Kein Wetter für ein Glas im Freien – zumindest nicht in der letzten Woche des April. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Das Wetter präsentierte sich gewohnt wechselhaft. Es gab einen kurzen Wintereinbruch, aber auch warme und sonnig Phasen. Besonders das Finale war aber kalt und nass.

Stuttgart - Der April ist die Zeit des Aufbruchs: Legionen von Menschen fluten Baumärkte und Gartencenter, decken sich ein mit Frühblühern, Rasensamen und Spezialdüngern. Manche heben sich nach der Kauforgie einen Bruch beim Verladen von tonnenschweren, unhandlichen Säcken mit Blumenerde. Andere, meist Männer in den allerbesten Jahren, umstreifen neugierig die neueste Generation von Sitzmähern, Motorsägen und Hochleistungshäckslern, während die Frauen eimerweise Fassadenfarbe an die Kasse karren, damit Männe die Hütte optisch wieder in Schuss bringen kann.

Nur die Hälfte an Regen

Und dann – dann macht das Wetter nicht mit. Der April ist wettertechnisch höchst launisch und hat oft alles im Angebot, was die Meteo-Küche so zu bieten hat. Vom Biergartenwetter bis zur späten Schneewanderung ist alles drin. Auch der April 2017 präsentierte sich mit einem meteorologischen Auf und Ab, die Statistik sieht aus wie die Fieberkurve eines nervösen Zuchtbullen. Nahezu normal war trotz des kleinen Wintereinbruchs mit Schneeregen Mitte des Monats die Temperatur, die mit durchschnittlich 9,2 Grad gerade mal 0,3 Grad über dem langjährigen Mittel lag. Alles andere als normal waren die Regenmengen. Auch wenn man es nach der Nässe der vergangenen Woche kaum glauben mag, fiel mit 27,1 Litern nur etwa die Hälfte an Regen eines durchschnittlichen Aprils (53,6 Liter) Damit ist das Jahr 2017 weiter auf einem staubigen Kurs. Bis auf den März waren alle Monate deutlich zu trocken. Ob das ein Anzeichen für einen nassen Sommer ist, kann man aber nicht sagen. Im Gegenteil. Die wechselhafte und feuchte Wetterlage Ende April und jetzt im Mai macht eher Hoffnung. „Schlechtes Wetter jetzt kann ein Anzeichen für einen schönen Sommer sein“, sagt dazu Klaus Riedl. „Das haben wir schon öfter beobachtet.“ Der Meteorologe vom Deutschen Wetterdienst sagt aber auch, dass eine fundierte Sommer-Prognose aktuell nicht möglich sei.

Erfrorene Blüten Mitte des Monats

Fakt ist aber, dass der April trotz des bis auf vergangenen Sonntag tristen Finales sehr sonnig war. Die 196,5 Stunden sind über 40 Stunden mehr als in einem durchschnittlichen April (154,1 Stunden) Wer Urlaub hatte, konnte also praktisch eine ganze Arbeitswoche zusätzlich Sonne tanken. Und auch Wärme. Am 10. April wurden an der Station Schnarrenberg 23,7 Grad gemessen, das reicht für ein Glas im Freien. Kalt war es aber auch – am 20. April sank die Temperatur auf Minus 2.1 Grad und so mancher Gartenfreund und Obstbauer beklagte erfrorene Blüten. „Das gehört eben auch zu einem normalen April“, sagt Meteorologe Riedl. Verschärft wird die Situation aber dadurch, dass die Vegetation wegen des milden März schon deutlich weiter war als normal.

Aber der April schert sich eben nicht darum, ist ein eher unberechenbarer Gesell, mit einer gewaltigen Spannweite an Temperaturen. Am 28.4. 2012 kletterte das Thermometer auf 31,2 Grad, da hätte es Hitzefrei geben können. 2003 sank dagegen am 8. April das Quecksilber auf Minus 11,7 Grad. Der April macht halt, was wir nicht wollen und hat im Extrem bis zu 40 Grad Temperaturdifferenz im Gepäck.

Sitzmäher und Fassadenfarbe kann man aber trotzdem kaufen, der Tag wird kommen, an dem man loslegen kann. Und am Samstag eröffnen in Stuttgart die Freibäder in Möhringen und auf dem Killesberg. Möhringen zwei Wochen später als früher, aber das hat bei dem Sauwetter ab 20. April wohl nur die härtesten Frühschwimmer gestört.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: