Hochsensible medizinische Daten sind ungesichert im Netz gelandet – 13 000 Datensätze sind laut Recherchen deutschen Patienten zuzuordnen. (Symbolfoto) Foto: adam121 - stock.adobe.com/Khakimullin Aleksandr D9

Hochsensible medizinische Daten, unter anderem von Patienten aus Deutschland und den USA, sind einem Bericht des Bayerische Rundfunks zufolge auf ungesicherten Servern gelandet. In Deutschland sind laut Recherchen mehr als 13 000 Datensätze von Patienten betroffen, in mehr als der Hälfte sind Bilder enthalten.

München - Hochsensible medizinische Daten, unter anderem von Patienten aus Deutschland und den USA, sind einem Bericht zufolge auf ungesicherten Servern gelandet. Es gehe um die Daten mehrerer Millionen Patienten, wie der Bayerische Rundfunk am Dienstag nach Recherchen des Senders mit der US-Investigativplattform ProPublica berichtete. Auf die Unterlagen - etwa Brustkrebsscreenings, Wirbelsäulenbilder, Röntgenaufnahmen eines Brustkorbs oder Herzschrittmacher - hätte jeder zugreifen können, so der Bericht.

Fast alle Informationen sind personenbezogen

In Deutschland sind laut BR-Recherchen mehr als 13.000 Datensätze von Patienten betroffen, in mehr als der Hälfte sind Bilder enthalten. Sie waren demnach noch bis vergangene Woche zugänglich und stammen von mindestens fünf verschiedenen Standorten. Der größte Teil der Datensätze entfällt auf Patienten aus dem Raum Ingolstadt und aus Kempen in Nordrhein-Westfalen, wie die Recherchen ergaben.

Die Bilder seien hochauflösend und mit vielen Informationen versehen, fast alle davon personenbezogen: Geburtsdatum, Vor- und Nachname, Termin der Untersuchung und Informationen über den behandelnden Arzt oder die Behandlung selbst.

16 Millionen Datensätze sollen offen im Netz sein

Weltweit ist die Dimension demnach deutlich größer, Server auf der ganzen Welt seien ungeschützt. In rund 50 Ländern von Brasilien über die Türkei bis Indien sollen 16 Millionen Datensätze offen im Netz sein. Besonders betroffen seien Patienten aus den USA. Allein bei einem einzelnen Anbieter für radiologische Untersuchungen lagen nach einer Auswertung der US-Investigativplattform mehr als eine Million Datensätze von Patienten vor.

Wenn Patienten in einer MRT-Röhre untersucht werden, entstehen zwei- und dreidimensionale Bilder vom Körperinneren. Diese Bilder werden von den Geräten auf einen speziellen Server geschickt, der für die Bildarchivierung verwendet wird, ein so genanntes „Picture Archiving and Communication System“ (PACS), wie der BR weiter berichtete. Auch Röntgenaufnahmen und Bilder aus der Computertomographie landen demnach auf diesen Servern.

Zugriff erfolgt nahezu in Echtzeit

Sind die Server nicht ausreichend gesichert, sei es trivial, an die Daten heranzukommen, sagte der Experte für Informationssicherheit Dirk Schrader, dem Sender. Er habe die Investigativ- und Datenjournalisten des Bayerischen Rundfunks kontaktiert, nachdem er weltweit mehr als 2300 Rechner gefunden hatte, auf denen diese Datensätze lagen.

Schrader spricht von einem „near realtime-access“, einem Zugriff nahezu in Echtzeit. „Bei den Systemen, die ich überprüft habe, hatte ich den Eindruck, dass ich im Zweifelsfall sogar in der Lage wäre, früher als der Arzt auf das Bild zuzugreifen“, sagte er.

Datenschützer sieht „verheerenden ersten Eindruck“

Journalisten von BR Recherche/BR Data vollzogen das Vorgehen von Schrader nach, wie der Sender mitteilte. Es seien auch stichprobenartig Betroffene kontaktiert worden, um die Echtheit der Daten zu bestätigen.

Der Bundesbeauftragte für Datenschutz, Ulrich Kelber, sprach von einem „verheerenden ersten Eindruck“, als ihm die Reporter einen Patientendatensatz in anonymisierter Form zeigen. Er warnt vor möglichen Folgen: „Sie möchten nicht, dass ein Arbeitgeber, ein Versicherungskonzern, eine Bank diese Daten kennt und ihnen keinen Vertrag oder keinen Kredit gibt.“ Diese Daten gehörten „nicht in die Hände Dritter“.

Der Bericht zu dem leichtfertigen Umgang mit Patientendaten soll am Dienstagabend um 21.45 Uhr in der Sendung „report München“ ausgestrahlt werden.

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