Landwirte in Stuttgart und Region sind aufgrund des hohen Niederschlags im Mai und Dauerregens der vergangenen Tage besorgt um ihre Ernten. Viele Früchte sind vom Pilzbefall bedroht und verfaulen. Zudem spricht der Landesbauernverband von einer Schneckenplage.
Der Dauerregen in vielen Regionen des Landes bedeutet nicht nur einen feucht-nassen Boden, sondern jede Menge Schnecken. Die Tiere, bei deren Anblick sich kein Landwirt oder Hobbygärtner freut, fühlen sich bei den aktuellen Wetterverhältnissen pudelwohl und entwickeln einen riesigen Appetit. Auf ihrer Speisekarte steht so ziemlich alles, was auf dem Boden angebaut wird: Nicht nur die Salaternte ist laut dem Landesbauernverband Baden-Württemberg deshalb davon betroffen. Die Schnecken machen sich auch über Kürbisse, Zucchini, Zuckermais und Erdbeeren her.
Viele Landwirte im Land schlagen Alarm und sprechen von einer „Schneckenplage“. Denn die Pflanzen werden schwächer, wenn sie permanent von Schnecken sabgefressen werden, sie sind anfälliger für Krankheiten und wachsen langsamer. Deshalb befürchten viele Landwirte nun Einbußen bei der Ernte.
Nur wenig Selbstpflücker unterwegs
Ein weiteres Problem, das das miese Wetter im Schlepptau hat: Auch wenn es einmal nicht regnen sollte, verspürten nur wenige Selbstpflücker in den vergangenen Tagen große Lust, sich mit dem Körbchen am Arm Erdbeeren selbst vom Feld zu holen. „Das bedeutet für uns jedoch jede Menge zusätzliche Arbeit“, sagt Phillip Bauerle vom gleichnamigen Familienbetrieb, der zwischen Bad Cannstatt und Fellbach auf rund sieben Hektar Erdbeeren anbaut. Nicht ernten, sondern putzen nennt er die „mühsame Feldhygiene“, bei der die Beeren einzeln begutachtet und gegebenenfalls entfernt werden müssen. Denn die Gefahr eines Pilzbefalls ist bei dem feuchten Klima sehr groß.
Schnecken sind bei Erdbeeren ebenfalls ein Thema, die Gefahr kann aber durch das Stroh, das zwischen die Reihen verstreut wird, erheblich verringert werden. „Darüber klettern die Tiere nicht so gern“, sagt der Landwirt, der sich aktuell jedoch größere Sorgen um seine Kirschen macht, die er auf rund 1,5 Hektar anbaut. „Durch den vielen Regen nehmen sie zu viel Wasser auf und platzen.“ Hier drohen in diesem Jahr massive Ernteausfälle. Und der Spargel? Das größte Problem ist, dass die Ernte auf der rund 70 Hektar großen Anbaufläche der Familie Bauerle, die eh schon mühsam ist, nur schleppend – wenn überhaupt – erfolgen kann.
Gefahr eines Pilzbefalls
Auch Landwirt Jochen Brust aus dem Norden der Landeshauptstadt, hat mit dem aktuell feuchten Klima zu kämpfen. Seine Felder liegen zwischen Mühlhausen, Kornwestheim und Aldingen. „Unser Hauptgeschäft ist der Anbau von Erdbeeren“, sagt der Landwirt. Doch nur wenige Menschen haben sich in den vergangenen Tagen auf seinen rund sechs Hektar großen Erdbeerfeldern mit den leckeren Früchten eingedeckt. „Egal ob Erdbeere, Himbeere oder Stachelbeere, die Gefahr eines Pilzbefalls ist allgegenwärtig und momentan groß“, erzählt Brust. Neben den Beeren baut der Familienbetrieb Kartoffeln, Grün- und Purpurspargel an, für den der Mühlhäuser Traditionslandwirt bekannt ist. Doch beim königlichen Gemüse sei das größte Problem, dass die wetterbedingte mangelnde Schnittleistung „schlecht für den Umsatz“ sei. Nur schleppend landet der Spargel im Hofladen sowie an den eigenen Verkaufsständen.
Was die „Schneckenplage“ angeht, so verwendet Jochen Brust, der Kreisvorsitzender des Bauernverbands Stuttgart ist und unter anderem auf seinen Äckern auch noch Zuckerrüben und Sojabohnen anpflanzt, legale Pflanzenschutzmittel wie das für Menschen ungefährliche Schneckenkorn. „Ohne geht es definitiv nicht“, so Brust.
Schneckenkorn ist ungefährlich
Hungrige Schnecken
Unter dem Motto „So wenig wie möglich, so viel wie nötig“ greift auch Christian Hörnle aus Weilimdorf zum Schneckenkorn. „Allerdings ist das Problem eher an den Feldrändern zu sehen“, erzählt der erfahrene Landwirt. Der Weg ins Innere sei dann doch zu weit für die gefräßigen Tiere.“
Über welch großen Hunger Schnecken verfügen, sieht Hörnle immer dann, wenn ein Stück eines Ackers beim Ausstreuen des Schneckenkorns vergessen wurde. Generell seien die Schäden in diesem Jahr erträglich, seine Felder sehen immer noch sehr ordentlich aus. „Doch jedes angenagte Blatt tut einer Bauernseele natürlich weh.“
Was die Selbstpflücker angeht, so macht sich Christian Hörnle für die nächsten Tage nicht viel Hoffnung – wobei der Feiertag an Fronleichnam „sehr, sehr gut gewesen ist“. Ein Großteil der Frühsorte sei „abgezupft“ worden. Generell erhofft sich der Chef des Obstbaubetriebs, der seine Produkte auf dem Wochenmarkt und auf seinem Hof selbst vermarktet, für den Juni weniger Niederschlag als im Mai. Auf seiner eigenen Wetterstation habe er rund 150 Liter im Mai gemessen. Viel zu viel für den sogenannten Wonnemonat.