Eine Lärmschutzwand soll Anwohnern Ruhe bringen: Weniger Lärm von Verkehr – oder auch von Jugendlichen. Foto: factum/Archiv

Soll ein Freizeitplatz an der Konrad-Kocher-Schule entstehen, muss eine 60 Meter lange, dreieinhalb Meter hohe Lärmschutzwand gebaut werden. Die Jugendlichen halten dennoch an ihrem Wunsch fest.

Ditzingen - Der Alternativvorschlag der Verwaltung ist aus Sicht der Jugendlichen keine echte Alternative gewesen. Nur so lassen sich die Stellungnahmen der Jugendräte zusammenfassen. Kevin Yuan etwa verwies nämlich auf die Ausgangssituation. „Das Hauptargument war, dass der Platz für junge Leute bis nach 22 Uhr geöffnet sein soll.“

Der Ditzinger Jugendgemeinderat befasste sich am Montagabend mit der Einrichtung eines Jugendfreizeitplatzes an der Konrad-Kocher-Schule. Die Jugendlichen mussten entscheiden, ob sie am Projekt festhalten, obwohl dafür eine knapp dreieinhalb Meter hohe, 60 Meter lange und 60 000 Euro teure Lärmschutzwand erforderlich sein wird. Die Verwaltung hatte alternativ vorgeschlagen, die Nutzungszeit auf 22 Uhr zu beschränken. Dann würde der Lärmschutz nicht erforderlich sein.

Sicherheitsdienst ist erforderlich

Die Stadt hatte vom Tüv Süd eine Schallimmissionsprognose erstellen lassen. Ihr zufolge werden die Richtwerte in der Nacht überschritten. In der Gottfried-Keller-Straße liegt das Ergebnis um drei Dezibel über dem Richtwert nach der Freizeitlärm-Richtlinie. „Die Überschreitung ist ausschließlich auf die Zusatzbelastung durch den Jugendtreffpunkt zurückzuführen“, schreibt der Tüv Süd. Freizeitgeräusche werden in der Regel nach der Freizeitlärm-Richtlinie ermittelt. Mit ihrer Hilfe sollen schädliche Umwelteinwirkungen im Sinne des Bundesimmissionsschutzgesetzes beurteilt werden. Der Lärmschutz muss den Platz an der Westseite abschirmen. Um die Grenzwerte einzuhalten, müssen aufgestellte Pavillons zudem gen Norden und Westen geschlossen sein. „Was man in beiden Fällen braucht, ist jemand, der danach schaut. Ohne funktioniert es nicht“, sagte der Oberbürgermeister Michael Makurath zudem über Kontrollen durch den Sicherheitsdienst.

Die Verwaltung hatte diverse Stellungnahmen in die Diskussion eingebracht. Die Anwohner entlang des Geländes an der Konrad-Kocher-Schule haben sich zwischenzeitlich zu einer Anrainer-Gesellschaft zusammengeschlossen. „Wir halten das Vorhaben für unzumutbar und das Unzumutbare für vermeidbar“, teilte deren Geschäftsführer Hans-Peter Bauer bereits im März der Stadt mit. Man befürchtet, zum Sündenbock zu werden und als Begründung herhalten zu müssen, wenn der Platz doch nicht angelegt wird. Die Leiterin der Konrad-Kocher-Schule, Ulrike Smolarek-Zimmer, legte dar, dass das Schulgelände schon jetzt am Wochenende ein Treffpunkt sei. Ihr Fazit: „Da in anderen Städten solche Projekte gelingen, schaffen wir das in Ditzingen wohl auch.“

Anwohner haben sich zusammengeschlossen

Neben dem Freizeitplatz waren der Soccer-Court und die Skateranlage Thema in dieser Sitzung – beides weitere Forderungen der Jugendlichen. „Bolzspielplätze sind keine Kinderspielplätze“, sagte der Oberbürgermeister Michael Makurath. Man dürfe deshalb auch „keine Sonderbehandlung vom Gesetzgeber“ erwarten. Er warb dafür, die „Kräfte zu bündeln“ und sich auf den Freizeitplatz zu konzentrieren. Daniel Arzt schlug deshalb als Kompromiss vor, die vorhandenen Plätze zu optimieren. Wie dies gelingen kann, will die Verwaltung bis zur nächsten Sitzung prüfen.

Von einer neuen Skateranlage sehen die Jugendlichen zunächst ebenfalls ab. Stattdessen soll testweise eine mobile Anlage etwa anlässlich eines Festes errichtet werden. Der Stadtjugendpfleger Roger König regte ein Jugendforum an, um zunächst die Zielgruppe zu definieren.

Geschichte des Freizeitplatzes

Der Jugendgemeinderat in Ditzingen wird im Herbst 2015 neu geschaffen. Gleich mit seinem ersten Projekt nimmt er sich Großes vor. Er stellt im Februar 2016 den Antrag, einen Jugendfreizeitplatz zu schaffen. Die Jugendlichen wollen dort zusammenkommen, ausdrücklich soll es keine Partylocation werden, er soll aber eben auch nach 22 Uhr noch benutzt werden können. Verwaltung und Jugendgemeinderat untersuchen daraufhin einige Standorte. Favorit der Jugendlichen ist der Platz an der Konrad-Kocher-Schule. Er wird derzeit eingehender geprüft.

Stimmen Ausschuss für Finanzen, Kultur und Soziales sowie Gemeinderat zu, ist im Juli eine Bürgerinformation zum Freizeitplatz geplant. Danach tagen im September Jugendgemeinderat und Fachausschuss und im Oktober der Gemeinderat. Der anvisierte Baubeginn wäre dann im Herbst 2018.