Das schwäbische Quartett bei "The Voice of Germany": Lilith Wieland aus Stuttgart, David Whitley (links oben) aus Wolfschlugen, David Hanselmann (rechts oben) aus Murr und John Noville (rechts unten) aus Waiblingen - klicken Sie sich durch die Bilder ihrer bisherigen Auftritte. Foto: © SAT.1/ProSieben/Richard Huebner, Montage: SIR

David Hanselmann (Murr), Lilith Wieland (Stuttgart), David Whitley (Wolfschlugen) und John Noville (Waiblingen) sind bei der Castingshow auf ProSieben und Sat.1 noch im Rennen um die beste Gesangsstimme - hier ein Interview mit dem 61-jährigen Hanselmann und die Fotos der Auftritte.

Stuttgart - Gesungen wird bei "The Voice of Germany" meist auf Deutsch oder Englisch - geschwätzt allerdings wird bei der aktuellen dritten Staffel oft auf Schwäbisch: Denn in der Castingshow, die derzeit auf ProSieben und Sat.1 ausgestrahlt wird, gehört neben dem Stuttgarter Coach Max Herre auch ein Quartett aus der Region Stuttgart zu den verbliebenen Kandidaten.

Die 33-jährige Lilith Wieland aus Stuttgart, US-Amerikaner David Whitley (44) aus Wolfschlugen (Kreis Esslingen), der auf Barbados geborene John Noville (59) aus Waiblingen (Rems-Murr-Kreis) sowie der 61-jährige David Hanselmann aus Murr (Kreis Ludwigsburg) sind noch im Rennen und kämpfen um die Auszeichnung als beste Stimme Deutschlands.

Die nächsten Shows von "The Voice" werden am Donnerstag, 14. November, und Freitag, 15. November, gezeigt. In der Donnerstag-Folge mit weiteren "Battles" sind unter anderem auch Lilith Wieland (gegen Msoke Mhina) mit dem Song "La la la" von Snoop Lion sowie David Whitley (gegen Hafdis Hallgrimsdottir) mit dem Song "Treasure" von Bruno Mars zu sehen.

John Noville hatte bereits in der vergangenen Woche sein Gesangs-Duell zum Dylan/Hendrix-Song "All Along The Watchtower" gegen die Duisburgerin Anja Lerch gewonnen. Ebenso eine Runde weitergekommen in die Runde der sogenannten "Showdowns" ist David Hanselmann - und der sanfte Sänger, der lange in Stuttgart-Heslach gelebt hat, stand uns nun für ein Gespräch zur Verfügung.

Das Interview mit David Hanselmann:

Herr Hanselmann, Sie sind mit 61 Jahren der älteste "The Voice"-Kandidat und wie wir Ihrer Homepage entnehmen können, haben Sie eine ziemlich lange Vita. Da wissen wir gar nicht, über welches Thema wir zuerst reden sollen...
David Hanselmann (lacht): Ja, ich habe tatsächlich schon viel erlebt. Ich habe mit 13 Jahren angefangen, Musik zu machen und zu singen. Ein Höhepunkt ist sicherlich der Grand Prix d'Eurovision de la Chanson im Jahr 1982, den Nicole mit "Ein bisschen Frieden" gewonnen hat.

Ach, was haben Sie damit zu tun gehabt?
Hanselmann: Na, ich war im Duett mit Mary Roos beim deutschen Vorentscheid dabei. Wir wurden Sechster. Und Nicole hat halt gewonnen. Ein paar Jahre später habe ich zur Fußball-WM in Italien dann die Hymne "Go get the Cup!" produziert und bin damit in die Top Ten der deutschen Charts gekommen.

Derjenige, der den bekannten Refrain singt, das waren Sie?
Hanselmann: Ja, klar. Ich singe den ganzen Song. Zu Michael Schumachers großen Formel-1-Zeiten hatte ich später auch den offiziellen Song "Fly Schumi fly" gemacht.

Und mit dem VfB Stuttgart haben Sie auch zusammengearbeitet.
Hanselmann: So ist es. Als der VfB 1992 unter Christoph Daum Deutscher Meister geworden ist, da habe ich den Song "Olé VfB" gemacht und bei der Meisterfeier unten am Stadion in Cannstatt aufgeführt. Das war geil, sage ich Ihnen.

