Der Esslinger Architekt Thomas Sixt Finckh hat für die Familie Wächter in Roßwälden ein Haus gebaut. Was zeichnet es aus? Ein Einblick.
Wie ein Fels in der Brandung steht das Haus der Familie Wächter im Haldenweg im Ebersbacher Ortsteil Roßwälden. Der schlichte Baukörper aus Beton wirkt mächtig. „Wir fühlen uns hier geborgen“, sagt Franziska Wächter. Mit der dreijährigen Tochter Emma steht sie am Badeteich. Libellen schweben über dem Wasser. Baby Jan schläft im Tragetuch bei seiner Mama. Weil der Esslinger Architekt Thomas Sixt Finckh den Wohnmonolithen auf das Wesentliche reduziert hat, war die Finanzierung für die junge Familie machbar.
Nun ist das markante Gebäude am Waldrand im Wettbewerb „Beispielhaftes Bauen“ der Architektenkammer Baden-Württemberg ausgezeichnet worden. Das freut Jan Wächter sehr: „Wir möchten damit auch anderen jungen Familien Mut machen, dass Wohnträume finanzierbar sind.“ Als das Ehepaar sich entschlossen hat, ein Haus zu bauen, gab es Kontakt mit einigen Baufirmen. Die Angebote waren den beiden aber zu uniform. „Für unsere Vorstellungen war da kein Platz“, bedauert Jan Wächter, der als IT-Spezialist zurzeit auch im Homeoffice arbeitet.
Offene Ohren für ungewöhnliche Ideen
Bei dem Esslinger Architekten Thomas Sixt Finckh, den sie vom Tennisclub kennen, stießen die Wächters auf offene Ohren. Den Vorsitzenden der Architektenkammer aus Esslingen reizte es, „für eine junge Familie so ein minimalistisches Projekt zu realisieren.“
Das Haus steht im Neubaugebiet in Roßwälden. Es wirkt wie ein Findling am Waldrand. In Fensterfronten spiegeln sich Bäume. „Hier darf sich die junge Familie entfalten und leben“, bringt Architekt Finckh seine Philosophie auf den Punkt. Aus den oberen Zimmern sieht man die Schwäbische Alb. „Da steht später Emmas Schreibtisch“, sagt der Planer im Zimmer der Dreijährigen. Die Wände sind mit Gipsbeton verkleidet. Darauf haben die Eltern einen Bär mit Luftballon gemalt. Finckh hat der Familie Lust gemacht auf das vielseitige Material Beton. „Wichtig ist, dass Menschen Räume mit Leben füllen.“ Da öffnet der Baustoff Horizonte.
Holzlatten aus der Familienhütte
Das haben die Wächters umgesetzt. An der Treppe im großen Wohnzimmer mit Küche und Lounge ist das Geländer durch schwarze und türkisblaue Fäden ersetzt. Die sind im Zickzack gespannt. Da hängen Bilder der Kinder. Solche Farbtupfer lassen den grauen Beton tanzen. Der Tisch ist aus Holzlatten gebaut. „Sie stammen aus einer alten Hütte der Familie Wächter.“ Erinnerungsstücke liebt Franziska Wächter. So integriert sie in den modernen Baukörper Familiengeschichte. Ihrem Mann war es wichtig, viel selbst zu machen: „Das spart Geld, wir haben so einen noch stärkeren Bezug zum Haus.“ Wichtig war die Beleuchtung. Mit effektiven LED-Deckenleuchten haben die Wächters warmes Licht im Haus. Die Fenster im Flur sind nicht nur ein Hingucker, sondern auch besonders bruchsicher. Nachts reflektiert das Licht im milchig-weißen Material. Die Energiebilanz stimmt bei der Stahl-Betonkonstruktion mit kerngedämmten Außenwänden und thermisch aktivierter Zwischendecke – die je nach Jahreszeit heizt oder kühlt. Mit „einfacher Haustechnik und einer Geothermie-Wärmepumpe“ hat Finckh Wert gelegt auf nachhaltiges Bauen.
Einliegerwohnung schafft Spielraum
Die Baukosten liegen nach seinen Worten bei 630 Euro pro Kubikmeter. Die Wohnfläche von 133 Quadratmeter für die vierköpfige Familie ist relativ knapp bemessen. Dazu kommt eine 25 Quadratmeter große Einliegerwohnung, die einen separaten Eingang hat. „Die haben wir vermietet, können so in den ersten Jahren das Darlehen tilgen“, sagt Franziska Wächter. Falls die Familie noch wachsen sollte, könnte man diesen Bereich integrieren. Die obere Ebene ist für die Schlafzimmer und das Arbeitszimmer reserviert. Vor der Haustür sind Stellplätze.
Die Küche, ein Lagerraum und das Wohnzimmer wachsen mit der Fensterfront in den Garten hinaus. „Die Terrasse haben wir größer gemacht, als unser Architekt das wollte“, sagt das Ehepaar lachend. Mit einer Sitzecke und Esstisch ist da für Gäste Platz. Davor fällt die Gartenfläche steil ab. „Wasser haben wir uns immer gewünscht“, sagt Jan Wächter. Ein Pool war im Etat aber nicht drin. Mit Legobetonsteinen hat ein Landschaftsgärtner den Naturteich geschaffen: „Drei bis vier Züge schwimmen geht“, sagt Franziska Wächter. Alle vier erfrischen sich da gerne. Daneben ist der Spielbereich mit einer Schaukel und mit Streuobstbäumen aus altem Bestand. Das Grundstück mit 535 Quadratmetern hat der Architekt optimal genutzt. Jan Wächter ist glücklich, dass ein Teil der Bäume erhalten geblieben ist. Den Abhang an der Terrasse hat die Familie mit Büschen und Stauden bepflanzt. „Der Garten ist ein weiteres Zimmer, wir sind abgeschirmt von der Straße“, schwärmt die Bauherrin.
Badeteich für die ganze Familie
Was hat die Jury „Beispielhaftes Bauen“ an dem Projekt gereizt? Vor allem die „Rauminszenierung“ hat die Fachleute überzeugt. „Minimalismus ist nicht nur formal – und dies wunderbar – sondern auch inhaltlich gedacht und bietet einen vielfältigen Lebensrahmen.“