Die Stadtbahn ist in Sicht – aber unerreichbar. Foto: Götz Schultheiss

Immer wieder funktionieren die Aufzüge an der Stadtbahn-Haltestelle an der Vaihinger Straße in Stuttgart nicht. Behinderte, alte Menschen und Eltern mit Kinderwagen kommen dann nicht vom Fleck. Der Tipp der SSB ist ungewöhnlich.

Möhringen - Steil führen an der Stadtbahn-Haltestelle an der Vaihinger Straße in Möhringen die Treppen zu den Gleisen in der Tiefe. Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte sind auf die Aufzüge angewiesen. Leider funktionieren diese immer wieder nicht. Darüber ärgert sich ein 50-jähriger Möhringer, der namentlich nicht genannt werden will.

Fast täglich nutzt der Rollstuhlfahrer die Stadtbahn, entweder um zur Arbeit oder zum Einkaufen zu fahren, oder um die Kinder werktags zur Schule und sonntags zum Gottesdienst zu begleiten. „In der vergangenen Woche waren die Aufzüge am Montag kaputt, dann wieder am Samstag, Sonntag und Montag. Ich musste wieder umdrehen und nach Hause zurück. Das ist unmöglich“, sagt er. Manchmal hat der umgängliche Mann mit ausländischen Wurzeln aber auch Glück: „Die Deutschen sind freundliche Leute. Einmal hat mich sogar jemand die Treppen hinuntergetragen, als der Aufzug mal wieder defekt war.“

Gesunde nutzen den Aufzug, den Behinderte und Senioren brauchen

Vom Service der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) hält der 50-Jährige, der ganz und gar nicht den Eindruck vermittelt, als nörgele er notorisch, nichts: „Ich habe schon oft reklamiert, und die SSB haben mir versichert, dass nach der Fertigstellung von Stuttgart 21 alles besser wird“, erzählt er. „Muss ich denn so lange warten? Das kann ja noch sechs Jahre dauern. Ich bin sehr enttäuscht.“ Auch die Station an der Vaihinger Straße selbst bleibt von seiner Kritik nicht verschont: „Warum baut man denn keine Rampe wie in Degerloch? Dort kann ich wenigstens im Notfall hinunterfahren, und das sollte auch in Vaihingen möglich sein.“

Trotz seiner Wut ist dem Möhringer klar, dass ein häufig benutzter Aufzug immer wieder defekt ist. „Es gibt aber viele Gesunde, welche die Treppe benutzen könnten, aber stattdessen mit dem Aufzug fahren, den Alte oder Behinderte brauchen.“ Er habe dies den Leuten von der SSB gesagt, und diese hätten ihm erwidert, dass es in Deutschland kein Gesetz gebe, das es Gesunden und Fitten verbiete, den Aufzug zu benutzen.

Auf die Frage unserer Zeitung nach der Ursache der Pannen und wie man deren Häufigkeit verringern könne, antwortet Birgit Kiefer, eine SSB-Sprecherin: „Wir hatten ein Problem mit dem Türantrieb, deshalb ist der Aufzug immer wieder kurzfristig ausgefallen.“ Für den Notfall rät sie dem 50-Jährigen, er solle den anderen Aufzug benutzen, dann mit der Stadtbahn bis zum Roher Weg und von dort wieder zurückfahren.

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