Wie ist es denn überhaupt dazu gekommen?
Hanselmann:
 Der Verein hatte damals den Wunsch nach einem neuen, interessanten Song für die Fans. Über den bekannten Gitarristen Armin Sabol aus Stuttgart, der unter anderem mit Peter Schilling zusammengearbeitet hat, wurde ich angesprochen. Ich bin ja in Stuttgart geboren und habe bis Anfang der 1980er Jahre im Süden gelebt, an der Bachwiesenstraße in Heslach.

Und dann?
Hanselmann: Dann habe ich vor dem damaligen VfB-Manager Dieter Hoeneß, Vorstandsmitglied Ulrich Schäfer und zwei, drei anderen vorgespielt. Und das Lied wurde genommen. Am späteren Verkauf habe ich aber nicht profitiert, meine ich mich zu erinnern. Das war aber insgesamt eine tolle Zeit. Ich habe sie alle kennengelernt: Guido Buchwald, Hansi Müller, Hermann Ohlicher, Buffy Ettmayer, Maurizio Gaudino, meinen Freund Gerhard Mayer-Vorfelder und und und.

Also gehen Sie heute noch gelegentlich zu den VfB-Spielen?
Hanselmann (zögert): Ach, wissen Sie, der Verein hat in den vergangenen Jahre viele Windungen hinter sich und viele Ups und Downs erlebt. Und, tja, irgendwie muss ich sagen, fehlt beim VfB manchmal der respektvolle Umgang. Beim HSV ist das anders.

Sie meinen den Hamburger SV?
Hanselmann: Ja. 1994 hatte ich den Song "HSV forever" gemacht. Und wissen Sie was? Das Lied ist im Hamburger Stadion ein Dauerbrenner, und zwar bis heute! Erst singen alle Zuschauer mit Lotto King Karl "Hamburg, meine Perle" und wenn die Fußballer auf den Rasen einlaufen, kommt mein Song. Das ist großartig. Vom HSV bekomme ich auch gelegentlich einen Anruf, ob ich Zeit hätte und ins Stadion möchte. Toll war übrigens auch die Zeit mit PUR.

Was haben Sie für die gemacht?
Hanselmann: Zwölf Jahre lang war ich mit denen auf Tour, von 1993 bis 2005. Ich habe im Chor gesungen, oft die zweite Stimme zu Hartmut Engler.

Und heute, im Jahr 2013, sind Sie in der Castingshow "The Voice of Germany" mit vielen jungen Leuten gelandet. Sie haben "Let's stay together" und "Somewhere over the Rainbow" gesungen und stehen nun in Runde drei. Wie kam es dazu?
Hanselmann: Im vergangenen Jahr wurde ich bereits von der Produktionsfirma gefragt, ob ich da mitmachen möchte. Damals habe ich noch abgesagt. Und als ich nun erneut gefragt wurde, habe ich nach längerer Überlegung zugesagt. Meinen Neugierde hat gesiegt.

Welche Erfahrungen haben Sie dann bei den Auftritten und Aufnahmen im Juli und August gemacht?
Hanselmann: Ganz ehrlich: Ich werde nie was Schlechtes über "The Voice" sagen. Ich habe selten im Leben so schöne Momente gehabt in meinem Leben wie dort. Es ist echt eine tolle Show auf allerhöchstem Niveau.

Das wird die Produktionsfirma mit Freude hören.
Hanselmann: Es ist aber auch so! Ich sage das nicht, damit Sie es schreiben. Aber klar ist auch: Es ist und bleibt eine Unterhaltungsshow und die Musikbranche liegt insgesamt ein bisschen am Boden - das müssen die Teilnehmer und Zuschauer wissen.

Sie sind 61 Jahre alt und haben - mit Verlaub - den Großteil Ihrer Karriere hinter sich. Was erhoffen Sie sich - außer Ihrer neuen Facebook-Seite - von der Fernsehshow?
Hanselmann: Gar nichts! Ich fahre nicht dahin in der Hoffnung, dass ich gewinnen werde. In der Sendung werden keine Weltkarrieren gemacht. Ich muss mich nicht beweisen, ich weiß, was ich kann und nehme das gerne mit.

Zum Beispiel?
Hanselmann: Etwa die Zusammenarbeit mit meinem Coach Nena, sie ist ein Vollprofi, sie ist ladylike und echt nett. Oder die Auftritte mit der Band, das war großartig, das war der perfekte Sound. Ich genieße das alles einfach.

Tatsächlich? So bescheiden?
Hanselmann (lacht): Naja, nach den "Blind Auditions" und den "Battles" ist auch klar: Mein Anspruch wächst mit dem Erfolg.

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