Sollen ältere Menschen künftig länger arbeiten? Foto: dpa/Stephan Scheuer

Müssen wir bald alle länger arbeiten? Ein Expertenrat schlägt die Rente mit 68 vor. Doch für die Reform der Alterssicherung gibt es bessere Konzepte, kommentiert Bernhard Walker.

Berlin - Müssen jetzt alle unter 48-Jährigen zittern? Nein, keineswegs. Zwar bringt der Wissenschaftliche Beirat des Wirtschaftsministeriums für die „U 48“ die Rente mit 68 ins Spiel. Doch haben alle Parteien in Windeseile erklärt, dass sie diesen Vorschlag ablehnen. Nur ändert das nichts an den Problemen, vor denen die Alterssicherung steht. Die Volkswirtschaft muss den gigantischen Wandel zum Klimaschutz schaffen. Zudem hat Corona gezeigt, wie sehr der Staat in puncto Digitalisierung hinterherhinkt. Es ist pure Illusion zu glauben, dass für die Rente die Mehrwertsteuer nennenswert steigen kann – von einem Plus auf 27,2 Prozent ganz zu schweigen.

 

Der Erhalt der Arbeitskräfte gelingt nur, wenn die Älteren mehr Flexibilität haben

Die Alterssicherung auch über eine „Rente mit 68“ stabilisieren zu wollen, ist ebenfalls kein Weg. Millionen Arbeitnehmer mit ihren ganz individuellen Lebenslagen in ein starres Schema zu pressen, geht an der Wirklichkeit vorbei. Natürlich ist es wichtig, möglichst viele möglichst lange im Erwerbsleben zu halten. Das gelingt aber nur, wenn die Älteren mehr Flexibilität haben – also Job und Teilrente vereinbaren oder als Rentner hinzuverdienen können. Schweden hat so die besten Werte für die Erwerbstätigkeit der „Ü 55“ erreicht. Höchste Zeit, dass sich Deutschland daran ein Beispiel nimmt.