Duett mit E-Gitarre: David Garrett liebt das Crossover und ist ist häufiger Gast in den Popcharts. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Von Beethoven bis Nirvana: Der Geiger David Garret ist auf „Unlimited“-Tour und spielt in der Schleyerhalle wirkungsvoll mit dem Schicksal.

Stuttgart - Wer es wirkungsvoll will, spielt mit dem Schicksal. Was passt da besser als die Schicksalssymphonie? Die Rede ist von Ludwig van Beethovens populärer Fünfter, deren Anfang immer geht. Das weiß freilich auch David Garrett. Und so waren es die populären drei Achtel auf G und das lange Es, zu dem der Stargeiger auf der Bühne der Hanns-Martin-Schleyer-Halle auftauchte – scheinbar wie aus dem Nichts herbeigezaubert, den wild tanzenden Weißlichtkegeln sei Dank. Aber schließlich lautet das Motto seiner Jubiläumstour auch „Unlimited“, also grenzenlos. Damit ist das gemeint, was den Deutsch-Amerikaner berühmt und gar – als eigentlicher Klassiker mit Vorbild Yehudi Menuhin – in die Popcharts katapultierte: Seit zehn Jahren macht er Crossover-Musik aus verrockter, elektro-verpoppter Klassik und trimmt im Gegenzug Rock und Pop auf Symphonie. Ein Mix, wofür ihn die einen schmähen, die anderen lieben und Lichtlein schwenken.

Als Geigenrebell zur Marke geworden

Was einst klein anfing nach seinem Abschluss an der Juilliard School in New York – „damals konnten wir uns keinen Schlagzeuger leisten“ – ist nun zur Marke nach dem Motto „Geigenrebell“ geworden: Garrett intoniert mit seiner Band und großem Orchester, der Neuen Philharmonie Frankfurt, Evergreens mitunter höchst bombastisch. Und die Jubiläumstour soll feiern, so Garrett, was immer im Sinn gehabt habe: „Ein größeres Publikum für die Klassik gewinnen.“ Das ist nicht neu, und auch die Stücke waren ein Potpourri des Bisherigen und Beliebten – dank Live-Kameras, Filmchen, Leinwänden und Lichtsäulchen gewürzt mit allerlei Effekten. Feuer und Flammen nach dem Auftakt, fließendes Blaulicht zur Filmmusik „Pirates of the Caribbean“, schnelle Kamerafahrten zu Nirvanas „Smells Like Teen Spirit“. Bei „Smooth Criminal“ tauchte ein animierter Michael Jackson auf, zu Stevie Wonders „Superstition“ flogen die Funken, zu Claude Debussys „Claire de Lune“ ging’s ins Weltall – und nach dem „lasst uns das gemeinsam rocken Stuttgart“-Medley mit Queen-Songs wurde stehend applaudiert. Alle Erwartungen erfüllt – was will man mehr.

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