Umweltschützer warnen vor den Amerikanern, doch die Alternativen sind rar. Foto: dpa

Seit 1901 gibt es Monsanto, doch die Zulassung von genveränderten Substanzen in den USA hat dem Unternehmen erst den richtigen Schub gegeben.

Frankfurt - Es ist erst wenige Tage her, dass der Name des amerikanischen Saatgut- und Pflanzenschutzmittelherstellers Monsanto auch in europäischen Schlagzeilen auftauchte. Es geht darum, dass das von Monsanto produzierte Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat inzwischen im Verdacht steht, krebserregend zu sein. Da die Zulassung für das seit mehr 20 Jahren auch auf europäischen Feldern eingesetzte Mittel ausläuft, müssen nun die Politiker darüber entscheiden, ob Gylphosat weiter genutzt werden darf oder nicht. Die einen sind dafür, andere dagegen, manche Bauern verteufeln das Gift, andere halten es für einen Segen, weil die Ernten dadurch besser ausfallen.

Auf etwas mehr als einem Drittel der Landwirtschaftsflächen wird nach Schätzung des Bauernverbandes das Monsanto-Mittel in Deutschland eingesetzt. Andere Landwirte setzen auf eine Mischung aus den Produkten der wenigen verbliebenen anderen Hersteller wie BASF, Bayer, Syngenta, Dow Chemical, Du Pont oder Chemchina. Man könne aber nicht davon ausgehen, dass solche Mischungen weniger problematisch seien als Glyphosat, heißt es beim Bauernverband.

Über Erneuerung der Zulassung wird demnächst entschieden

Die Entscheidung über die Erneuerung der Zulassung muss in den nächsten Wochen fallen. Und solange wird auch der Leverkusener Bayer-Konzern mit der Unsicherheit leben müssen, ob einer der Umsatzträger des amerikanischen Übernahmeziels Monsanto den europäischen Markt verlieren wird oder nicht. Der neue Bayer-Chef Werner Baumann wird aber auch damit leben müssen, dass die Einschätzungen zu Monsanto genauso auseinander gehen wie die zu Glyphosat. Für Umweltschützer wie Greenpeace oder andere Nichtregierungsorganisationen sind die Amerikaner Schuld an vielen Problemen der Welt, für andere sind sie die Retter, weil sie unter anderem Mittel gegen die Unterernährung der ständig weiter wachsenden Weltbevölkerung gefunden haben.

Die Geschichte des Unternehmens reicht bis 1901 zurück. Damals entstand ein klassisches Chemie-Unternehmen mit Produkten für die Landwirtschaft, mit Medikamenten und anderen Chemie-Produkten. Der Konzern wurde 2000 aufgespalten – seitdem entwickelt und produziert Monsanto nur noch für die Landwirtschaft. Das Unternehmen hat weltweit mehr als 21 000 Mitarbeiter. Monsanto gehört zu den 500 größten börsennotierten Unternehmen in den USA. Der Jahresumsatz lag zuletzt bei knapp 14 Milliarden Euro. Der Überschuss lag bei umgerechnet mehr als zwei Milliarden Euro.

Einer der Wachstumstreiber war die Tatsache, dass sich in den USA die Idee der genveränderten Pflanzen durchgesetzt hat. Für Farmer zählt, dass der Anbau sehr viel einfacher ist als bei herkömmlichem Saatgut. Mais und Soja, aber auch Baumwolle oder Zuckerrüben: Mehr als 90 Prozent davon stammen hier aus gentechnisch verändertem Saatgut. Eine Kennzeichnungs-Pflicht gibt es nicht. Wenn Lebensmittel gekennzeichnet werden, dann von Unternehmen, die darauf hinweisen wollen, dass ihre Produkte aus nicht manipulierten Pflanzen erzeugt wurden. Monsanto betont immer wieder, dass gentechnisch verändertes Saatgut ungefährlich sei. Robert Fraley ist Vize-Präsident des Unternehmens, er gilt als einer der Wegbereiter der Technologie. „Diese Produkte sind seit 20 Jahren auf dem Markt“, sagt er. „Es gibt keinen einzigen Problemfall mit Gen-Food oder Gen-Futter. Die Sicherheits-Bilanz unserer Produkte ist absolut makellos.“

Der US-Konzern war in mehrere Skandale verwickelt

Kritiker aber verweisen darauf, dass Monsanto schon häufiger in Skandale verwickelt war. Der Konzern mischte bei vielen umstrittenen Chemie-Fällen mit: bei PCB, Dioxin und beim Entlaubungsmittel im Vietnam-Krieg, Agent Orange. Hinzu kommen die Monopol-Stellung und die Geschäftspraktiken, die Lizenzgebühren für Erbgut-Patente fordert.

Doch gerade die Genforschung, die in Deutschland besonders kritisch beäugt wird, könnte einer der wichtigsten Gründe für den Vorstoß aus Leverkusen sein. Bayer und BASF sind auf diesem Gebiet deutlich zurückgefallen. Als weltweit agierende Konzerne können sie aber nicht ganz darauf verzichten. Dies schon gar nicht, weil sich die verbliebenen Rivalen gerade zu größeren Konzernen zusammenschließen.

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