Malte Moos (li.), David Kammerbauer: Gemeinsamer Zeitvertreib in der Küche. Foto: Baumann/Julia Rahn

David Kammerbauer und Malte Moos haben bis zu der nun vorgezogenen Winterpause alle Saisonspiele für die Stuttgarter Kickers absolviert. Die Verteidiger leben gemeinsam in einer Wohnung und geben Einblicke in ihren Alltag und ihre sportlichen Ziele.

Stuttgart - Sie wohnen gemeinsam in Plieningen unter einem Dach, hängen deshalb aber nicht permanent zusammen, doch die Vorbereitung auf ein Spiel der Stuttgarter Kickers ziehen David Kammerbauer (24) und Malte Moos (25) dann doch immer gemeinsam durch – nach dem gleichen Ritual. Los geht’s am Freitag mit einem gemütlichen Fernseh-Fußballabend auf dem Sofa, dazu genehmigen sie sich ein Hefeweizen. Am Samstagvormittag schnappen die beiden Außenverteidiger bei einem Spaziergang frische Luft, holen Brötchen beim Bäcker – und bis zur Abfahrt zum Treffpunkt dröhnt laute (Ballermann-)Musik durch die Wohnung. So war das auch für den 4. Dezember geplant. Doch das vorgesehen Spiel beim FC Astoria Walldorf II wurde abgesagt. Der Verband schickte alle Clubs vorzeitig in die Winterpause.

 

Grundsätzlich hat sich diese Art der Spielvorbereitung ganz offensichtlich bewährt. Zumindest sind die beiden die absoluten Dauerbrenner im Team des Fußball-Oberligisten: Sie haben alle 18 Hinrundenspiele in dieser Saison absolviert. Eine solch lupenreine Bilanz kann aus dem Kader der Blauen sonst nur Offensivmann Kevin Dicklhuber vorweisen. „Den hol ich schon noch ein“, sagt Kammerbauer mit Blick auf seinen WG-Partner Moos. Der kommt auf 1569 Spielminuten, Kammerbauer auf 1520 Minuten. Die Torausbeute ist bei beiden ausbaufähig: Nur ein Saisontor haben sie jeweils auf ihrem Konto.

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Klar, auf ihrer Position gehört das Toreschießen nicht zum Pflichtprogramm. Moos beackert die rechte Außenbahn, Kammerbauer die linke. Beide sind gesetzt. Auf anderen Positionen herrscht ein deutlich härterer Konkurrenzkampf. Ihre beiden 19-jährigen Vertreter Nick Rudloff (rechts/insgesamt 46 Minuten Spielzeit) und Arel Demir (links/neun Minuten) haben einen schweren Stand. Woran das liegt? „Wir haben uns den Stammplatz durch gute Spiele hart erarbeitet“, sagt Moos. „Vielleicht rotiert man auch auf der Außenbahn nicht ganz so viel wie auf anderen Positionen“, ergänzt Kammerbauer.

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Beide spielen seit 2019 bei den Blauen. Sie haben fast zeitgleich auf der Geschäftsstelle ihre Verträge unterschrieben. Dabei stellten sie fest, dass sie beide noch eine Wohnung brauchen. Die Chemie stimmte auf Anhieb. Schnell war man sich einig. Kammerbauer brachte aus seiner Zeit beim SSV Ulm 1846 Erfahrung aus einer Vierer-WG mit, Moos lebte auch schon eine Zeit lang alleine mit seinem Vater zusammen. „Wir haben uns gesucht und gefunden“, sagen beide unisono. Jeder besitzt in der Bleibe auf der Filderebene ein großes Zimmer, ein großer Balkon lädt im Sommer zum Grillen ein. Eine spezielle Aufgabenteilung im Haushalt gibt es nicht. Die beiden Teamplayer machen alles gemeinsam. Bis aufs Kochen. Da schaut in dem eingespielten Duo jeder nach sich. Nur in Ausnahmefällen wird Moos’ Pasta-Lieblingsgericht mit Kammerbauers Spezialität Salat mit Kichererbsen zum Menü zusammengefügt.

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Derzeit sind beide Solo. Doch langweilig wird es den Singles nicht. Kammerbauer arbeitet neben dem Fußball als Personal Trainer, Moos studiert Sport-Management an einer Fernuni und absolviert ein bezahltes Praktikum im Marketing-Bereich. Sie wissen, dass es mit Mitte 20 nicht einfach wird, im Profigeschäft noch den Sprung ganz nach oben zu schaffen. „Wir sind beide nicht mehr jung, aber der Sport schreibt manchmal die verrücktesten Geschichten“, hat Moos die Hoffnung noch nicht komplett aufgegeben. Er durchlief die Ausbildung beim 1. FSV Mainz 05, spielte unter seinem größten Förderer Sandro Schwarz in der A-Jugend und für die zweite Mannschaft in der dritten Liga und der Regionalliga, auch drei U-18-Länderspiele für Deutschland hat er auf dem Buckel.

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Über Wormatia Worms kam der Rechtsfuß nach Degerloch. Kammerbauer kickte von der U10 bis zu U19 beim 1. FC Nürnberg, profitierte am meisten vom Trainer Michael Wimmer (inzwischen Co-Trainer beim VfB Stuttgart). In der Jugend spielte er beim Club gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Patrick, der inzwischen beim SC Freiburg unter Vertrag steht und dort in der Drittligamannschaft zum Einsatz kommt. Wenn es schon aus dem WG-Leben keine Anekdote zu erzählen gibt, so hat Kammerbauer doch einen Streich seines Bruders auf Lager: Als der am Blinddarm operiert werden musste, verklickerte er David, dass der Arzt gesagt habe, ihn würde es zu 90 Prozent nun auch erwischen. „Ich kaufte es ihm ab und informierte brav meinen Trainer und den Sportvorstand in Ulm, dass ich demnächst wohl irgendwann ausfallen würde. Aber zum Glück war es nicht so“, berichtet Kammerbauer, dessen Vertrag am Saisonende ausläuft, sich aber im Fall des Aufstiegs automatisch verlängert.

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„Wir packen das mit unserer wilden Truppe, in der es viele verrückte Charaktere gibt“, sagt Moos (Vertrag bis 2023) mit einem Schmunzeln. Er und sein WG-Partner gehören eher zu der Fraktion der „Zahmen“. Für beide steht fest: „Das Gesicht der Mannschaft stimmt. Alle gemeinsam bringen wir das Kickers-Schiff auf Kurs.“

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