Von Petra MuzenhardtTURIN. Hohe Schulden, leerstehende Sportstätten, horrende Folgekosten - die

Von Petra Muzenhardt

TURIN. Hohe Schulden, leerstehende Sportstätten, horrende Folgekosten - die Olympischen Spiele sind für Turin zum Albtraum geworden. Der olympische Geist ist längst verflogen, vergessen die ausgelassenen Siegesfeiern auf der Medals Plaza inmitten der Stadt, verdrängt die spannenden Wettbewerbe bei strahlendem Sonnenschein. Im Piemont ist vier Jahre danach Ernüchterung eingekehrt.

25 Millionen Euro beträgt das Defizit, das Turin und die Berggemeinden Sestriere, Bardonechhia, Pragelato, Cesana, San Sicario, Torre Pellice und Pinerolo erheblich belastet. Insgesamt 773 Millionen Euro haben die Winterspiele im Norden Italiens gekostet, doch das investierte Geld ist denkbar schlecht angelegt.

Das beste Beispiel hierfür ist die Schanze in Pragelato. 34,4 Millionen Euro wurden für den Sprungturm ausgegeben, ein halber Berghang musste dafür weichen. Anstatt sich für eine demontierbare Variante zu entscheiden, setzten die Planer auf eine Konstruktion aus Zement. Eine gehörige Fehlplanung. Denn das utopische Ziel, dort nach Olympia eine Skispringerschule aufzubauen und die Anlage an internationale Teams fürs Training zu vermieten, wurde nie erreicht. Weder die Österreicher, die Schweizer, die Deutschen noch andere Nationen zeigten Interesse. Die Schanze in Pragelato ist nun verwaist, das Jumping Hotel mit 120 Betten hat längst dichtgemacht.

Nicht viel anders sieht es bei der Bob- und Rodelbahn in Cesana aus. 70 Millionen Euro hat der Eiskanal verschlungen. Internationale Wettkämpfe, wie von den Organisatoren versprochen, finden allerdings kaum statt. Dagegen müssen für die Instandhaltung 2,2 Millionen Euro jährlich ausgegeben werden. Bei nur 500 000 Euro Einnahmen ein grandioses Verlustgeschäft. Die Schließung der Anlage wird daher nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Ein ebenfalls trostloses Bild bietet die 20 Millionen Euro teuere Langlaufpiste in Pragelato, auf der seit 2006 keine nennenswerten Wettkämpfe mehr stattfanden, und auch die Biathlon-Anlage (25 Millionen Euro) ist völlig verwahrlost. Die Beleuchtungsanlage, immerhin sieben Millionen Euro teuer, ist längst nicht mehr funktionsfähig. Diese Tatsachen treiben Pietro Marocco die Zornesröte ins Gesicht. "Es ist skandalös, dass die Olympia-Sportstätten verlassen sind und gerade im Winter so wenig genutzt werden", sagt der Präsident des Italienischen Sportverbands erbost.

Eine Stiftung, die die Stadt Turin und die Region Piemont gegründet haben, soll die Fehlplanungen korrigieren. Ihr Auftrag: die Sportstätten umfunktionieren und teilweise privatisieren. Ob das funktioniert, bleibt abzuwarten. Etwas Gutes haben die Olympischen Spiele aber der Region dennoch gebracht. Die Zahl der Skifahrer, besonders aus dem Ausland, ist gestiegen. Ein kleiner Trost, angesichts der massiven Probleme.

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