Markus Korselt, Intendant und künstlerischer Leiter des Stuttgarter Kammerorchesters (SKO), will mehr und mehr das Potenzial der Technologien erforschen und damit digitale Bereiche für sein Orchester nutzen. Foto: Thomas Schrott

Ein Orchester spielt Konzerte. Klar. Und Konzerte brauchen Publikum. Auch klar. Das Stuttgarter Kammerorchester ist aber auch in etlichen Bereichen digital unterwegs. Was in Zeiten des Coronavirus an Wichtigkeit gewinnt.

Was ein Orchester so alles kann? Na ja – von einem Konzertpodium aus mit schöner Musik seinem Publikum Freude bereiten, wenn öffentliche Veranstaltungen wieder Teil der Normalität sein werden. Aber das ist noch lange nicht alles. Das Stuttgarter Kammerorchester (SKO) zum Beispiel. „Wir müssen uns in hohem Maße selbst finanzieren“, erläutert der Intendant und künstlerische Leiter Markus Korselt. „Schon allein deswegen müssen wir innovativ sein.“

Damit meint er allerdings nicht nur ungewöhnliche Konzertformate, wie zum Beispiel die Sternstunden, sondern auch Projekte „außerhalb des Kerngeschäfts“, wie er sagt. „Wir möchten nicht, dass der Zug ohne uns abfährt“ – damit meint er die Digitalisierung. „Wir möchten das Potenzial neuer Technologien erforschen und nutzen. Damit können wir unsere künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten erweitern.“ Gesagt, getan. Und so ist das SKO schon in etlichen Bereichen digital unterwegs. Aktuell haben sie beim Auswärtigen Amt einen Antrag für ein Projekt gestellt, bei dem im Rahmen eines Livekonzerts Hologramme mit echten Künstlern musizieren sollen.

Das Orchester mit einem virtuellen Taktstock dirigieren

Bereits am Start ist die Zusammenarbeit mit der Hochschule der Medien. Gemeinsam realisieren sie Virtual-Reality-Konzerte. Da kann beispielsweise der Besucher auf Youtube ein Konzert anhören, dabei aber auch seinen Blick um 360 Grad wenden oder sogar selbst das Orchester mit einem virtuellen Taktstock dirigieren und einzelne Instrumentengruppen lauter oder leiser werden lassen. Er kann aber auch während des Konzertes virtuell durchs Orchester gehen und neben einem beliebigen Instrument stehenbleiben. Je nachdem, wonach ihm gerade ist, kann er dann dem Musiker auf die Finger schauen, den Blick durch den Raum schweifen lassen oder nachsehen, ob sich der Instrumentalist sich auch die Schuhe richtig geputzt hat.

Aber auch außerhalb ihres „Kerngeschäfts“, wie es der Intendant mit einem Schmunzeln bezeichnet, gibt es neue Ideen. Fortbildungen für Führungskräfte anzubieten, dieses Projekt ist seit dem Frühjahr 2019 am Start – mit Erfolg. Wie das funktioniert? Ganz einfach. Führungskräfte bekommen, vereinfacht gesagt, die Gelegenheit, einmal selbst ein Orchester zu dirigieren. Musikalische Vorkenntnisse seien dafür nicht notwendig, versichert der Intendant.

Stuttgarter Kammerorchester engagiert sich für junge Menschen

Ehe ein Teilnehmer zum ersten Mal dem Orchester gegenübersteht, bekommt er von Markus Korselt ein paar Grundlagen mit auf den Weg. Steht er dann auf dem Dirigentenpodium, hat er den Dirigenten Johannes Klumpp an der Seite. Sehr schnell und direkt kommt dann die musikalische Rückmeldung zur jeweiligen Art und Weise, wie dirigiert wird. Zu dominant oder zu frei? Im Dialog mit den Musikern oder eher ichbezogen? Das Ergebnis ist deutlich hörbar – ganz ohne Worte. Im Grunde nicht weiter verwunderlich: Ganz selbstverständlich spricht man davon, dass jemand ein Unternehmen dirigiert. Auch der Direktor besitzt denselben Wortstamm. Er gibt die Richtung an. Die Musiker, so verrät Korselt, haben bei diesen Veranstaltungen auch großen Spaß. „Sie erhalten ganz nebenbei Einblicke in den Werkzeugkasten des Dirigenten.“

Neben all dem engagiert sich das SKO natürlich weiterhin für junge Menschen mit seinem SKOhr Labor und anderen Aktionen in Deutschland und weltweit, für die es vom Bund ausgezeichnet wurde. Und sie sind, wenn es wieder möglich ist, auf Baden-Württemberg-Tour. Dabei kommen sie in kleinere Städte und Gemeinden und musizieren vor Ort mit Musikschulen oder gestalten vergleichbare, andere nachhaltige Projekte mit Schulen.

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