Die Fahrt mit den Öffentlichen wird 2023 im Grundsatz teurer. Doch es gibt auch neue, günstigere Angebote. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Bus- und Bahnfahrer könnten vom Wegfall der Monatsbindung erheblich profitieren. Der Verbund hat die Preise für die Ticketarten für 2023 festgelegt.

Der Preisaufschlag im Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) von 4,9 Prozent zum 1. Januar 2023 ist seit Monaten beschlossen, doch erst am 12. Oktober werden die Gremien des Verbunds die neuen Preise für die einzelnen Ticketarten beschließen. Dabei rückt das 10er-Tagesticket in den Blickpunkt. Im April 2021 war es als Reaktion auf bröckelnde Abo-Zahlen in der Coronapandemie neu eingeführt worden.

 

Bis zu 13,20 Euro Ersparnis möglich

Das 10er-Tagesticket kostet künftig für eine Zone 41,80 Euro. Es ist preislich gegenüber Einzeltickets (2,75), dem gängigen Vierer- (11) und dem Einzel-Tagesticket (5,50 Euro, jeweils neue Online-Preise) sehr attraktiv. Die Nutzer können damit bis zu 13,20 Euro sparen. Das Ticket hat aber den gravierenden Nachteil, dass es nur innerhalb eines Kalendermonats gültig ist. Es besteht also die Gefahr, dass Fahrten verfallen.

VRS setzt sich für Wegfall der Bindung ein

Im VVS-Tarifausschuss wurde bereits kontrovers über die Abschaffung der Monatsbindung diskutiert. Der Verband Region Stuttgart (VRS) will in seiner Sitzung am 21. September seine VVS-Aufsichtsräte beauftragen, sich für die Abschaffung einzusetzen. VRS-Regionaldirektor Alexander Lahl soll seine Stimme dafür ebenfalls in die Waagschale werfen. Der Verband argumentiert, dass damit das Nahverkehrsangebot für Berufstätige, die auch im Homeoffice arbeiten, deutlich attraktiver werden würde.

Erhöhung soll 18 Millionen Euro bringen

Bei der ganz überwiegenden Zahl der Ticketangebote im VVS liegt der Aufschlag 2023 tatsächlich zwischen vier und fünf Prozent. Ausreißer sind das Einzelticket Kind für eine Zone, das weiterhin 1,40 Euro kosten wird, und das Erwachsenenticket für zwei Zonen (3,70 Euro). Es wird 30 Cent oder umgerechnet 8,82 Prozent teurer. Insgesamt soll die Tariferhöhung den VVS-Unternehmen 18 Millionen Euro in die Kasse spülen und höhere Personal-, Material- und Energiekosten der Vorjahre ausgleichen. Die aktuelle Energiepreisexplosion ist damit aber nicht abgedeckt.

Ab April neues Angebot für Jugendliche

Der Verkehrsverbund verweist darauf, dass im April 2023 mit der Einführung des landesweit gültigen Jugendtickets für 365 Euro künftig 40 Prozent aller Fahrgäste günstiger als bisher unterwegs sein können, und zwar im Schnitt um 30 Prozent. Und das nicht nur im VVS-Gebiet, sondern in ganz Baden-Württemberg. Möglich macht das ein Millionenzuschuss des Landes. Grüne und CDU hatten dieses Ticket (bei Ausbildung bis 27 Jahre) im Koalitionsvertrag vereinbart.

Ein 365-Euro-Ticket für alle Fahrgäste anzubieten sei ohne Dauerzuschüsse von Bund und Land unmöglich, heißt es beim VRS. Berlin und die Länder ringen aktuell um die Nachfolge des 9-Euro-Tickets.