Die Berührungsängste der Kunden vor Elektroautos sind immer noch groß. Foto: Mauritius

Obwohl weniger Autos den Besitzer gewechselt haben, ist der Umsatz im Handel mit gebrauchten Autos im vergangenen Jahr auf einen neuen Rekordwert gestiegen. Das ist auch eine Folge der Dieselkrise. Am meisten profitieren Privatverkäufer.

Stuttgart - Im Gegensatz zur stagnierenden Zahl der Pkw-Neuzulassungen ist der Gebrauchtwagenmarkt in Deutschland im vergangenen Jahr wieder gewachsen. Der Umsatz im Handel mit gebrauchten Fahrzeugen legte um 3,2 Prozent zu und betrug nach Informationen der Deutschen Automobil Treuhand (DAT), die am Donnerstag vorgestellt werden sollen und unserer Zeitung vorab vorliegen, 84,7 Milliarden Euro – ein Allzeithoch. Im Schnitt kostete ein Gebrauchter mit 11 780 Euro rund 4,7 Prozent mehr als im Jahr davor. Leicht zurückgegangen ist dagegen die Zahl der Verkäufe: Insgesamt 7,2 Millionen Mal hat im vergangenen Jahr ein Gebrauchter den Besitzer gewechselt, ein Minus von 1,5 Prozent.

Der Gebrauchtwagenmarkt ist etwa doppelt so groß wie der Neuwagenmarkt. In Deutschland wurden im Jahr 2018 nach aktuellen Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) 3,4 Millionen Neuwagen zugelassen, 0,2 Prozent weniger als 2017. Während sich die Dieselkrise im Geschäft mit Neuwagen deutlich bemerkbar gemacht hat – hier gingen die Verkäufe um knapp 17 Prozent zurück – wechselten im Gebrauchtwagenhandel nur rund fünf Prozent weniger Selbstzünder den Besitzer. Bei den Benzinern zeigt sich ein umgekehrter Effekt: Hier stiegen die Neuzulassungen um knapp acht Prozent, während die Verkäufe gebrauchter Otto-Motoren stabil blieben.

Dieselkrise hinterlässt Spuren im Gebrauchtwagenhandel

Doch die aktuelle Debatte um Fahrverbote für Dieselmotoren der Euronormen 4 und 5 hinterlässt auch im Gebrauchtwagensektor Spuren. So wurden dem Markt durch verschiedene Sonderprämien von Herstellern eine Vielzahl älterer Diesel entzogen, erläutert ein DAT-Sprecher. Weil auf der anderen Seite die Nachfrage nach gebrauchten Benzinern anstieg, legten auch deren Preise zu. Davon profitierten neben den Markenhändlern vor allem Privatanbieter, während der freie Autohandel Einbußen verzeichnen musste: Gut jeder zweite Gebrauchtwagen (51 Prozent) wird bei einem Vertragshändler eines Autoherstellers erworben. Der Durchschnittspreis lag mit 15 610 Euro um 500 Euro über dem Vorjahr. Freie Gebrauchtwagenhändler, die 16 Prozent Marktanteil besitzen, erzielten im Schnitt einen Verkaufspreis von 7890 Euro, 140 Euro weniger als im Vorjahr. Die übrigen 33 Prozent des Gebrauchtwagenmarktes entfallen auf den Bereich Privatverkäufe. Während ein Auto, das privat gehandelt wird, im Jahr 2017 noch durchschnittlich 6700 Euro kostete, waren es 2018 bereits 7730 Euro, ein Plus von mehr als 1000 Euro.

Doch trotz dieser positiven Aussichten ist der Anteil der Privatverkäufe zuletzt sukzessive gesunken. In den neunziger Jahren wechselte noch jeder zweite Gebrauchte von Privat zu Privat den Besitzer. Die Autobesitzer scheuen zunehmend den Aufwand des privaten Verkaufs und bevorzugen die unkomplizierte Inzahlungnahme beim Händler. Das bestätigt auch eine vom DAT in Auftrag gegebene Umfrage. Dazu haben GfK-Marktforscher rund 3900 Privatpersonen zum Autokauf und zum Werkstattverhalten befragt. Ein Viertel der Befragten bewerteten den Privatverkauf unabhängig vom erzielten Preis mit der Note „eher negativ bis sehr negativ“.

Deutsche haben nach wie vor große Lust aufs Auto

Die Lust am eigenen Auto ist nach Erkenntnissen aus dem DAT-Report aber keineswegs abgeflaut. So gaben neun von zehn Pkw-Halter und Autokäufer an, sich ohne ein eigenes Auto in ihrer Mobilität eingeschränkt zu fühlen. „Allerdings“, räumt auch der DAT-Sprecher ein, „haben wir nur Menschen gefragt, die bereits ein Auto besitzen oder sich eines zulegen.“

Die Umfrageergebnisse verdeutlichen auch, dass die Autofahrer beim Ein- oder Umstieg auf Stromer oder Hybrid-Varianten nach wie vor zögerlich sind: Demnach haben bisher nur zwölf Prozent der Gebrauchtwagen- und 24 Prozent der Neuwagenkäufer alternative Antriebsformen überhaupt in Erwägung gezogen. Als Hauptgründe gegen die Anschaffung eines Elektroautos werden nach wie vor die begrenze Reichweite, die hohe Anschaffungskosten und die langen Ladezeiten genannt. Nach jüngsten KBA-Zahlen wurden im vergangenen Jahr rund 36 000 reine E-Autos zugelassen, das entspricht gut einem Prozent an allen Neuzulassungen. Gebraucht gehandelt wurden rund 7500 E-Mobile, das entspricht einem Anteil von 0,1 Prozent.

Der Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer schränkt ein, dass der DAT-Report nicht die gesamte Realität des Marktes abbilde: „Im Gebrauchtwagengeschäft wird es 2019 manche böse Überraschung geben“, sagt der Leiter des CAR-Center der Universität Duisburg-Essen. Er spricht von unverkauften Autos als „Leichen im Keller der Autohändler und einigen Leasinggesellschaften“. Diese müssten „hohe Wertverluste auch bei Euro 6 Diesel“ in den Gebrauchtwagenbeständen verkraften. Es gebe aber auch Profiteure der Dieselkrise: „Für manche Autokäufer – etwa im Ausland oder auf dem flachen Land, wo keine Fahrverbote aufkommen – ist der gebrauchte Diesel zum Superschnäppchen geworden.“

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