Volker Kleinle bekommt online viel Lob für seinen Bargeld-Kurs. Foto: Werner Kuhnl/dpa

Volker Kleinle bleibt beim Bargeld – viele feiern ihn dafür, andere sehen Rückschritt. Auf Facebook entlädt sich eine hitzige Debatte über Gebühren, Freiheit und Zukunft.

In der Dinkelbäckerei Kleinle in Ludwigsburg-Poppenweiler können Kundinnen und Kunden ausschließlich bar bezahlen – und Bäcker Volker Kleinle steht offen zu diesem Kurs. Ihm gehe es, sagt er, um Transparenz, niedrige Gebühren, um Freiheit und darum, dass seine Kundschaft den Überblick über ihre Ausgaben behält.

 

Nach einem Artikel dieser Zeitung erhält Kleinle für diese Haltung viel Zuspruch. Doch es melden sich auch Stimmen, die darin eine gefährliche Fortschrittsverweigerung sehen. Ein Nutzer schreibt, dass die Schließung vieler Bankfilialen die Entwicklung hin zum digitalen Bezahlen ohnehin beschleunigen werde.

Überblick über Ausgaben behalten

„Welche Bäckerei ist das? Ich möchte dort einkaufen“, schreibt beispielsweise André Miquand. Er ist einer von vielen Facebook-Kommentatoren, die Kleinles Bargeldkurs ausdrücklich unterstützen. Einige erklären ihre Motive. „Ich habe mal einen Monat nur mit Karte bezahlt, dann kam das böse Erwachen“, schreibt Silke Bachmann. Weil sie keinen Überblick über ihre Ausgaben gehabt habe, sei ihr Konto ins Minus gerutscht.

„Bargeldlose Zahlung ist manchmal bequemer“, räumt Facebook-Nutzer Chris Schaller ein. Doch Bargeld müsse eine Alternative bleiben – allein schon für den Fall eines Stromausfalls. Andere Nutzer argumentieren, dass physische Dinge wie CDs, Bücher, Spiele – und Bargeld – zwar an Bedeutung verlieren, aber dennoch wichtig für eine funktionierende Gesellschaft seien.

Florian Klink zeigt sich irritiert über die Entwicklung weg vom Bargeld: Bis vor Kurzem habe es noch geheißen, dass Beträge unter zehn Euro nicht mit Karte bezahlt werden können, nun solle er plötzlich jede Kleinigkeit digital bezahlen.

Entwicklung nicht aufzuhalten

„Wenn er sich das leisten kann? Manche werden aus diesem Grund einen anderen Bäcker aufsuchen“, schreibt dagegen Facebook-Nutzer Jan Komarek. Dass Gebühren für Kartenzahlungen für den Bäcker teuer seien, hält er für ein Scheinargument: Bei einem 60-Cent-Artikel fielen 0,018 Cent Gebühren an. „Dann soll der Bäcker halt 61 Cent verlangen und gut ist.“

Andere stören sich grundsätzlich daran, dass in Deutschland weiterhin so stark auf Bargeld gesetzt wird. „Auch so ein deutsches Phänomen: ein Schritt vor und zwei zurück. Kein Wunder, dass wir abgehängt werden“, kommentiert ein Nutzer. Dominik Schreiner sieht dasselbe Problem: „Deutschland verliert technologisch komplett überall den Anschluss.“ Deutschland sei rückständig, „und ihr seid auch noch stolz drauf“, ergänzt User Benedikt Lechner.

Facebook-User Erich Wagger stellt klar, dass Bargeld aus seiner Sicht ohnehin auf dem Rückzug sei. Banken bauten Filialen und Automaten ab, Bargeld sei dadurch immer schwerer und womöglich bald teurer zu bekommen. Auch die Bargeldausgabe im Supermarkt könne die Bankfilialen nicht ersetzen, meint er: „Aldi und Co. werden fürs Bargeld Gebühren verlangen – oder sie werden es einstellen.“ Das beschleunige das Ende des Bargelds.