Die Natur ist für Winter schon mal in guter Stimmung. Die ersten Magnolienblüten recken sich verzückt in die Sonne. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Der letzte Monat des Winters präsentiert sich nahezu makellos sonnig und trocken – aber für Winterfans natürlich auch wieder viel zu warm

Stuttgart - Im Epizentrum des weltweiten Kehrwochenwesens lässt man sich in Sachen Vorbereitung auf den Ernstfall auf gar nichts ein. Kurzum – der winterdienstpflichtige Stuttgarter hatte sich natürlich auf die kalte Jahreszeit perfekt eingestellt und präpariert. In Garagen, Kellern oder Abstellzonen im Treppenhaus lagerten zum meteorologischen Winterbeginn am 1. Dezember pro Haushalt mindestens eine amtliche Schneeschaufel plus zwei Ersatzkanten (mittlerweile gerne mit Alugriff und Polypropylen-Schieber), ein Eiskratzer für die Straße, zwei Kubikmeter Split-Sand-Gemisch in der abschließbaren Holzwanne und 100 Kilo sorgsam vor neugierigen Blicken verstecktes Streusalz, das zwar verboten, aber bei frei stehenden Treppen oder steilen Tiefgaragenabfahrten unerlässlich ist, will man keine lädierten Paketzusteller verpflastern müssen.

Der wärmste Tag war auch der letzte – im Februar

Das Equipment war also angerichtet, die Winterdienst-Liste gegen die Datenschutzgrundverordnung gut lesbar über die Briefkästen gepinnt und dann das – ein Winter, der eigentlich keiner war. Zumindest nicht der Februar, also der letzte Monat des meteorologischen Winters. Hier lag an keinem einzigen Tag Schnee. „Mit einer Mitteltemperatur von 5,6 Grad war der Februar um 3,7 Grad zu warm“, erklärt Andreas Pfaffenzeller. Damit war der zweite Monat des Jahres laut dem Meteorologen vom Deutschen Wetterdienst (DWD) der sechstwärmste seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1951. Der wärmste Tag dabei war auch der letzte – am 28. Februar wurden an der DWD-Wetterstation am Schnarrenberg 18,7 Grad gemessen. Plus wohlgemerkt. Das muss man schon anmerken, denn genau ein Jahr zuvor waren am letzten Tag des Winters 12,8 Grad gemessen worden – allerdings minus. Zwischen den beiden Winterfinals 2018 und 2019 liegen also 31,5 Grad Unterschied.

Etwa 30 Grad Differenz kann man übrigens für fast jeden Tag des Jahres als maximalen Unterschied ausmachen, das ist also nicht sehr ungewöhnlich. Anders aber die Sonnenstunden im Februar, die waren außergewöhnlich zahlreich. Die Sonne schien fast 170 Stunden, das sind etwa 213 Prozent des langjährigen Mittels und der Spitzenplatz in der Statistik seit 1951. Sonniger als 2019 war ein Februar in Stuttgart noch nie. Und auch kaum mal einer trockener: Gerade mal 16,4 Liter Regen wurden pro Quadratmeter gemessen, das ist nicht einmal die Hälfte des durchschnittlichen Niederschlags (etwa 35 Liter).

Die letzten Jahre war der Winter immer zu mild

Der Winter ist jetzt also Geschichte – zumindest für die meteorologische Statistik. Aber die weist für Stuttgart dann doch noch einige erstaunliche Feinheiten auf. Ob man es angesichts der staubigen Wege und Straßen glaubt oder nicht – der Winter 2018/19 war deutlich zu nass. Im Dezember und im Januar wurden mit 175 beziehungsweise 179 Prozent Niederschlag sehr hohe Werte gemessen. Zumindest aber so hoch, dass der trockene Februar die Statistik nur noch ganz leicht nach unten ziehen konnte. Wobei die Natur den Regen nach dem trockenen Frühjahr und Sommer 2018 dringend gebraucht hat. Zumal es ja auch mit Ausnahme des Januars wieder sehr warm war in diesem Winter. Alle drei Monate lagen über dem Schnitt, der gesamte Winter lag mit 3,8 Grad um 2,5 Grad über dem langjährigen Mittel. Daran werden wir uns wohl gewöhnen müssen.

Zumindest die vergangenen vier Jahre war die meteorologische kalte Jahreszeit stets zu mild gewesen.

Und jetzt? Sollen wir Schneeschippen, Split und Salz in die hinterste Ecke des Kellers räumen? Möglicherweise ist das keine schlechte Idee. Bevor aber jetzt ganze Horden Autofahrer die Reifenhändler mit Sommerreifen im Kofferraum fluten, sei gewarnt. Das könnte ganz schön ins Auge gehen. Aktuell ist zwar für tiefe Lagen wie Stuttgart weit und breit kein später Wintereinbruch in Sicht, den Begriff Märzwinter gibt es aber nicht umsonst. Und hoch im Nordosten lagert immer noch genug polare Kaltluft, um es noch einmal richtig weiß werden zu lassen. Man sollte das Winter-Gedeck also durchaus in Griffweite behalten, auch wenn man die Schneeschaufel zumindest diese Woche wohl nicht brauchen wird.

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