Runde Formen, Knick in der Flanke: Mit dem in Paris enthüllten EQE-SUV will sich der Stuttgarter Hersteller weiter im Luxussegment festsetzen.
Mercedes-Chef Ola Källenius nennt das Auto „den jüngsten Beweis für die konsequente Umsetzung unserer All-Electric-Strategie“. Am Sonntagabend hat der Stuttgarter Autohersteller in Paris ein weiteres batterieelektrisch angetriebenes Fahrzeug präsentiert, einen SUV auf Basis der im Frühjahr auf den Markt gebrachten elektrischen E-Klasse EQE. Es ist das vierte Fahrzeug, das auf der Oberklasse-Plattform steht, die auch das Elektroflaggschiff EQS und den davon abgeleiteten EQS-SUV trägt.
Präsentiert wird der EQE-SUV diese Woche nicht in den Messehallen bei der gleichzeitig stattfindenden Pariser Autoshow, sondern im Garten des Musée Rodin, einem mondänen Stadtpalais aus dem frühen 18. Jahrhundert. Ort und Zeit sollen Mercedes tiefer im Luxussegment verankern, zumal in Paris auch die Kunstmesse „Paris+ par Art Basel“ zelebriert wird. „So kommen wir in den Austausch mit Kunden, Fans und neuen Zielgruppen und erhalten ästhetische und gleichzeitig wertvolle belebende Impulse für unser Unternehmen“, so beschreibt Bettina Fetzer, Leiterin von Kommunikation und Marketing bei Mercedes, die Zielsetzung.
Das AMG-Modell steht für bis zu 687 PS Leistung
Die Preise sind noch nicht bekannt; dass die Kunden für den neuen SUV ordentlich Kaufkraft brauchen, versteht sich in diesem Marktsegment von selbst. Ein Anhaltspunkt: Die Preisliste der Limousine EQE beginnt bei 66 402 Euro. Mit Extras wie dem über die ganze Cockpitbreite gezogenen Bildschirm („Hyperscreen“) und Allradantrieb kann es in sechsstellige Bereiche gehen, die größere SUV-Bauform wird sich ebenfalls im Preis niederschlagen. Noch ein Stück weiter aufwärts in der Luxusskala geht es mit zwei AMG-Varianten des EQE-SUV, die neben den Grundmodellen auf den Markt kommen und auf eine Leistung von bis zu 687 PS hochgezüchtet werden. Dabei soll die Batterie selbst im sportlichsten Modell für eine Standardreichweite zwischen 375 und 470 Kilometer ausreichen. Das Leergewicht von 2,7 Tonnen bei dieser Ausführung schlägt sich im Verbrauch deutlich nieder: bis zu 27,8 kWh pro 100 Kilometer liegen deutlich über dem Wert von Mittelklassestromern, von denen manche mit rund 15 kWh auskommen.
Mercedes trägt mit den SUV-Varianten von EQS und EQE dem ungebrochenen Faible der Kunden für schwere und hoch gebaute Autos Rechnung, das in Asien und in den USA besonders ausgeprägt ist, aber auch in Europa virulent bleibt. Die Konkurrenz geht ähnliche Wege: Tesla mit dem Model Y, BMW mit dem iX oder der schwedisch-chinesische Hersteller Polestar, der kürzlich ebenfalls einen vollelektrischen SUV vorgestellt hat.
Entwicklungsvorstand Markus Schäfer rechnet damit, dass der Trend zu SUVs vorerst anhalten wird – trotz steigender Energiepreise. Umso wichtiger sei, dass sich Mercedes intensiv mit Energieeffizienz befasse. Von den Erkenntnissen, die man etwa mit dem Forschungsmodell EQXX gewonnen habe, profitierten auch die großen Autos.
Mercedes hat nun acht reine Elektroautos am Start
Was die Transformation des Antriebs angeht, sieht sich Mercedes mit jetzt acht vollelektrischen Fahrzeugen in allen Klassen gut vertreten – vom Kompaktmodell EQA über B-, C- und E-Klasse und den Transporter EQV bis zum Flaggschiff EQS. Der Absatzanteil der Autos ohne Verbrennungsmotor ist dieses Jahr um mehr als das Doppelte gewachsen. 30 000 der bisher in diesem Jahr verkauften 517 800 Mercedes-Pkw sind vollelektrische Fahrzeuge gewesen. Global entspricht dies rund 5,8 Prozent, in Europa war es sogar jeder zehnte Mercedes. Ziel ist es, bis 2030 eine vollelektrische Flotte anzubieten – wobei eine Hintertür immer offen bleibt. Die Sprachregelung lautet: „Wo immer es die Marktbedingungen erlauben.“