Sehen und gesehen werden – das war auf der Theodor-Heuss-Straße (hier während der Fußball-WM 2014) schon immer wichtig. In normalen Nächten wollen Stadt und Polizei die Autofahrer nun zum Langsamfahren zwingen. Foto: Leif Piechowski

Diskutieren Sie mit - Für Freizeitraser auf der Theodor-Heuss-Straße brechen schlechte Zeiten an. Vom kommenden Frühjahr an darf man dort nachts nur noch mit Tempo 30 fahren. Mit stationären Blitzern wollen die Stadt Stuttgart und die Polizei das von Sommer an durchsetzen.

Stuttgart - Ein stationärer Blitzer wird auf der langjährigen Partymeile „Theo“ in Höhe der Gymnasiumstraße aufgebaut werden, eine weitere Anlage etwa beim Fußgängersteg über die sich anschließende Friedrichstraße. Das teilten die Stuttgarter Stadtverwaltung und die Polizei am Montag mit. Immer um 22 Uhr wollen sie die Geräte so schalten, dass sie Autofahrer blitzen, die mit mehr als 30 Stundenkilometern unterwegs sind. Denn die Partymeile zwischen Rotebühlplatz und Arnulf-Klett-Platz wird nachts künftig Tempo-30-Zone sein. Gemessen wird in beiden Fahrtrichtungen. Im Sommer 2016 soll der Auftakt sein.

Darauf hätten sich Stadt und Polizei jetzt verständigt, heißt es in der Pressemitteilung der Stadtverwaltung. Man sei sicher, dass diese Maßnahmen wirksam sind.

Sie sind die Konsequenzen aus Unfällen und Gefährdungssituationen, die rücksichtslose Autofahrer immer wieder verursacht haben. Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) sagte dazu: „Rennstrecken mitten in der Stadt sieht die Straßenverkehrsordnung nicht vor. Wir können daher nicht länger zusehen, wenn eine motorisierte Vergnügungsszene die Theodor-Heuss-Straße missbraucht.“

Polizei kontrolliert vorerst weiter

Die Polizei will diese Vergnügungs- und Raserszene weiterhin mit polizeilicher Verkehrsüberwachung „intensiv im Blick haben“, sagte Polizeipräsident Franz Lutz. Vom kommunalen Engagement bis hin zu den beiden Blitzern erwartet er sich aber noch mehr Verkehrssicherheit. Bis die Blitzer nach dem Vorbild der Hauptstätter Straße bei der Leonhardskirche auf der Theodor-Heuss-Straße den Betrieb aufnehmen, werde die Polizei sich „im Rahmen ihrer Möglichkeiten an der Geschwindigkeitsüberwachung beteiligen“, sagte Lutz.

Das Konzept sieht vor, dass bis 22 Uhr und ab 6 Uhr wie bisher Tempo 50 gefahren werden darf. Große Tafeln machen an den beiden Eingangsbereichen bekannt, dass nachts eine schärfere Tempovorschrift gilt. Diese Tafeln sind mit provisorischen Gelbblinkern und mit klappbaren Gefahrenhinweisen ausgerüstet. Auf der Strecke selbst stehen herkömmliche Schilder.

Lautenschlagerstraße wird gekappt

Aber auch im Umfeld wollen Stadt und Polizei mehr für die Sicherheit tun. Zum Beispiel in der Bolzstraße, auf der manche Autofahrer zwischen Theodor-Heuss-Straße und Stauffenbergstraße gern ihre Autos zur Schau stellen, die Motoren aufheulen und die Reifen quietschen lassen – und das in unmittelbarer Nähe der Königstraße mit ihren vielen Passanten. Zu beiden Seiten der Königstraße will die Stadt auf der Bolzstraße sogenannte Berliner Kissen einrichten: bei Carls Brauhaus und beim Eingang zu den Kinos im Marquardtbau. Die Berliner Kissen sollen aus rotem Beton sein und Autofahrer bremsen.

Mit einem Steckpoller soll nachts außerdem die Durchfahrt in der Lautenschlagerstraße blockiert werden. Von der Stephanstraße und der Thouretstraße kann man dann nur noch nach rechts in Richtung Hauptbahnhof abbiegen, nicht nach links zum Palast der Republik. Diese Strecke hatte die Vergnügungs- und Raserszene bisher als Rundstrecke vor oder nach der Fahrt über die Theodor-Heuss-Straße genutzt. Ein Schließdienst wird dafür sorgen, dass der Poller an den Wochentagen Donnerstag bis Sonntag jeweils zwischen 20 und 6 Uhr den Weg zur Lautenschlagerstraße blockiert, kündigte die Stadtverwaltung an.

Stadt investiert über 250.000 Euro

Für die Errichtung der beiden Blitzer gibt die Stadt einmalig 240.000 Euro aus, für ihren Unterhalt jährlich 8000 Euro. Die Aufpflasterungen in der Bolzstraße und der Poller in der Thouretstraße sind mit einmaligen Kosten für die Stadt von 12.000 Euro verbunden. Im Betrieb müsse man mit 3000 Euro pro Jahr rechnen, erklärte die Stadt.

Alle Maßnahmen seien zunächst für ein Jahr gedacht, betonte Ordnungsbürgermesiter Martin Schairer (CDU). Dann werde man die Wirkung dieses Versuchs bilanzieren.

Der Automobilclub ADAC ist völlig damit einverstanden. Die Maßnahmen seien die Quittung dafür, dass einige schwarze Schafe unter den Autofahrern Unfälle und Gefahrensituationen verursacht hätten. Die Situation auf der „Theo“ sei gefährlich, „und man kommt ja auch mit Tempo 30 voran“, sagte Reimund Elbe, Sprecher des ADAC Württemberg. Die Theodor-Heuss-Straße mit ihren vielen Passanten sei nicht mit Durchgangsstraßen wie der Hauptstätter Straße vergleichbar. Elbe: „Die Maßnahme ist absolut legitim.“ Man müsse aber gut auswerten, ob sich der Versuch bewährt und ob es zu störendem Ausweichverkehr in anderen Teilen der Stadt komme.

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