Heidi Kuchers Modell zeigt die bunten Zierelemente, die im Saal noch fehlen. Foto: Bernklau

Am Sonntag wird der von Heidi Kucher gestaltete Saal im Waldheim Weidachtal eingeweiht.

Degerloch - Edel wirkt er, stilvoll und licht. Am Sonntag um 11 Uhr wird der neue Große Saal des Degerlocher Waldheims im Weidachtal mit einem Gottesdienst samt anschließendem Mittagessen eingeweiht, nach einem Jahr Bauzeit. Die gestalterische Konzeption ist das Werk einer renommierten Künstlerin, die in Sonnenberg wohnt und in der Vaihinger Industriestraße in ihrem großzügig hellen Atelier arbeitet. Heidi Kucher hat sich bis ins letzte Detail um die Gestaltung der Fassade und des Innenraums gekümmert.

Aber ja, sie war wählerisch. Als Zeichen der Verbindung des Waldheims zur Natur wollte Heidi Kucher innen und außen genau jenes silbrig-graue vorverwitterte Holz der Weißtanne, das nur – und nicht zu ganz billigen Preisen – in der Schweiz zu haben ist. Das passt auch zur Bauweise des Saals, in der die Gestalterin tragende Elemente des alpinen Vorarlberger Stils wiederfindet. Der auch fürs Waldheim zuständige Rat der Degerlocher Gesamtkirchengemeinde unter dem Vorsitz von Peter Necker ließ sich da nicht lumpen und knauserte auch sonst nicht, etwa bei der Steuerungstechnik für das Licht. Für Billiges hat man, ganz schwäbisch, nicht genug Geld.

Die Kinder stehen im Mittelpunkt, aber auch für Hochzeiten, Feste und andere Veranstaltungen sollte so ein Saal „eine leichte und heitere Atmosphäre haben“. Das war für Heidi Kucher der Ansatz. Schön musste er sein – und robust natürlich, weshalb nur langlebige und hochwertige Materialien Verwendung fanden. Das geht von den Schriftzügen für die Fahrrad-Stellplätze bis zu den Magnet-Schildern, die statt der hässlichen Hinweiszettel den quirligen Alltag mit Stil und Wertgefühl prägen sollen. „Bis zu den Lampen habe ich alles durchgestylt“, sagt Heidi Kucher. Und das klingt fürsorglich dienend, nicht stolz und eitel.

„Farbig, aber nicht bunt“

Im großzügigen Raum herrscht weiße bis silbergraue Tongebung vor, die auch den Blick durch die großen Fenster auf die Farben der Natur nicht stören soll. Nur die vier bemalten Schiebetürelemente vor dem Stuhllager, mannshoch und zwölf Meter breit, setzen zusätzliche Akzente: „Farbig, aber nicht bunt“ wollte Heidi Kucher sie bemalen. Zwei einzelne Fensterrahmen nach Osten hin korrespondieren in ihrem Orange mit den farbstark leuchtenden Türflächen, deren klare Formelemente von heiter verträumten Texten ergänzt werden.

Sie ist in Wien geboren, doch richtige Stuttgarterin, natürlich auch Waldheimkind. Als eher Spätberufene kam Heidi Kucher damals an der Stuttgarter Kunstakademie zum konstruktiven Puristen Georg Karl Pfahler und in die Klasse von K.H.R. Sonderborg. Ein Landes-Stipendium in Paris, zahllose Ausstellungen und die langjährige Arbeit als Jury-Mitglied in der Kunstkommission Baden-Württemberg zieren ihre Vita. Lokal hat sie öffentliche Kunst mit einem Deckengemälde in der Uni Hohenheim, mit der Gestaltung eines ganzen Stockwerks im Vaihinger Regierungspräsidium oder auch der Degerlocher Kita Wurmlinger Straße geschaffen.

So schlicht und zugänglich ihre abstrakten Formen, so vielschichtig handhabt sie Zusammensetzung und Auftrag der Farben. Den Kindern mit Zeichen und Texten ihren Raum für die Fantasie öffnen, das Bewusstsein für Schönheit und Wert zu entwickeln, das ist ebenso ihr Ziel wie die Verbindung zur Natur. „Wird mich das Glück entdecken?“, steht auf einer der Türen.

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