Diese Nilgansfamilie hatte im vergangenen Jahr die Hohenheimer Gärten zu ihrem Lebensraum gemacht. Foto: /Ralf Recklies

Kann ein Gänse-Management wie in Düsseldorf auch in Stuttgart die Population von Nilgänsen eindämmen? Während über Sinn und Unsinn einer solchen Maßnahme gestritten wird, erleben Nilgänse auf den Fildern bereits erste Frühlingsgefühle.

Filder - Auch wenn der meteorologische Frühling noch auf sich warten lässt: Die aktuellen Temperaturen wecken bei manchen Tieren bereits erste Frühlingsgefühle. So streiten sich derzeit in den Hohenheimer Gärten zwei Nilganspaare um das für die Wasservögel so attraktive Territorium. Ob am Ende eines der Paare triumphiert und den Park zu seiner alleinigen Heimat macht, bleibt abzuwarten. Nach Einschätzung des wissenschaftlichen Leiters der Hohenheimer Gärten könnte dies aber durchaus passieren. „Wie es scheint, ist Hohenheim vielleicht für mehr als ein Paar zu klein, oder die regelmäßigen Störungen durch unsere Arbeiten sind den Gänsen lästig“, sagt Helmut Dalitz. Dies auch mit Blick auf 2019. Nur ein Nilgans-Paar habe über das Jahr hinweg in den Hohenheimer Gärten gelebt, „und dies auch nicht immer. Sie waren wochenweise nicht da“, weiß Dalitz, der die Entwicklung aufmerksam verfolgt.

Lokalpolitiker und Umweltschützer sind sich nicht grün

Während die Gänse in Hohenheim um die Wette schnattern, um ihr Territorium abzustecken, liegen auch Lokalpolitiker und Umweltschützer des Nabu in Stuttgart im Clinch. Die Gemeinderatsfraktion der Grünen könnte sich vorstellen, dass in der Landeshauptstadt ein Gänse-Management nach Düsseldorfer Vorbild etabliert wird, um einer steigenden Population von Nilgänsen sowie anderer ursprünglich in Stuttgart nicht beheimateter Wasservögel entgegenzuwirken. Der Nabu hält von solchen Maßnahmen nichts. Wenig begeistert waren die Grünen von der Reaktion des Fachbeauftragten für Ornithologie beim Nabu Stuttgart. Ullrich Tammler hatte die Forderung nach einem Gänse-Management, wie es den Grünen vorschwebt, als „schwachsinnig“ bezeichnet.

„Das ist aus unserer Sicht ein sehr starker Vorwurf“, hat Gabriele Nuber-Schöllhammer, die Grünen-Fraktionsvorsitzende, jetzt an Tammler geschrieben und unterstreicht: „Probleme, die in einer Gesellschaft entstehen einfach auszusitzen, empfinden wir als nicht zielführend. Deshalb sollte sich die Stadt hier auf die Suche nach Lösungen machen. Ziel muss es sein, Interessen von Mensch und Tier möglichst in Einklang zu bringen“, schreibt Nuber-Schöllhammer, die nicht nur Tammlers Einschätzung zum Grünen-Antrag kritisiert. Auch dass auf der Internetseite der Stuttgarter Nabu-Gruppe die Nilgans im Vogelatlas einerseits als „aggressiv und dominant“ gegenüber anderen Vogelarten beschrieben wird, andererseits die Verdrängung anderer Arten ausgenommen wird, kann sie nicht nachvollziehen. „Jegliche uns bekannten wissenschaftlichen Arbeiten zu diesem Thema können diese Aussagen nicht bestätigen“, schreibt die Grünen-Chefin im Gemeinderat an Tammler.

In Düsseldorf werden Eier aus den Gelegen entnommen

In Düsseldorf versucht man seit Anfang 2018 durch ein gezieltes Gänse-Management die Gänsepopulation – hier sind es insbesondere Kanadagänse – einzuschränken. Zum einen, indem man zuletzt mehr als 800 Eier aus den Gelegen der Gänse entnommen hat, zum anderen indem man Brutplätze für Höckerschwäne angelegt hat, die keine Gänse in der Nähe ihrer Brutplätze dulden. Außerdem wurde ein Fütterungsverbot der Tiere erlassen.

Die Zahl der Jungvögel konnte auf diese Weise in Düsseldorf im Vergleich zu 2017 auf 90 Tiere fast halbiert werden. Im gesamten Düsseldorfer Stadtgebiet waren 2017, wie es in einem Bericht der Abteilung Stadtgrün heißt, rund 1400 Kanadagänse gezählt worden – fast 1000 davon in städtischen Parkanlagen. 2009 waren es stadtweit nur 700 Tiere gewesen. Ohne das Management, so war anfangs vorhergesagt worden, wäre die Zahl der Kanadagänse auf 1680 Tiere gestiegen.

Genaue Gänse-Zahlen für das Stuttgarter Stadtgebiet sind unbekannt

Von solchen Zahlen ist Stuttgart noch weit entfernt. Im 2018 erstmals vorgelegten Wildtierbericht für Baden-Württemberg ist für 2015 von einem Nilgansbestand während der Winterzeit mit 712 Tieren (2009: 231 Exemplare) die Rede – wohlgemerkt landesweit. Die in Düsseldorf vorwiegend Probleme machende Kanadagans wurde 2015 im Südwesten rund 1830 Mal gezählt (2009: 210). Die Graugans brachte es im Winter 2015 auf 6100 Tiere (2009: 2400) im Südwesten. Die drei Gänsearten sind sogenannte Standvögel.

Wie viele der Südwest-Gänse in Stuttgart leben? Das ist unbekannt. Detaillierte Gänse-Populationszahlen liegen nach Auskunft des Amts für öffentliche Ordnung bislang nicht vor. Es wird aber geschätzt, dass es „eine mittlere dreistellige Zahl an Tieren“ ist, heißt es im Rathaus.

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