Tom Siller (Gemeinde Neugereut), Maike Weiß (Gemeinde Rohracker / Frauenkopf, Lukas Golder (Andreägemeinde), Ulrike Ambacher (Stadtkirche) haben gemeinsam ihr Vikariat angetreten (von links). Foto: Claudia Leihenseder

Vier Freunde treten gemeinsam ihren Dienst an: Für Maike Weiß, Tom Siller, Ulrike Ambacher und Lukas Golder hat im April das Vikariat im Dekanatsbezirk Bad Cannstatt begonnen. Bereits seit dem Grundstudium kennen sie sich; der Wunsch war groß, den Weg gemeinsam weiter zu beschreiten.

Bad Cannstatt - Es ist kein Zufall, dass Maike Weiß, Tom Siller, Ulrike Ambacher und Lukas Golder gemeinsam ihr Vikariat im Dekanatsbezirk Bad Cannstatt angetreten haben. „Wir haben uns das gewünscht, weil wir uns schon seit dem Grundstudium kennen und uns gut verstehen“, sagt Maike Weiß. Die Sympathie unter den vier Vikaren ist so groß, dass Maike Weiß und Tom Siller in der nach eigenen Angaben ersten württembergischen Vikar-WG in Neugereut zusammen wohnen – und Ulrike Ambacher und Lukas Golder sich als Ehepaar eine Vikarswohnung in Bad Cannstatt teilen. „Wir sind dankbar für diese Möglichkeit“, sagt Lukas Golder.

Eigentlich war der 27-Jährige aus Plüderhausen schon im August fertig mit seinem Studium der evangelischen Theologie – hat aber für das Vikariat auf seine Frau Ulrike Ambacher sowie die beiden anderen Freunde gewartet und in der Zwischenzeit ein Praktikum in einer Schreinerei gemacht. Das Pfarramt ist Lukas Golder quasi in die Wiege gelegt worden – war doch sein Großvater Pfarrer in Plüderhausen. „Ich habe ihn als Kind noch aktiv mitbekommen“, sagt Golder. Sein Opa war sein Vorbild. Heute noch nehme er großen Anteil am beruflichen Werdegang seines Enkels. In Bad Cannstatt kümmert sich Lukas Golder nun um die Gläubigen in der Andreägemeinde.

Während des Studiums zweimal über den Weg gelaufen

Seine Frau Ulrike Ambacher ist der Stadtkirche in Bad Cannstatt zugeteilt und hat ebenfalls schon frühe kirchliche Berührungspunkte: „Ich war in meiner Jugend in der Kirche aktiv, etwa bei den Kinderbibelwochen“, sagt die gebürtige Herrenbergerin. Die Pfarrerin in ihrem Heimatort habe sie geprägt. So entschied sich die heute 25-Jährige nach ihrem FSJ-Jahr beim Rettungsdienst in Aalen für ein Theologiestudium, das sie von Neuendettelsau bei Ansbach nach Kiel und später nach Tübingen führte.

So liefen sich die vier angehenden Pfarrer im Laufe ihres Studiums zweimal über den Weg: einmal am Anfang an der Theologischen Hochschule Augustana in Neuendettelsau und später in Tübingen am Evangelischen Stift.

Dazwischen verstreute es die Vier an andere theologische Fakultäten. So auch Tom Siller. Der heute 27-Jährige verbrachte unter anderem ein Jahr in Rom und beschäftigte sich mit der katholischen Theologie. „Das war gut für die ökumenische Sicht auf den Glauben“, sagt der gebürtige Heilbronner, der später in Bitburg aufgewachsen ist. Das Thema Ökumene passt nun auch zu seiner neuen Gemeinde in Neugereut, wo doch die evangelische und katholische Kirche unter einem Dach sind. „An der Theologie hat mich die große Bandbreite dieses geisteswissenschaftlichen Studiums gereizt“, sagt Siller.

Im Theologiestudium gibt es wenig Pflicht und viel Kür

Mit ihm im Ökumenischen Zentrum wohnt Maike Weiß. Auch für die 27-Jährige war die Weite des Studiums ausschlaggebend für die Berufswahl. „Es gibt wenig Pflicht, dafür viel Kür im Theologiestudium“, sagt Weiß. Ihr Weg führte sie zwischendurch nach Frankreich, wo sie die Reformierte Kirche der Hugenotten kennengelernt hat. Spannend für sie: „Es ist eine ähnliche Konfession wie der Protestantismus bei uns, doch hat sie in Frankreich eine andere Form“, berichtet Weiß. Trotz des gefühlten Dauerstaus auf dem Weg zu ihrer neuen Gemeinde Rohracker/Frauenkopf, ist Maike Weiß zufrieden mit der Vikar-WG-Lösung in Neugereut. „Es ist gut für die eigene Seelenhygiene, wenn wir nicht alleine wohnen und uns regelmäßig austauschen können“, sagt die junge Frau.

Alle vier frischen Vikare freuen sich nun auf ihre Aufgaben in den nächsten zweieinhalb Jahren im Dekanatsbezirk Bad Cannstatt. „Wir haben inzwischen die Beauftragung von Dekan Eckart Schultz-Berg“, sagt Maike Weiß und freut sich. Damit haben die Vier alle Rechte und Pflichten und dürfen – gemeinsam und in Absprache mit ihrem Ausbildungspfarrer – kirchliche Amtshandlungen wie etwa eine Taufe vornehmen oder dürfen Talare tragen.

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