Hauptgeschäftsführer Peter Haas sieht die Diskussion um Heizungen mit Sorge. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Der Hauptgeschäftsführer von Handwerk BW hält die Verengung der Diskussion ums Heizen auf Wärmenetze für schwierig. Damit Heizen klimafreundlicher wird, sagt er, braucht es eine Vielzahl von Lösungen. Sonst droht weiterer Zeitverlust.

Nach dem Chaos um das Gebäudeenergiegesetz fürchten die Handwerker im Land, dass sich die Diskussion ums Heizen zu sehr auf eine Technologie verengt. Peter Haas, Hauptgeschäftsführer von Handwerk BW, fürchtet im Interview mit unserer Zeitung, dass es neue Monopole gibt.

 

Herr Haas, das Gebäudeenergiegesetz (GEG) ist durch den Bundestag, das Wärmeplanungsgesetz ist auf dem Weg. Reicht das?

Es ist etwas mehr Klarheit da, aber ein guter Teil ist noch unklar. Dazu gehört die Förderkulisse, dazu gehört der Umgang des Landes mit dem Gebäudeenergiegesetz. Wir gehen davon aus, dass es in Baden-Württemberg zum 1. Januar 2024 keine zusätzlichen Unklarheiten gibt. Das würde den Handwerkern in den Betrieben schon viele Sorgen nehmen.

Wie entwickelt sich die Auftragslage im Handwerk?

Wir hoffen, dass die Vollbremsung, für die die Debatte im Frühjahr gesorgt hat, sich auflöst und die Kunden nicht weiter unentschlossen bleiben. Die Handwerksbetriebe wollen ja beraten, welche Vorgaben künftig gelten, und nicht weiter den Frust des Kunden abbekommen.

Wie könnten Land und Bund am schnellsten Abhilfe schaffen?

Es braucht eine klare, möglichst auf ein, zwei Seiten passende Förderkulisse vom Bund. In Baden-Württemberg haben wir immer noch ein Erneuerbare-Wärme-Gesetz, das nicht zum GEG passt. Das E-Wärmegesetz müsste das Land abschaffen. Darüber hinaus könnte man sich mit Blick auf die Wärmeplanung umgehend daran machen, ein Informationsportal zu programmieren für Kunden und Betriebe, damit man rechtssicher weiß, in welcher Kommune zum Datum X welche Regelung gilt. Von den rund 1000 Gemeinden in Baden-Württemberg haben wir zum Ende des Jahres etwas mehr als 100, wo die Wärmeplanung tatsächlich vorliegt. Das wird ein Flickenteppich sein. Dort Orientierung zu geben, wäre Aufgabe des Staates.

Baden-Württemberg sieht sich mit der eigenen Pflicht zur Wärmeplanung im Vorteil. Was bringt das dem Einzelnen?

Es ist weniger ein Vorteil für den einzelnen Bürger als für das Land und für die Kommunen, die damit die geplante Verpflichtung des Bundes erfüllen. Die Frage ist ja, kommt man nur mit einer Wärmeplanung schneller ans Ziel. Wir wissen ja noch überhaupt nicht, was die Kommunen mit ihrer Wärmeplanung machen. Werden sie dann auch die Erde aufbuddeln, um Fern- oder Nahwärme aufzubauen? Und ist die Wärme, die da reingegeben wird, dann auch ökologisch einwandfrei. Und dort, wo wir mehr Strom nutzen wollen, haben wir erstens noch nicht die Garantie, dass dieser Strom aus Erneuerbaren Energien kommt, und zweitens, ob die Netze ausreichend ausgebaut und damit stabil sind.

Sind die Hoffnungen in das Thema Wasserstoff berechtigt?

Das ist für den Privatverbraucher im Moment noch eine echte Phantomdiskussion. Es gibt zwar schon so genannte H2-ready- Heizungen. Seriös kann man dem Kunden aber nicht versprechen, dass sie damit zum jetzigen Zeitpunkt alles richtig machen. Es ist klar, dass der Wasserstoff, wenn es ihn einmal gibt, erst einmal für ganz andere Verbraucher, vor allem aus der Industrie, benötigt wird. Insofern schätze ich, dass Wasserstoff für den Häuslebesitzer erst auf lange Sicht ein Thema sein kann. Deswegen waren wir so besorgt, als es hieß, dass in Baden-Württemberg schon 2040 – also fünf Jahre vor dem Bund – das Gasnetz stillgelegt oder für Wasserstoff genutzt werden soll. Das könnte bedeuten, es gibt für private Kunden kein Gas mehr und gleichzeitig noch keinen Wasserstoff. Dann ist die Frage, was füllt die Lücke?

Was ist ihr Vorschlag?

Es ist umso wichtiger, dass man technologieoffen bleibt – und zwar sowohl in der finanziellen Förderung wie auch in dem, was gesetzlich erlaubt ist. Wir haben seit Jahrzehnten unterschiedlichste Technologien – Nachtspeicher, Gas, Öl, Pellets, Holz, Brennwerte – und wir kommen nicht über Nacht aus dieser Vielfalt in eine Welt aus Wärmepumpe und Wärmenetz. Um die Menschen von Fossilen zu Erneuerbaren zu bringen, würde ich mich wirklich davon lösen, dass es nur ein oder zwei Technologien geben kann. Es gibt Quartiere, die wahrscheinlich nie an ein Fern- oder Nahwärmenetz angeschlossen werden – auch denen müssen wir eine Perspektive geben.

Das Land hat dieses Jahr den Kommunen schon die Möglichkeit gegeben, in bestimmten Gebieten einen Anschlusszwang an Wärmenetze auszusprechen…

Einen Anschlusszwang an Wärmenetze würde ich keinem Bürgermeister raten. Damit wären wir wieder auf dem Weg zum Monopol, das wir im Energiebereich vor Jahren abgeschafft haben. Monopole sind nicht gerade der beste Weg, um neue Technologien schnell nutzen zu können und immer besser zu machen. Und schon gar nicht, um die besten Preise für die Kunden zu erzielen. Jeder Weg in Richtung Energiesparen und Erneuerbare Energien ist ein richtiger. Das Jahr 2023 ist ein weitgehend verlorenes Jahr für mehr erneuerbare Energien – wir sollten das aktuelle Chaos zügig beenden.

Zur Person

Handwerk
 Haas (52) ist seit April 2021 Hauptgeschäftsführer von Handwerk BW, dem Baden-Württembergischen Handwerkstag.

Herkunft
Der Diplom-Volkswirt und gelernte Journalist war unter anderem Hauptgeschäftsführer von Südwesttextil und Geschäftsführer beim Arbeitgeberverband Nordmetall.