WM-Aus in Frankreich: Ratlosigkeit bei den deutschen Fußballfrauen. Foto: Getty

Deutschland war einmal die Vorzeigenation im Frauenfußball. Bei der WM in Frankreich ist das DFB-Team gescheitert – und wird lange brauchen, um wieder an die Spitze zu kommen, meint unser Redakteur Marko Schumacher.

Stuttgart - Als Trost bleibt auch diesmal die Historie. Acht Europameisterschaften, zwei WM-Titel und ein Olympiasieg stehen in der prallen Chronik der erfolgsverwöhnten deutschen Fußballfrauen. Was soll’s also, dass sie von der WM in Frankreich mit leeren Händen zurückkehren? Kann ja mal passieren.

 

Nein, so einfach ist es nicht. Erstens ist das DFB-Team bereits zum zweiten Mal hintereinander noch vor dem Halbfinale gescheitert. Schwer wiegt zweitens die verpasste Olympiaqualifikation. Und besonders bitter ist drittens, dass nichts darauf hindeutet, es handele sich nur um eine kleine Delle. Die ruhmreiche Vergangenheit hilft also wenig, wenn Gegenwart und Zukunft so trist sind.

Keine Strategie, den Frauenfußball weiterzuentwickeln

Der Weg zurück nach oben dürfte lang und beschwerlich werden. Denn die einstige Vorzeigenation im Frauenfußball hat die Entwicklungen auf internationaler Ebene verpasst und als logische Folge den Anschluss verloren. Nicht an Pech und Zufällen liegt das erneute Scheitern – nein, viel schlimmer: Schuld ist das Fehlen einer erkennbaren Strategie, den Frauenfußball weiterzuentwickeln.

Links und rechts sind Vereine aus Frankreich, England und Spanien an der Bundesliga vorbeigezogen; die Clubs aus Italien werden die nächsten sein, die die besten Spielerinnen in ihre Liga locken. In diesen Ländern ist man mittendrin, die Strukturen zu professionalisieren. Nahezu alle großen Vereine von Manchester City und dem FC Arsenal über Juventus Turin und den FC Barcelona bis hin zum Neueinsteiger Real Madrid haben mittlerweile erkannt, welch großes Wachstumspotenzial der Frauenfußball besitzt – wenn man ihn aus Überzeugung fördert und nicht nur aus Pflichtschuldigkeit.

Der DFB scheint kein gesteigertes Interesse an den Frauen zu haben

Eine Alibifunktion erfüllen viele Frauenteams bei deutschen Proficlubs – wenn sie überhaupt eine haben. So lange in der Bundesliga kein Umdenken stattfindet, so lange der DFB mit sich selbst beschäftigt ist und kein Interesse (mehr) an den Frauen zeigt, wird sich das deutsche Team ans frühe Ausscheiden bei Großereignissen gewöhnen müssen.