Jürgen Möck, Leiter des Waldheims. Foto: Sägesser

Die CDU setzt sich dafür ein, dass Waldheime für die Kinderbetreuung genutzt werden. Der Leiter des Degerlocher Waldheims ist skeptisch.

Degerloch - Generell sei die Idee gut, aber nicht neu. „Das Jugendamt hat sich schon vor eineinhalb Jahren unser Gelände angeschaut, um herauszufinden, ob sich bei uns eine Kindertagesstätte einrichten lässt. Das hat die Stadt schon diskutiert“, sagt der Degerlocher Waldheimleiter Jürgen Möck. Ein bisschen erstaunt ist er daher, dass die Gemeinderats-CDU nun noch einmal in derselben Sache einen Antrag stellt. Dieser fordert die Stadt auf, eine Nutzung von Waldheimen als Kitas zu prüfen. „Wir wollen damit zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, sagt der CDU-Gemeinderat Fred-Jürgen Stradinger. Zum einen sucht die Stadt Raum, um ihre Ziele beim Ausbau der Kindertagesbetreuung zu erreichen. Im Doppelhaushalt 2012/2013 nimmt die Stadt 584 Millionen Euro in die Hand, um das Angebot an Kindertagesstättenplätzen zu erweitern.

Doch die Stadt muss eben auch Platz schaffen für die neuen Kitaplätze. Den sieht die CDU nun in den 30 Waldheimen in der Landeshauptstadt. Denn für die Einrichtungen sei es oft schwierig, eine ganzjährige Belegung zu organisieren, sagt Stradinger: „Wir wollen den Waldheimen eine neue Chance bieten, einen wirtschaftlichen Betrieb über das ganze Jahr zu ermöglichen.“

Vorbild Vaihingen

Stradinger nennt das Waldheim Sonnenwinkel im Vaihinger Stadtteil Dachswald als Beispiel für ein Waldheim, das sich bereits um eine Kindertagesstätte unter seinem Dach bemüht. Die Freizeiteinrichtung der evangelischen Kirche soll den Raum bieten, damit der Kindergarten im benachbarten Gemeindehaus sein Angebot ausbauen kann. 2014 soll der dazu nötige Umbau beginnen. Dafür gibt es Zuschüsse von der Stadt. Für die Pfarrerin der Thomasgemeinde, Mirja Küenzlen, ist das ein Beitrag zur sicheren Zukunft des Waldheims: „Wir waren interessiert daran, dass das Waldheim ganzjährig genutzt wird.“

Sollten andere Waldheime dieser Argumentation folgen, müsste die Stadt die Nutzungspläne für die Einrichtungen ändern. Außerdem müsste sie die Kosten bezuschussen, die entstehen, wenn ein Waldheim eine Kindertagesstätte beherbergt. An der Epplestraße wären die Kosten allerdings immens, sagt Jürgen Möck. „Wir haben in den unteren Räumen keine Heizung. Deshalb schließen wir das Waldheim ja auch von November bis Februar.“

Gut belegt

Er macht keinen Hehl daraus, dass er eine Kindertagesstätte im Degerlocher Waldheim nicht für sinnvoll hält. Während den unteren Räume die Ausrüstung fehle, um eine Kita zu beherbergen, seien die oberen Räume ständig belegt, sagt Möck. Außerdem sei die Lage des Waldheims ungünstig für eine Kindertagesstätte. „Eltern setzen kleine Kinder ja nicht in den Bus“, sagt er. „Sie würden sie also jeden Morgen mit dem Auto bringen und mittags abholen.“ Im Sommer, wenn das Waldheim seine Ferienfreizeiten anbietet, ist der Platz im Waldheim zudem besonders knapp. „Da brauchen wir buchstäblich jede Hundehütte“, sagt Möck. Eine Kita müsste im Waldheim fünf Wochen lang wegen der Sommerfreizeiten schließen. „Das ist deutlich länger, als es bei Kitas üblich ist,“, sagt er.

Für Möck steht fest, dass sein Waldheim auf absehbare Zeit kein weiteres Angebot braucht, um sein Fortbestehen zu sichern. Im Moment seien es eher zu viele Anfragen als zu wenige, sagt er. „Unser Gelände und unsere Räume sind gut in Schuss, und wir orientieren uns an unseren Kunden. So sichern wir unsere Zukunft.“

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