Die Ölplattform „Deepwater Horizon“ explodierte vor fünf Jahren Foto: EPA

Vor fünf Jahren explodierte die Ölplattform „Deepwater Horizon“ des Konzerns BP. Wochenlang lief Öl in den Golf von Mexiko. Die Kosten die belaufen sich auf einem zweistelligen Milliardenbetrag.

Washington – Plötzlich tauchte es wieder auf. Das zu einer schmierigen Masse verklumpte Öl trieb Mitte März auf einer Breite von 30 Metern direkt auf den Strand der vorgelager ten Insel East Grand Terre in der Bucht von Barataria in Louisiana zu.

Ein Fernsehteam beobachtete ein Reinigungsteam des britischen Ölkonzerns, das den verunreinigten Sand in Tausende Säcke schaufelte. Dabei hatte BP die Aufräumarbeiten an der Golfküste offiziell schon vor einem Jahr eingestellt. Am 20. April jährt sich die Explosion auf der Ölplattform „Deepwater Horizon“ zum fünften Mal.

In einem optimistischen Bericht hatte der Konzern dem Golf von Mexiko zuvor eine Art Unbedenklichkeitszeugnis ausstellt. Schädliche Effekte seien „begrenzt in Raum und Zeit, zumeist in der Umgebung rund um Bohrquelle“. Ansonsten ließen sich „keine bedeutsamen langfristigen Konsequenzen auf die Populationen der Arten im Golf feststellen“, bilanziert der Fünfjahresbericht.

Ölverschmierte Pelikane und Meeres-Schildkröten

Das angeschwemmte Öl am Strand von East Grand Terre wirkt wie ein Einspruch der Natur gegen den Versuch, die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte des Golfs von Mexiko ad acta zu legen.

Angesichts der dramatischen Bilder der brennenden Ölplattform vor der Küste Louisianas, auf der elf Menschen den Tod fanden, dem Ausströmen von richterlich festgestellten 380 Millionen Liter Öl und einem gewaltigen Ölteppich wäre das ohnehin kaum geglückt. Auch die Aufnahmen ölverschmierter Pelikane und Meeres-Schildkröten sind unvergessen.

Vieles spricht dafür, dass die 42 Milliarden Dollar, die BP für Bußgelder, Schadenersatz und Aufräumarbeiten zurückgestellt hat, nicht reichen werden. Zu viele zivile Gerichtsverfahren sind noch anhängig, zu wenige Forderungen beglichen. Im Februar erst wies ein Bundesgericht den Antrag des Konzerns zurück, die Bußgelder wegen der Verstöße gegen das Wasserreinerhaltungsgesetz auf 9,57 Milliarden Dollar zu beschränken. Der Richter hielt 13,7 Milliarden Dollar für angemessener.

Die Einheimischen trauen BP nicht über den Weg

Die Einheimischen trauen BP ohnehin nicht über den Weg. Kyle Graham von der „Costal Protection and Restoration Authority“ des Bundesstaates Louisiana hält dem Konzern vor, Verantwortung abwälzen zu wollen.

„Am Ende sind die Delfine selber an ihren toten Babys schuld, die wir alle gesehen haben.“ Tatsächlich haben Wissenschaftler die vierfache Zahl an toten Delfinen festgestellt wie vor der Ölpest. BP hält dem entgegen, dass bereits zwei Monate vor dem Unglück ungewöhnlich viele Große Tümmler verendet seien. Naturschützer sehen darin eine bequeme Ausrede.

USA wollen neue Schutzvorschriften erlassen

Vor dem Hintergrund der Katastrophe auf der Ölplattform wollen die USA neue Schutzvorschriften erlassen. Sie betreffen die Sicherheitsanforderungen für sogenannte Blowout Preventer – ein Ventilsystem am Bohrloch, das als letzte Schutzvorrichtung vor Explosionen gilt. Dieses System hatte bei dem Unglück am 20. April 2010 versagt.

Wie teuer das Unglück für BP werden könnte, ist noch nicht absehbar. Fischer, Hotel- und Restaurantbesitzer, Tourismus-Unternehmen sowie Einzelpersonen haben den britischen Ölriesen verklagt. Bis Ende 2014 zahlte BP in diesen Verfahren nach eigenen Angaben bereits rund 11,6 Milliarden Dollar (10,9 Milliarden Euro).

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