Am Wilhelms-Gymnasium können die Schüler für das kommende Schuljahr nur für einen G8-Zug angemeldet werden. Foto: Rüdiger Ott

Der Antrag des Wilhelms-Gymnasiums auf einen G 9-Zug wurde von der Landesregierung abgelehnt. Schule, Eltern und Politiker sind enttäuscht.

Degerloch - Die Absage kam für eine Sache, die erwiesenermaßen gut funktioniert. Und das schon seit 2006. Als G 8-Versuchsschule führt das Wilhelms-Gymnasium in Degerloch heuer schon zum sechsten Mal einen doppelten Abiturjahrgang durch die Prüfungen. Die Organisation klappt laut Schulleiter Wolfgang Funk sehr gut. Was nur bestätigt, dass die Entscheidung, sich für die Einführung eines G 9-Zugs zu bewerben, die richtige war. Doch die Bewerbung wurde abgelehnt – damit ist das Wilhelms-Gymnasium nicht unter den 22 Modellschulen, an denen Schüler von September an ihr Abitur wahlweise wieder in neun statt acht Jahren machen können. Die Landesregierung hat sich in Stuttgart für das Zeppelin-Gymnasium im Osten entschieden. Die Enttäuschung bei Schule, Eltern und Politikern in Degerloch ist groß.

„Es ist sehr schade, dass das Wilhelms-Gymnasium nicht berücksichtigt wurde“, sagt Klaus-Dieter Kadner, Sprecher der SPD im Bezirksbeirat. Die Schule habe sich intensiv eingesetzt und ein wirklich schlüssiges Konzept gehabt. Dieses hatte der Schulleiter Funk den Lokalpolitikern Ende Februar vorgestellt – und überzeugt. Einstimmig beschlossen die Räte, den Schulversuch zu unterstützen.

Erneute Bewerbung im nächsten Jahr?

Andreas Schmitt, Sprecher der Grünenfraktion, hatte sich in jener Sitzung dafür starkgemacht, dass Schüler und Eltern die Wahl haben, ob die Kinder in acht oder neun Jahren zum Abitur geführt werden. „Dass in ganz Stuttgart nur ein Gymnasium den Zuschlag bekommen hat, ist nur ein Tröpfchen auf den heißen Stein“, sagt Schmitt. Das sei für die Größe der Stadt absolut nicht ausreichend.

Wolfgang Funk ist sichtlich enttäuscht. „Nachtreten bringt aber nichts“, sagt er. Die Vorgaben seien eindeutig gewesen. „Wir müssen uns der Entscheidung fügen“, sagt er resigniert. Nun werde natürlich überlegt, ob man sich nächstes Jahr erneut bewirbt. „Das kann ich aber natürlich nicht allein entscheiden“, sagt der Schulleiter.

Der Elternbeirat stünde hinter dieser Entscheidung, versichert die Vorsitzende dieses Gremiums, Franziska Kratz. „Viele Eltern sind schwer enttäuscht“, erzählt sie. „Wir haben viel Zeit und Herzblut investiert, haben Umfragen gestartet und dem Ministerpräsidenten geschrieben. Mehr hätten wir nicht tun können“, sagt sie. Auch die Lehrer würden ihrer Meinung nach für eine erneute Bewerbung stimmen, „denn an der Sache an sich hat sich ja nichts geändert“. Ihren eigenen Sohn, der von September an das Wilhelms-Gymnasium besuchen wird, konnte sie nun nicht wie erhofft für G 9 anmelden.

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