Der Leonberger Heiko Burkhard reist als Bundestrainer der Gehörlosen-Golfer nach Japan zu den Deaflympics – und hat sich das Gelände schon vorab genau angeschaut.
Am Mittwoch ist Heiko Burkhard nach Tokio aufgebrochen: Für den Golf-Trainer des GC Stuttgart Solitude aus Mönsheim besitzt der Trip nach Japan allerdings keinen touristischen Hintergrund – es ist sein Job als Bundestrainer der Gehörlosen, der den Leonberger auf die weite Reise geschickt hat.
In Tokio finden vom kommenden Samstag bis zum 26. November die Deaflympics statt, sozusagen die Olympischen Spiele der Gehörlosen, die alle vier Jahre ausgetragen werden. „Es wird spannend“, sagte Heiko Burkhard vor seiner Abreise, „ich hoffe, dass die Mannschaft mit ein paar Medaillen im Gepäck wieder zurückkehrt.“
Deaflympics 2025 in Tokio: Deutsches Nationalteam mit Goldchancen
Das deutsche Nationalteam reist mit fünf Golfsportlern an, drei Männern und zwei Frauen, und Burkhard traut seinen Schützlingen zu, bei der Medaillenvergabe ein paar Wörtchen mitreden zu können. Allen voran Allen John (38/St. Leon-Rot) und Nico Guldan (26) vom GC Heilbronn-Hohenlohe. Allen holte Gold bei den Deaflympics 2022 und ist Ex-Weltmeister; Guldan war Weltmeister 2022 sowie Vize-Weltmeister 2024, erst im August feierte er den Titel als Europameister. „Nico und Allen sind heiße Eisen im Feuer“, sagt Heiko Burkhard, „sie sollten in Tokio im Einzel ganz vorne mitmischen.“
Im Vorfeld der Deaflympics absolvierte Heiko Burkhard, der die Bundesliga-Frauen des GC Solitude trainiert, zwei Vorbereitungslehrgänge mit den tauben und hörbehinderten Sportlern. Und auch in Japan stehen die ersten Tage nach der Ankunft ganz im Zeichen des Akklimatisierens – mit der neuen Zeitzone (sieben Stunden voraus) und dem Golfplatz, mit dem sich die Mannschaft ebenfalls noch anfreunden muss.
Der 18-Loch-Platz auf der künstlichen Insel Wakasu als große Unbekannte für die deutsche Mannschaft? Ja und nein. Ihre ersten leibhaftigen Erfahrungen mit dem Geläuf erlebt das Team bei den beiden Proberunden, die gespielt werden. Aber Burkhard wäre ein wenig engagierte Nationalcoach, wenn er das Gelände nicht schon vorab in Augenschein genommen hätte – und zwar aus der Vogelperspektive via Google Maps. „Dabei kann man so manche Tücken bereits herauslesen“, verrät der 45-Jährige, „dann macht man noch eine Internet-Recherche.“
Das Ergebnis von Burkhards Nachforschungen: Der Platz liegt in der Nähe des Hafengeländes, aufgrund des Ozeans ist verstärkt mit Wind und auch starken Böen zu rechnen. Die Fairways weisen häufig eine verstärkte Schräglage auf, die den Abschlag in Kombination mit dem Wind kniffelig machen, und außerdem ist im Herbst immer wieder auch mit Regen zu rechnen. „Ich habe all diese Informationen an die Heimtrainer der Athleten weitergereicht“, erzählt Heiko Burkhard, „damit sie ihre Trainingsinhalte auf die Bedingungen in Japan abstimmen können.“
Wie gut die Coaches ihren Aktiven die Besonderheiten des Courts in Japan vermitteln konnten, wird sich zeigen – je nachdem wie Vanessa Girke, Stefanie Mayer, Paul Neumann, Nico Guldan und Allen John bei den Deaflympics abschneiden, wo vier Runden im Zählspiel-Verfahren (Addition aller Schläge) gespielt werden. Neu ist bei diesen Gehörlosen-Spielen, dass es auch eine Mannschaftswertung geben wird. Platz im Rückreise-Gepäck für mögliche Medaillen dürfte ausreichend vorhanden sein. Zur Not hängt man sich die Plakette um den Hals.