In einem Teilabschnitt sind die zwischen Kirchheim und Oberlenningen pendelnden Züge bald mit Tempo 80 unterwegs. Auch für die Engpässe bei den Lokführern ist eine Lösung in Sicht. Kommt eine Verlängerung der S-Bahn Stuttgart?
Mal fehlen Fahrer, mal Fahrzeuge: Die ständigen Zugausfälle auf der Strecke zwischen Kirchheim und Oberlenningen nerven die Pendler gewaltig. „Das Image der Teckbahn ist verheerend“, findet Dettingens Bürgermeister Rainer Haußmann deutliche Worte. Seine Amtskollegen aus Owen, Verena Grötzinger, und Lenningen, Michael Schlecht, stimmen in den Chor ein und fordern unisono: „Die Zuverlässigkeit der Teckbahn muss verbessert werden.“
Weil es dringenden Handlungsbedarf gibt, hat Andreas Schwarz, der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Stuttgarter Landtag, die Verantwortlichen zu einem Gespräch eingeladen – inklusive Teckbahnfahrt. Im Abteil hören sich Clarissa Freundorfer, die Konzernbevollmächtigte für Baden-Württemberg der Deutschen Bahn, Manuel Kreuzer, Leiter der DB InfraGo Projekte Südwest, Regionaldirektor Alexander Lahl und Jürgen Wurmthaler, der Wirtschaftsdirektor des Verbandes Region Stuttgart, reichlich Kritik an. Zufrieden sind die Kommunen mit dem Betrieb der Teckbahn nicht. Dabei hat die Bahn in den vergangenen Jahren Millionen in die Modernisierung der Bahnstationen und der rund zehn Kilometer langen Strecke gesteckt.
Geblieben aber seien einige Langsamfahrstellen, moniert Matthias Gastel, der verkehrspolitische Sprecher der Grünenfraktion im Bundestag. Die Konzernbevollmächtigte versichert daraufhin, die Bahn habe den Ehrgeiz, alle zu beseitigen. „Mehr Stabilität im Betrieb der Teckbahn ist unser vordringlichstes Ziel.“ So sei der Umbau der restlichen fünf Bahnübergänge „in der konkreten Planung“, informiert Freundorfer. Die Maßnahmen sollen abschnittsweise bis zum Jahr 2029 umgesetzt werden.
Die Teckbahn habe teilweise „Bimmelbahncharakter“, stellt Andreas Schwarz beim Blick aus dem Zugfenster auf die parallel zur Schienentrasse verlaufende Verbindungsstraße zwischen Dettingen und Owen augenzwinkernd fest: „Da bin ich ja mit dem Rennrad schneller als die Bahn.“ Doch das soll sich ändern, kündigt Manuel Kreuzer an: Ab dem 21. September werde die Teckbahn zwischen Kirchheim-Süd und Owen mit Tempo 80 fahren. Bislang sind maximal 60 Stundenkilometer drin. Spürbare Auswirkungen auf die Fahrzeit werde das nicht haben, vielmehr verschaffe man sich so einen kleinen Puffer, um Verspätungen wieder reinzuholen, erläutert Kreuzer. Eine noch höhere Geschwindigkeit gebe das Gleisbett allerdings nicht her, räumt er ein.
Personalnot in Führerstand und Werkstatt
Das größte Problem für die Fahrgäste sind die vielen Zugausfälle wegen Personalmangels. Der Grund: „Die Lokführer sind Teil des S-Bahn-Pools“, erläutert der Regionaldirektor. Wenn es auf den viel befahrenen Hauptlinien klemme, würden die S-Bahn-Strecken „bevorzugt bedient“. Heißt: Das Personal der Teckbahn wird dann abgezogen. Laut Alexander Lahl werden diese Engpässe vielleicht jedoch bald der Vergangenheit angehören: Bis Ende des Jahres soll ein sogenannter Unterauftragnehmer mit eigenem Personal den Betrieb der Teckbahn übernehmen. Die DB Regio stehe in Verhandlungen und werde demnächst verkünden, wer der künftige Betreiber sein wird. Die Bürgermeister der Anrainerkommunen hatten eine solche Lösung mit Verweis auf die benachbarte Tälesbahn schon vor Monaten angeregt. „Das ist nicht unser Wunsch“, räumt Lahl ein. „Aber es ist einen Versuch wert.“ Der Verband Region Stuttgart (VRS) ist Aufgabenträger der Teckbahn.
Die technisch bedingten Zugausfälle auf der Teckbahn sind laut Clarissa Freundorfer auf den Personalmangel in der DB-Werkstatt in Ulm zurückzuführen, wo die Regioshuttle-Triebwagen gewartet werden. Auch nach Corona sei der Krankenstand dort extrem hoch, teils komme man mit den Reparaturen nicht mehr hinterher. Erschwerend komme hinzu, dass die über 20 Jahre alten, dieselbetriebenen Fahrzeuge der Teckbahn „Exoten“ seien, die Spezialisten erforderten. Würden auf der Strecke ähnliche Fahrzeuge eingesetzt wie bei der S-Bahn, also elektrische Triebwagen, gäbe es mehr Stabilität, ist sie überzeugt.
Die Elektrifizierung der Strecke ist seit langem im Gespräch. Und nun, sagt der für die Infrastruktur zuständige VRS-Experte Jürgen Wurmthaler klipp und klar, sei es „höchste Eisenbahn, sich zu entscheiden, wohin die Reise in Zukunft gehen soll“. Der Vertrag für den Betrieb der Teckbahn laufe noch bis 2032, es werde dann neu ausgeschrieben. Idealerweise sollte man bis dahin wissen, welcher Fahrzeugtyp künftig aufs Gleis gesetzt werden soll.
Verlängerung der S-Bahn Stuttgart?
Gerade erst hat der Verband Region Stuttgart neue Ideen für eine Teckbahn mit alternativer Antriebstechnologie und einem halb-, statt bislang einstündigen Takt vorgestellt. Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie zeigen, dass sich eine Verlängerung der S-Bahn-Linie S 1 mit Zugteilung in Kirchheim und jeweiliger Weiterführung nach Oberlenningen und Weilheim/Teck rechnen würde. Der Ausbau wäre in drei Stufen umsetzbar. Im ersten Schritt ist die Elektrifizierung der Teckbahntrasse vorgesehen. Der Verband will nun Gespräche mit allen Beteiligten führen.
125 Jahre Teckbahn
Jubiläum
Vor 125 Jahren fuhr erstmals ein Zug von Kirchheim ins Lenninger Tal: Der Streckenabschnitt nach Oberlenningen wurde am 28. September 1899 in Anwesenheit von König Wilhelm II. von Württemberg feierlich eingeweiht. Den runden Geburtstag der Teckbahn feiern die vier Anrainerkommunen Kirchheim, Dettingen, Owen und Lenningen gemeinsam am Sonntag, 15. September, an ihren Bahnhöfen. Es gibt Ausstellungen, Bimmelbahnfahrten, eine Modellbahnschau und Bewirtung.
Dampfzugfahrt
Als Höhepunkt wird zwischen Kirchheim und Oberlenningen ab 10 Uhr ein historischer Dampfzug verkehren, bestehend aus einer Güterzugdampflok von 1942 sowie Waggons mit offenen Einstiegstüren. Es gilt ein spezieller Fahrpreis, Fahrkarten des VVS sowie das Deutschlandticket gelten in diesen Zügen nicht. Der reguläre Zugverkehr auf der Linie RB 64 wird an diesem Tag über Busse abgewickelt. Diese fahren alle Halte der Linie 177 zwischen Kirchheim und Oberlenningen an.