Das Solebad liegt direkt an der Bad Cannstatter Bahnhaltestelle Kursaal. Foto: IMAGO/Arnulf Hettrich

Die geplante Schließung der Solebad-Sauna überraschte nicht nur die Stuttgarter Bürgerinnen und Bürger. Die Bad Cannstatter Grünen fordern nun eine Aufarbeitung.

Am 19. Dezember 2025 beschloss der Stuttgarter Gemeinderat bei den Haushaltsberatungen einstimmig, den Saunabetrieb des Solebads zu schließen und die Fläche an Nanz medico zu verpachten. Das ambulante Rehazentrum möchte dort sein Zentrum (ZAR) erweitern. Begründung für diese Entscheidung: Die notwendige Sanierung sei zu teuer. Viele Bürgerinnen und Bürger aber auch die Grünen im Bezirksbeirat Bad Cannstatt reagierten empört. Ende Februar stellten die Cannstatter Grünen daher gemeinsam mit der FDP einen Antrag: Die Stadt solle ausführlich über den Planungsstand berichten.

 

„Die CDU und die Grünen im Gemeinderat mussten unter schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen für ganz Stuttgart entscheiden – das respektieren wir. Wir Grünen vor Ort bewerten die Sauna mit ihren Damentagen jedoch anders, weil sie für viele Cannstatterinnen und Cannstatter eine besondere soziale und gesundheitliche Bedeutung hat“, so der Cannstatter Fraktionssprecher von Bündnis 90/Die Grünen Eberhard Wachter. „Deshalb setzen wir uns vor Ort zumindest für einen Teilerhalt ein. Entscheidungen sind nicht in Stein gemeißelt – man kann sie überprüfen und auch korrigieren, wenn neue Argumente und Perspektiven auf dem Tisch liegen.“

CDU kritisiert Vorgehen der Cannstatter Grünen

Der Antrag wurde mit 13 Ja-Stimmen, einer Gegenstimme und vier Enthaltungen angenommen. Die Gegenstimme und die Enthaltungen kamen von der CDU.

Zwei Tage nach der Bezirksbeiratssitzung veröffentlichte die Cannstatter CDU ein Video auf ihrem Instagram-Profil. Darin kritisiert die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Cannstatter CDU, Andrea Enzelsberger, das Vorgehen der Grünen. Im Video sagt sie, dass die Cannstatter CDU zwar bedauere, dass der Saunabereich geschlossen werden müsse, aber „wenn es keine Gelder gibt, dann kann man da auch nichts mehr machen“. Den Grünen wirft sie vor, den Bürgern „etwas vorzumachen“ und eine unehrliche Politik zu praktizieren.

Auf Nachfrage erklärt sie diese Einstellung damit, dass sie keine Signale aus dem Gemeinderat gehört habe, dass eine Änderung des Vorgehens, also ein Weiterbestehen möglich sei. Zudem sieht sie den Antrag der Cannstatter Grünen als Wahlkampfmanöver.

Wachter reagierte auf das Video ebenfalls mit einem Instagram-Post, in dem es unter anderem heißt: „Ja, es stimmt: Im Gemeinderat haben die Grünen gemeinsam mit der CDU dem Vorschlag der Bäderverwaltung zugestimmt, die Sauna nicht zu sanieren. Diese Entscheidung respektieren wir – aber wir Grüne hier in Cannstatt sehen das anders. Das ist gelebte Demokratie.“

Kein Abweichen von den Plänen in Sicht

Stadtrat und Fraktionsvorsitzender der Grünen Björn Peterhoff zeigt Verständnis für das Vorgehen der Cannstatter Grünen: „Wir können den Antrag und die Haltung der Grünenfraktion vor Ort sehr gut nachvollziehen und befürworten diesen. Es ist absolut richtig, ein Thema, das vor Ort solche Wellen schlägt, ausführlich und öffentlich zu diskutieren und auch Alternativen aufzuzeigen. Wir selbst waren entsetzt, als im Wirtschaftsplan der Bäderbetriebe die Verpachtung des Saunabereichs als einer von mehreren Einsparvorschlägen auftauchte.„ Da sich keine Mehrheit abzeichnete und aufgrund der Haushaltslage keine Mittel für eine andere Lösung aufzutreiben waren, sei eine Zustimmung des Gemeinderats nicht abzuwenden gewesen. „Wir Grüne haben uns jedoch dafür eingesetzt, dass im Zuge einer Sanierung im Badebereich ein Dampfbadbetrieb eingeplant werden soll. Dies wurde uns vom zuständigen Bürgermeister Thürnau im Rahmen der Vollversammlung des Gemeinderats auch zugesagt und in die Planungen aufgenommen.“

Die Stuttgarter Bäderbetriebe sehen keinen Grund, von den Plänen abzurücken. Es gebe einen aktuell gültigen Gemeinderatsbeschluss und sie seien verpflichtet diesen umzusetzen, sagt uns der Pressesprecher. Weder der Antrag aus Bad Cannstatt, noch ein Antrag der Gemeinderatsfraktion Die Linke SÖS Plus, der als Ausgleich geschlechtergetrenntes Saunieren im Mineralbad Leuze fordert (wir berichteten), liege den Bäderbetrieben vor.

Besucherzahlen

Solebad
Laut den Stuttgarter Bäderbetrieben besuchten im Jahr 2025 insgesamt 247 553 Gäste das Stuttgarter Solebad, davon waren 48 490 Saunagäste. Alle drei Stuttgarter Thermen sowie alle Bäder seien defizitär, teilt ein Sprecher mit.