Die Gäste aus Spanien waren natürlich auch am Neckartor. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Das baden-württembergische Verkehrsministerium hat sich mit einer Delegation aus Barcelona über neue Mobilitätskonzepte ausgetauscht. In Sachen Fahrverbote geht die spanische Metropole einen etwas anderen Weg.

Stuttgart - Zu viele Autos, schlechte Luft, eine hohe Lärmbelastung: Mit diesen Problemen kämpfen viele Städte weltweit. Sich anzuschauen, wie andere die Probleme angehen, kann daher nicht schaden. Das Verkehrsministerium Baden-Württemberg hatte zu diesem Zweck am Donnerstag Vertreter der Metropolregion Barcelona zum gegenseitigen Austausch eingeladen.

Die Delegation, bestehend aus Vertretern der Verwaltung der gesamten Region der katalanischen Metropole sowie aus den einzelnen Städten und Gemeinden, besuchte die Messstation am Neckartor, begutachtete dort die Filteranlage, informierte sich über die Expressbuslinie X1 und fuhr anschließend mit der Zacke nach Degerloch. Besonders die Buslinie interessierte die Besuchergruppe. Denn wie Joan Maria Bigas Serrallonga, Vorstand Mobilität und Transport der Metropolregion Barcelona, beim anschließenden Austausch im Haus der Wirtschaft erklärte, setze man künftig auf elektrische Stadtbusse. 27 Schnellbuslinien zählt die spansiche Region bereits, wobei allein 20 Linien in den vergangenen zwei Jahren hinzukamen. Die bisherigen Busse sollen bis 2030 kontinuierlich gegen Hybride und Plug-In-Hybride ausgetauscht werden oder rein elektrisch fahren. Darum baue die Region auch überdachte Ladestationen, konzipiert für die Stadtbusse.

Großes Interesse an Buslinie

Neben dem Busverkehr stehen auch die Radfahrer im Fokus. Das bereits 550 Kilometer umfassende Netz von Radwegen werde kontinuierlich ausgebaut. Zudem gebe es in der Stadt sichere Abstellmöglichkeiten für Räder. Für eine bessere Luftqualität gelte außerdem ab 2020 von sieben Uhr morgens bis acht Uhr abends ein dauerhaftes Einfahrverbot für alle Euro-3-Diesel und ältere Diesel-Modelle. Christoph Erdmenger, Leiter der Abteilung Nachhaltige Mobilität im Verkehrsministerium Baden-Württemberg, verteidigte die deutlich restriktivere Variante in Stuttgart. Ab Juli 2020 will das Land möglicherweise nur noch Euro-6-Diesel im Stadtgebiet erlauben. „Die Reaktionen auf den Feinstaubalarm waren leider nicht ausreichend, darum müssen solche Entscheidungen her“, so Erdmenger.

Lastenräder als Symbol der Veränderung

Als „Symbol der Veränderung“ bezeichnete Erdmenger Lastenräder. Die Elektro-Räder gelten laut Erdmenger derzeit als erfolgreichstes Produkt der Elektromobilität in Stuttgart. Auch Sharing-Modelle sind in Stuttgart beliebt. Das Teilen von Autos, Fahrrädern oder Elektrorollern kommt laut Michael Münter, Leiter der Abteilung Strategische Planung und Nachhaltige Mobilität im Stuttgarter Rathaus, an. Eines müsse man bei all den Verbesserungen aber im Hinterkopf behalten: Dass es sich bei Stuttgart immer noch um eine Autostadt handle, geprägt von den ansässigen Autobauern.

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