Am Freitag und Samstag war es für die Feuerwehr recht ruhig in Stuttgart. Am Sonntag war dann aber jeder Wassertropfen einer zu viel – die Einsätze häuften sich – und das Abschlusswochenende des Hamburger Fischmarkts ist buchstäblich ins Wasser gefallen.
Ein sintflutartiger Regenguss, dann Sonnenschein, drei Stunden später kamen wieder Wassermassen vom Himmel: Der Sonntag ist für die Feuerwehr in Stuttgart weitaus aufregender gewesen als die Tage zuvor, an denen rundherum in der Region das Regenwetter schon zu etlichen brenzligen Situationen geführt hatte.
„Wir hatten umgestürzte Bäume und vollgelaufene Keller – etwa am Sonntagmorgen ein Gewerbeobjekt in Mühlhausen“, berichtete der Feuerwehrsprecher Daniel Anand. Aber es hätte der Stadt gut getan, wäre eine Regenpause gekommen. „Jetzt ist jeder Tropfen einer zu viel“, erläuterte Anand. Am Sonntagvormittag häuften sich die Einsätze. An der Überkinger Straße in Bad Cannstatt bestand die Gefahr, dass eine Tiefgarage vollaufen könnte. Alle Autos mussten rausfahren, die Feuerwehr kam mit einem Wassersauger und half, die Gefahr zu bannen. Auf die Charlottenstraße im Bezirk Stuttgart-Mitte stürzte ein Baum. Die Polizei sperrte die Bundesstraße 27 deswegen so lange, bis die Feuerwehr alles entfernen hatte, was länger als eine Stunde dauerte.
Die Stuttgarter Feuerwehr hilft in Göppingen
Am Sonntagnachmittag hatte die Feuerwehr dann deutlich mehr zu tun: Bis zu 50 Einsätze liefen parallel. Darunter war die gesperrte Stadtbahnhaltestelle an der Uni in Plieningen, die unter Wasser stand. Dort waren auch Keller auszupumpen und eine Tiefgarage. In Stuttgart-Süd kam es zu einem Hangabrutsch hinter Gebäuden durch die Wassermassen, der habe aber niemanden gefährdet, so der Feuerwehrsprecher.
Ans Neckarufer eilte unterdessen das Technische Hilfswerk, „das haben wir alarmiert, nachdem der Betreiber uns verständigt hatte“, sagte Anand. Dort dräute Gefahr für die Ausflugsschiffe des Neckar Käpt’n. Der Neckar war durch das viele Wasser zum reißenden Strom geworden, es bestand die Gefahr, dass der Fluss die Schiffe mitreißen könnte. „Wir haben die nachvertäut und jetzt kann nichts mehr passieren“, sagte der Betreiber Jens Caspar. Wenn derlei Wetter vorhergesagt sei, treffe er natürlich Vorsichtsmaßnahmen. „Aber in der Prognose war nicht ganz klar, ob noch eine große Welle kommen würde. Wir haben sie deswegen neu vertäut“, sagt er über seine in Cannstatt liegende Flotte. Schäden habe er noch keine festgestellt. Nur unterm Partyfloß habe sich etwas festgesetzt, dessen Ruder lasse sich nicht mehr bewegen. „Entweder man kommt dran, wenn das Wasser zurückgeht, oder wir müssen Taucher einsetzen“, sagte Caspar.
Der Regen macht auch dem Hamburger Fischmarkt zu schaffen
Nicht nur die Gefahren, auch die ungemütlichen Seiten des Wetters waren ein Thema in der Stadt. Die Beschicker des Hamburger Fischmarkts kommen zwar von der Waterkant, aber das viele Wasser machte ihnen sehr zu schaffen. „Das war eine Katastrophe“, sagt Anna Rehberg, die Eventmanagerin des Fischmarkts. Man habe bis Mitte der Woche gehofft, „es rüttelt sich noch mal zurecht“, aber dann kam der ganz große Regen. „Wenn es um 18 Uhr regnet, dann gehen die Leute nicht mehr raus“, das lehre die Erfahrung. Mit verantwortlich für die schlechten Tage auf dem Karlsplatz macht Rehberg die Vorverlegung des Fischmarkts auf Ende Mai wegen der anstehenden Fußball-EM.
Aber es gab auch schöne Momente. Zum Beispiel seien Besucher aus München gekommen, wo man den Fischmarkt wegen der EM ganz abgesagt habe. Das habe die Beschicker erfreut. „Und dann muss ich noch sagen Hut ab vor allen, die trotz der Kälte unter den Schirmen gegessen haben. Das ist ein echter Liebesbeweis“, lobt Rehberg.