf das Krankheitsbild Demenz aufmerksam machen. Dass der Awo-Ortsverein Marbach als Kooperationspartner der Projektgruppe gleichermaßen kräftig die Werbetrommel rührt und in seinen Räumen in der Niklastorstraße, in den vergangenen zwei Wochen, bereits zwei Falt-Termine angeboten hatte, bei denen Interessierte das Wissen und die Kniffe erwerben können, um selbst einen Kranich zu falten, freut die rührigen Origami-Liebhaber, die sich am Freitag erneut im Christophorushaus im Hörnle trafen. Andrea von Smercek, Ansprechpartnerin bei der Stadt Marbach für das Bürgerschaftliche Engagement, zeigte sich ebenfalls erfreut, knapp zwanzig Bastelfreudige begrüßen zu dürfen, die ins Café Q gekommen waren, um kleine Papierquadrate in niedliche Kraniche zu verwandeln. In Japan ist der Kranich nämlich ein Symbol des Glücks und der Langlebigkeit. Einer Legende zufolge wird demjenigen, der tausend Kraniche in seinem Leben faltet, von den Göttern ein Wunsch erfüllt.

Faltaktion hat sich herumgesprochen

Das findet natürlich auch Leopold klasse. Doch der Neunjährige unterstützt die Aktion, weil er damit eine Verbindung zu seiner an Demenz erkrankten Oma herstellt, die im vergangenen Jahr daran verstorben ist. „Und ich will den Menschen damit ein langes, gesundes Leben wünschen“. Weil er diese enorme Schaffenskraft und Lust am Falten entwickelt hat, bekam Leopold am Freitag eine kleine Überraschung: Heide Waldmann, die sich gemeinsam mit Monika Leber darin engagiert, andere im Falten anzuleiten, überreichte dem Schüler einen selbstgefalteten Gold-Kranich als Dankeschön. Denn Leopold hat das Falten eines Kranichs nicht nur „sofort begriffen“ und eifrig zuhause damit weitergemacht: „Er bringt es auch noch anderen bei“.

Inzwischen hat sich die Faltaktion nicht nur herumgesprochen, „sie hat sich auch verselbstständigt“, wie Leber betont. Andrea von Smercek bekam unlängst sogar Post aus Pleidelsheim: „In einem Umschlag steckten mehrere selbst gebastelte Kraniche“, erzählt sie voller Freude.

„Mit so einem Projekt schaffen wir es aus der Nische heraus, die immer noch so schambehaftet ist. Lasst uns über Demenz reden, niemand soll alleine damit stehen“. Monika Leber findet es außerdem großartig, dass die Buchhandlung Taube das Papier für die Faltfreudigen spendiert. Mehr als 700 Kraniche wurden daraus schon gebastelt.