Demo auf dem Karlsplatz: Dehoga-Vorsitzender Fritz Engelhardt fordert konkrete Öffnungsperspektiven. Foto: Dehoga BW

Einen Tag vor den Bund-Länder-Gesprächen haben Gastronomen und Hoteliers aus allen Teilen Baden-Württembergs in Stuttgart auf die existenzbedrohte Lage ihrer Branche aufmerksam gemacht.

Stuttgart - Glänzende Gläser, stilvolles Porzellan, kunstvoll gefaltete Stoffservietten, frühlingshaftes Blumengesteck, Menükarte – die fein gedeckten Tische passen zum historischen Ambiente des Stuttgarter Karlsplatzes. Dort aufgestellt wurden sie nicht für genussvolle Diners, sondern um aufzuzeigen, was derzeit unmöglich ist: Essen gehen.

Einen Tag vor den Bund-Länder-Gesprächen zum weiteren Vorgehen in der Corona-Pandemie lud der Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga zu einer Kundgebung. Vor dem Neuen Schloss als Kulisse versammelten sich rund 50 Vertreterinnen und Vertreter der Branche, darunter zahlreiche Vorsitzende der 47 Dehoga-Kreisstellen im Land, vom Hohenlohischen bis zum Bodensee.

Coronakonform auf Abstand und mit Masken hielten sie schweigend Banner mit Slogans wie „Kein Dauer-Lockdown“ oder „Gastgewerbe braucht Perspektive“ in die Höhe. Eine absichtlich ruhige, überschaubare Kundgebung mit sorgfältigen Sicherheitsmaßnahmen, betonte Baden-Württembergs Dehoga-Vorsitzender Fritz Engelhardt. „Unser Appell an die Regierungen in Land und Bund lauten: Vergesst uns nicht! Behandelt uns fair bei den schwierigen Entscheidungen, die jetzt zu treffen sind!“

Dehoga-Chef spricht von Sonderopfer

Von den Bund-Länder-Gesprächen erwarte man konkrete Öffnungsperspektiven für alle gastgewerblichen Betriebsarten – von Restaurants über Bars bis Clubs und Diskotheken. Erstere sind seit vier Monaten, letztere seit März 2020 geschlossen.

Öffnungen, die für andere Branchen wie den Einzelhandel, in Aussicht gestellt würden, müssten auch für das Gastgewerbe gelten. Zumal das Robert-Koch-Institut dort die Ansteckungsgefahr als moderat respektive niedrig einstufe, erklärte Engelhardt.

Der Teil-Lockdown im November sei eine politische Entscheidung gewesen. „Gastgewerbe, Tourismus und Kultur mussten schließen, damit andere Bereiche offen bleiben konnten. Man hat uns Sonderopfer abverlangt.“ Gegen dessen Folgen, den „Tod auf Raten“ einer vielfältigen Branche, werde man sich wehren, notfalls auch juristisch. Es sei unakzeptabel, immer in der letzten Reihe der Pläne zu stehen, kritisierte Engelhardt.

26 Prozent der Betriebe denken ans Aufhören

Nach einer Umfrage der Dehoga – in Baden-Württemberg vertritt sie 30 000 Betriebe sowie über 250  000 Beschäftige in Gastronomie und Hotellerie – sehen mehr als 60 Prozent der Unternehmer ihre Betriebe existenziell gefährdet, 26 Prozent denken ans Aufgeben.

Für die unverzichtbaren Hilfsprogramme von Bund und Land danke man, so Engelhardt. Diese glichen aber die Schäden und Verluste nicht annähernd aus. „Wir wollen nicht dauerhaft von Hilfsgeldern leben. Es wäre sicher gut, uns als Betroffene bei der Entwicklung von Öffnungskonzepten mit einzubeziehen.“ Dann bestünde die Chance, dass diese funktionierten.

Der Verband begrüße den Vorstoß der baden-württembergischen Landesregierung, Schnelltests einzusetzen, damit auch das Gastgewerbe öffnen könne. Fragen wie ausreichende Verfügbarkeit, praktische Umsetzung und Kosten seien zu klären. „Gut, dass jetzt eine Diskussion im Gang ist, die weg geht von der starren Fixierung auf Inzidenzzahlen.“

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