Schulkinder überqueren die Straße – dabei kommt es leider immer wieder zu Unfällen. Foto: dpa/David Ebener

Wie häufig verunglücken Kinder auf Schulwegen in Stuttgart? Was ist die Ursache? Die Behörden antworten so detailliert wie noch nie – auch zur Schuldfrage.

Die große Beteiligung an unserer Aktion „Achtung, Schulweg!“ hat auch mit der Angst vor Unfällen zu tun. Von einem Schulwegunfall spricht die Polizei, wenn ein schulpflichtiges Kind oder Jugendlicher auf dem Weg von oder zur Schule oder zu schulischen Veranstaltungen verletzt oder getötet wird.

 

Solche Unfälle werden öffentlich oft stark beachtet. Wie häufig kommen sie vor? Wer verunglückt am häufigsten? Gibt es Unfallschwerpunkte? Das haben wir beim Ordnungsamt angefragt. Es hat gemeinsam mit der Stuttgarter Polizei die Fakten geliefert – deutlich detaillierter als bisher in den Unfallbilanzen verfügbar.

Wie viele Schulwegunfälle passieren in Stuttgart?

Das Ordnungsamt hat Daten vorgelegt, die bis 2013 zurückreichen. Im Schnitt sind pro Jahr 19 Unfälle mit ebenso vielen Verletzten gezählt worden. Die Werte schwanken von Jahr zu Jahr, wie das Schaubild zeigt. Der Anteil an allen Unfällen mit Personenschaden liegt zwischen ein und zwei Prozent.

2022 gab es in Stuttgart 29 Schulwegunfälle, der höchste Wert seit Langem. Im vergangenen Jahr ging die Zahl der Unfälle zurück, dafür wurde mit sieben Schwerverletzten ein neuer trauriger Höchstwert ermittelt.

Ordnungsamt und Polizei schreiben, die Werten könnten „bei den relativ geringen Unfallzahlen als normale statistische Schwankung angesehen werden“.

Gibt es Unfallschwerpunkte?

„Die Unfälle verteilen sich über den Zeitraum der Schuljahre und über das Stadtgebiet ohne erkennbare Unfallschwerpunkte“, heißt es aus der Stadtverwaltung. Die allermeisten Schulwegunfälle passieren zwischen 7 und 8 sowie 13 und 14 Uhr – wenig erstaunlich, weil hier die meisten Schülerinnen und Schüler unterwegs sein dürften.

Was sind das für Unfälle?

Die Behörden legen Zahlen für 2023 vor:

  • Siebenmal rannten Schüler plötzlich über die Straße, teilweise zwischen geparkten Pkw.
  • Vier Unfälle passierten, als Schüler an der Haltestelle versuchten, Bus oder Stadtbahn zu erreichen. Zweimal wurde dabei eine zweite Stadtbahn aus der Gegenrichtung übersehen.
  • Dreimal wurden Kinder auf dem Zebrastreifen angefahren, viermal auf einer Fußgängerfurt.
  • Dazu kamen zehn Unfälle mit dem Fahrrad und einer mit einem City-Roller.

Auch zur Unfallschuld gibt es zahlen: Bei den meisten Schulwegunfällen seit 2019 waren Schüler die Hauptverursacher: 2019 in 69 Prozent der Fälle, 2021 bei 73 Prozent aller Unfälle. 2022 sank der Wert auf 55 Prozent.

Wer verunglückt bei Schulwegunfällen?

Hierzu liegen Daten seit 2019 vor. Durchweg ist die Zahl der Zehn- bis Vierzehnjährigen am höchsten. Bei den anderen Altersgruppen ergibt sich kein eindeutiges Bild – mal sind Grundschüler stärker betroffen, mal ältere.

Unsere vollständige Berichterstattung zum Thema Schulwegsicherheit fassen wir auf dieser Themenseite zusammen.

Zur Aktion „Achtung, Schulweg!“

Projekt
Die Redaktion von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten möchte in Kooperation mit dem Recherchenetzwerk Correctiv wissen, wie sicher die Schulwege in Stuttgart sind. Dazu brauchen wir Ihre Hilfe! Über ein einfaches Online-Tool können Sie Gefahrenstellen auf Schulwegen melden. Wir prüfen jede Eingabe und veröffentlichen sie anschließend. Das Ziel ist es, Gefährdungen von Schülerinnen und Schülern zu reduzieren. Unsere bisher erschienenen Beiträge finden Sie auf dieser Themenseite.

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Zum Abschluss des Projekts am 13. Oktober diskutieren wir im Kulturzentrum Merlin die Ergebnisse mit der Stadtverwaltung sowie Vertretern der Schulen und der Initiative „Kidical Mass“. Für die Diskussion im Merlin am 13. Oktober (Beginn 11.30 Uhr) können Sie sich kostenlos unter diesem Link anmelden.