Zum Frühlingsanfang sehnen sich viele Menschen nach mehr Romantik. Foto: dpa/Hendrik Schmidt

Eine junge Frau aus Stuttgart-Vaihingen hat sich trotz Corona verliebt. Auch wenn manches anders lief als sonst. Zum Frühlingsanfang eine Liebesgeschichte, die Mut macht.

Vaihingen - In Zeiten, in denen die Gehsteige mehr oder weniger hochgeklappt sind, in denen man auf Abstand geht statt auf die Theo, in diesen Zeiten hat sich Vera aus Stuttgart-Vaihingen trotzdem verliebt. Allerdings begann auch diese Romanze nicht damit, dass der eine den anderen über den Haufen gerannt hat, sondern auf Distanz. Dort, wo das Leben seit Monaten spielt: im Digitalen.

Den Gedanken, sich bei einer Online-Partnerbörse anzumelden, hatte sie schon vor der Coronapandemie, sagt die 22-Jährige. Doch dann kam immer wieder was dazwischen. Seitdem es ruhiger zugeht, hat sie es eines Tages getan. Auch, weil Onlinedating seit Corona angesehener sei, sagt sie. „Es ist nicht mehr nur für die Looser.“ Die Zahlen geben ihr recht. Online-Partnerbörsen verzeichnen seit März 2020 einen sprunghaften Zulauf. Beispielsweise: Auf der hierzulande umsatzstärksten Partnervermittlung Parship werden durchschnittlich ein Viertel mehr Nachrichten als zuvor verschickt.

Sie haben sich erst mal ellenlange Nachrichten geschrieben

Vera hat sich bei einer Bezahl-Börse angemeldet, also bei etwas Seriösem. „Ich habe sonst keine Erfahrungen damit“, sagt sie. Aber sie hatte einen Grundsatz: Der Mann darf ruhig die Frau anschreiben. Es hat keine zwei Wochen gedauert, bis sich ein 28-Jähriger aus Ludwigsburg gemeldet hat. Sie haben sich zwei Wochen ellenlange Nachrichten geschrieben, strukturiert, vertieft, erzählt sie. „Das hat ganz schön Zeit gekostet“, sagt Vera.

Vera heißt in Wirklichkeit anders. Doch ihr Name ist kein völlig unbekannter auf den Fildern. Sie erzählt ihre Liebesgeschichte gern, möchte dabei aber lieber anonym bleiben. Und ihre Liebesgeschichte lohnt sich. Denn der passionierte Briefeschreiber war ein Volltreffer. Obwohl oder gerade weil ihr erstes Date war, wie es war. Coronakonform.

Vier Stunden unterwegs in Stuttgart-Vaihingen

Sie haben sich am Nikolaustag in Stuttgart-Vaihingen am Bahnhof getroffen und sind durch den Bezirk spaziert, oder besser gesagt: gewandert. Vier Stunden waren sie unterwegs, kamen an einigen Stellen mehrmals vorbei. „Es hat dann auch noch angefangen zu regnen“, erzählt Vera. Doch er hatte an alles gedacht, auch an Kaffee und Kekse. „Damit ich ihm auch ja nicht weglaufe“, sagt sie. So ein Kennenlern-Spaziergang habe durchaus seine Reize, sagt Vera. Man sei in Bewegung, könne auch mal innehalten und schweigen, hat dauernd neue gemeinsame Eindrücke. Im Restaurant sei es viel steifer, sagt sie. „Da frage ich mich dann die ganze Zeit: Wie ess’ ich, damit ich noch schön aussehe?“

Nach einem zweiten, etwas kürzeren, Spaziergang durch Esslingen waren sie sich einig: Das nächste Treffen ist an einem wärmeren Ort. Also haben sie bei ihm zu Hause gekocht. Und Vera kann beruhigt sein, sie sieht offenkundig schön aus beim Essen, denn zwischen ihr und dem passionierten Briefeschreiber gelten inzwischen keine Abstandsregeln mehr.

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