Wie geht man damit um, wenn ein Angehöriger an einer Demenzerkrankung leidet? Hilfreiche Informationen bietet eine kostenlose zehnwöchige Schulung. Foto: dpa

Demenz, Alzheimer – das sind Krankheiten, die einen Menschen stark verändern. Für pflegende Angehörige kann die tägliche Belastung sehr hoch sein. Ein kostenloser Kurs in Stuttgart-Rohr lehrt den Umgang und gibt wichtige Hinweise.

Rohr - Nur allzu leicht passiert es pflegenden Angehörigen, dass sie sich zu viel zumuten und selbst krank werden. Gerade die tückische Erkrankung Demenz verlangt Verwandten oder Freunden einiges ab. Die Barmer Krankenkasse bietet eine kostenlose Schulung für Angehörige von Menschen mit Demenz an. Diese dauert zehn Wochen und umfasst grundlegende Informationen über die Krankheitsbilder, Hinweise zum Umgang mit den Erkrankten sowie Hilfsangebote. An einem der Abende geht es konkret um die Selbstpflege: Wie kann ich das Risiko minimieren, selbst zu erkranken? Wie kann ich mir Freiräume schaffen?

Kursleiterin ist die Psychologin Susanne Nienaber. Aktuell gehen die vier parallel laufenden Kurse dem Ende entgegen, die nächsten beginnen im Januar. „In der Schulung geht es nicht darum, so und so ‚muss’ etwas sein, sondern wir eröffnen Optionen und geben Anregungen“, erklärt sie. Edeltraud Weitmann ist eine der Kursteilnehmerinnen. Die 64-Jährige aus Vaihingen hat einen Freund, der an Morbus Pick erkrankt ist, einer Form von Alzheimer. Die Krankheit ist schon weit fortgeschritten, er lebt im Pflegezentrum Bethanien. „Die Schulung hat mir sehr geholfen, ich habe viel mitgenommen“, sagt sie. Es gehe nicht nur um Theorie, sondern um die Praxis. Sie sei in der Krankenpflege tätig gewesen, erzählt Weitmann. „Der Kurs hat vieles bestätigt, was ich durch meine Berufserfahrung bereits vermutet hatte“, erklärt sie. Nun habe sie die Sicherheit bekommen, dass ihre Wahrnehmungen richtig seien.

Männern fällt es leichter, Hilfsangebote anzunehmen

Bei Evi Bauer sind die Mutter und deren Lebensgefährte betroffen. „Meine Mutter ist 65 Jahre alt und ihr Partner 80“, erzählt sie. Die 42-Jährige habe in dem Kurs erfahren wollen, wie andere Angehörige die Sache erleben und damit umgehen. „Und ich wollte Erfahrungen sammeln. Meine Mutter ist noch im Anfangsstadium“, erzählt sie.

Unter den gut 40 Teilnehmern sind auch ein paar Männer, die meisten sind jedoch Frauen. „Männer gehen meist pragmatischer damit um und haben eine niedrigere Hemmschwelle, Hilfsangebote anzunehmen“, sagt Nienaber. Auf den Frauen dagegen lastet oft der ganze Druck allein. Deshalb geht es an diesem Abend auch darum, einen Blick auf sich selbst zu werfen. Stelle ich Burnout-Symptome an mir fest? Die meisten Anwesenden nicken. „Sie dürfen nicht zu engagiert und selbstausbeuterisch herangehen“, sagt die Psychologin. „Sonst halten Sie nicht lange durch.“ Es sei vergleichbar mit der Kindererziehung: eine überlastete Mutter sei oftmals keine gute Mutter.

„Natürlich ist es nicht so einfach, nach außen zu gehen und sich Hilfe zu suchen“, so Nienaber weiter. Dies sei aber elementar. „Es ist wichtig zu begreifen, dass das nicht einer allein stemmen muss.“ Weitmann und Bauer jedenfalls sind sich einig, dass sie am liebsten noch ein zweites Mal an dem Kurs teilnehmen würden. „Was uns hier vermittelt wird, sind Sachen aus dem Bauch heraus und nicht aus dem Lehrbuch, das ist schön“, sagt Weitmann.

Info
Die nächsten Kurse beginnen am 13. Januar abends und am 14. Januar vormittags. Bei einem Treffen am 7. Januar, 19 Uhr, Schönbuchstraße 5, kann man sich informieren. Der Kurs ist kostenlos, er wird von der Barmer Krankenkasse gefördert, unabhängig davon, ob man dort versichert ist. Kontakt unter 90 74 58 69.

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